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Wiener Philharmoniker mit Lang Lang: Meer, Glut und Feuer

Lang Lang und die Wiener Philharmoniker unter Tugan Sokhiev begeisterten bei den Salzburger Festspielen.
Lang Lang spielt konzentriert auf einem Steinway & Sons Flügel vor einem begleitenden Orchester.

Helmut Christian Mayer

Lang Lang gilt als einer der führenden Vertreter seiner Zunft. Nicht zu Unrecht, denn dies vermochte der chinesische Ausnahmepianist einmal mehr bei den Salzburger Festspielen im zweimal ausverkauften Großen Festspielhaus zu beweisen, und zwar mit dem Klavierkonzert in G-Dur von Maurice Ravel. Er wusste dieses mit hoch inspirierter Sensibilität, Eleganz und Virtuosität hinzuzaubern, nur manchmal solistisch etwas manieriert in Dynamik und Tempo überzeichnet.

Wunderbar kamen dabei der spielerisch virtuose Charakter, die jazzigen und spanisch folkloristischen Elemente mit voranstürmender Brillanz in den Ecksätzen und im Adagio die wunderbar ruhig dahinfließende Melodie inklusive des herrlichen Zwiegesangs mit den bestens disponierten Wiener Philharmoniker unter Tugan Sokhiev zur Geltung. Für die Ovationen bedankte sich Lang Lang mit Frédéric Chopins Mazurka op.33/2 als Zugabe.

Wuchtig aggressiv

Jedes Orchester muss bei Claude Debussys impressionistischer Dichtung „La Mer“ erst mal zeigen, dass es die Finessen der sogenannten impressionistischen Musik zum Leuchten bringen kann. Kein Problem für die Wiener Philharmoniker unter Sokhiev – er ist auch als Dirigent für das kommende Neujahrskonzert vorgesehen. Bei den „Trois esquisses symphoniques“ konnte man das weite, rauschende und säuselnde Meer mit reich aufgefächerten Klangvaleurs und raffinierten Feinheiten mit allen Sinnen förmlich erspüren. Mit wuchtiger motorischer Aggressivität startete das tiefe Blech, kraftvoll setzten dann die Streicher ein, um effektvoll „Montagues und Capulets“ zu spielen.

Klangentladungen

Das Orchester unter dem stets animierenden Dirigenten wusste aber auch bei den anderen, von ihm kontrastreich ausgewählten neun Teilen aus den Suiten von Sergej Prokofjews Ballett „Romeo und Julia“ seine Vorzüge auszuspielen: So erklangen vom unsterblichen Veroneser Liebespaar etwa beim Abschied das berührende Liebesthema, rasant Tybalts Tod und schneidend schmerzlich die Streicher an Julias Grab.

Alles reich an Nuancen und Farben, voll Klangentladungen und Melodienreichtum mit Glut und Feuer musiziert.

Jubelnder Applaus und reiche Ovationen!

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