© Wiener Staatsoper / Ashley Taylor

Kritik
05/09/2022

Wiener Staatsoper: Wagner-Wunder bei der Walküre

Halbzeit bei Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ an der Wiener Staatsoper – ein matter Vorabend und ein toller Auftakt (Von Susanne Zobl).

Aufführungen von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ an der Wiener Staatsoper sind an sich stets etwas Besonderes. In dieser Saison spielt man bis 29. Mai zwei Serien. Am Pult amtiert Axel Kober. Der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein hatte 2019 in Wien eine maßstabsetzende Interpretation vorgelegt. Doch in dieser Saison ließ das Ereignis auf sich warten.

Plätschernder Rhein

Beim „Rheingold“ waltete Routine. Der Rhein plätscherte ruhig vor sich hin. Wo waren die herrlichen Klangfarben? Der Einzug der Götter in Walhall geriet zur müden Resignation. In deren Reich fehlten offensichtlich Freias kraftspendende, goldene Äpfel. John Lundgren vermittelte als Wotan den Eindruck, dass er nur eines will, das Ende. Dass er schwerst indisponiert war, wurde erst nach dem zweiten Aufzug der „Walküre“ mitgeteilt. Das hätte ihm beim „Rheingold“ die Buhs erspart. Monica Bohinec agierte als hausbackene Fricka. Regina Hangler fiel als ordentliche Freia auf, Daniel Lenz (Froh) und Erik Van Heyningen (Donner) gar nicht. In der übrigen Besetzung bewährte sich der erfahrene Jochen Schmeckenbecher als Alberich. Jörg Schneider intonierte sicher als Mime. Daniel Behle ließ als Loge Schärfe und Witz vermissen. Die Rheintöchter (Joanna Kędzior, Patricia Nolz und Stephanie Maitland) plapperten brav vor sich hin. Solide Artyom Wasnetsov (Fasolt) und Dmitry Belosselskiy (Fafner), ebenso Noa Beinart (Erda).

Selten, dass man so einen gewaltigen Wandel in bessere musikalische Welten erlebt wie am zweiten „Ring“-Abend. Denn bei der „Walküre“ war alles anders, da brach sich die Wagner’sche Magie Bahn, da wurde jedes Motiv klar hörbar, die Spannung hielt bis zum fein nuancierten „Feuerzauber“ am Ende. Simone Schneider, die für Lise Davidsen eingesprungen war, bestach mit ihrem sehr gut geführten, schönen Sopran als Sieglinde. Stuart Skelton ist ein Heldentenor mit Profil und gezügelter Power, sein entglittenes „Wälsungenblut“ fing er gut auf.

Stimmliche Strahlkraft

Dann aber kam wirklich das Ereignis. Das lag nicht nur an Kobers aufwühlendem Dirigat, nicht nur an Nina Stemmes überwältigender Brünnhilde, an der Strahlkraft ihres Soprans. Ihre „Todesverkündung“ – das reinste Wagner-Wunder. Lundgren demonstrierte Bühnenpräsenz und echte Gestaltungskunst. Bohinec verlieh der Fricka eine gewisse Schärfe. Dmitry Belosselskiy überzeugte als Hunding. Die Walküren waren gut aufeinander abgestimmt. Sven-Eric Bechtolfs Inszenierung bewährte sich repertoire-tauglich bei mehr als 20 Haus-Rollendebüts der beiden Aufführungen. Jubel für alle.

 

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