Kultur
28.04.2013

Apfelstrudel mit Ketchup

Das Wiener Staatsballett in der Volksoper: "Kreation und Tradition" ist unglücklich zusammengestellt.

Kreation und Tradition“ ist der Titel des neuen Ballettabends des Wiener Staatsballetts in der Volksoper. Ballettdirektor Manuel Legris stellt bekannte Werke aus dem traditionellen Ballett-Repertoire vier Uraufführungen von Mitgliedern des Wiener Staatsballetts gegenüber – ein Beweis für das kreative Potenzial, das in diesem Ensemble geweckt und gefördert wird.

Weniger glücklich erweist sich jedoch die Zusammenstellung. Trotz vieler tänzerischer Spitzenleistungen sieht klassisches Ballett neben den zeitgenössischen Stücken ganz schön alt aus, wirken die Tänzer nahezu puppenhaft in glitzernden Kostümen mit diversen Haarschmuckelementen. Noch dazu sind in allen Uraufführungen ganze, dramaturgisch entwickelte Choreografien zu sehen, während in den Klassikern Ausschnitte meist aus einem Kontext herausgelöst getanzt werden.

Im Eröffnungsstück, dem Pas des six aus Wachtang Tschabukianis selten aufgeführtem Ballett „Laurencia“ mit spanischem Kolorit, beweist Denys Cherevychko seine exzellente Technik. Hervorragend tanzt Irina Tsymbal als romantische Giselle an der Seite Robert Gabdullins.

Maria Yakovleva und Kirill Kourlaev gestalten einen virtuosen „Moszkowski-Walzer“ nach Wassili Wainonen. Liudmila Konovalova und Vladimir Shishov gefallen in einem Ausschnitt aus „Die Bajadere“.

Tanzjuwel

Dazwischen ist nach längerer Abstinenz ein Wiener Tanzjuwel zu bewundern. Susanne Kirnbauer studierte für Ketevan Papava Grete Wiesenthals „Wein, Weib und Gesang“ zum gleichnamigen Walzer von Johann Strauß ein. Bis heute wirkt diese Choreografie aus dem Jahr 1922 als bedeutender Schritt in der Tanzgeschichte, eine Lösung vom klassischen Korsett.

In die Gegenwart führt Andrey Kaydanovskiy, ein großes choreografisches Talent. In „Zeitverschwendung“ gelingt ihm eine anspruchsvolle Choreografie, in der er Tanz mit originellen Texten des jungen Wiener Dichters Georg Gatnar und einer Komposition Dmitry Cheglakovs verbindet. Eno Peci zeigt in „Herzblume“ den bewegenden Abschied einer Mutter von ihrem Kind, während Vesna Orlic zu einer neuen Komposition Helmut Hödls einen erotischen „Out of Tango“ mit Rebecca Horner und Mihail Sosnovschi vermittelt.

KURIER-Wertung: **** von *****