Salzburg feiert György Kurtágs 100er
Dramatik und Melancholie ließ das Budapest Festival Orchestra unter Ivan Fischer erklingen.
Helmut Christian Mayer
„Meine Muttersprache ist Bartók, und Bartóks Muttersprache war Beethoven“: So benannte György Kurtág einst selbst seine musikalischen Wurzeln. Dabei horchte er immer in Seelenregungen hinein, übersetzte sie in oft verknappte Klänge und verlieh ihnen Kontur sowie Farbe. Im „Movement für Viola und Orchester“ (aus 1954) ist bei aller auftrumpfenden Dramatik der Ton einer verzweifelten, zarten Melancholie unüberhörbar. Im Rahmen der „Hommage à Kurtág“ bei den Salzburger Festspielen, mit der dem ungarisch-französischen Komponisten zu seinem heurigen 100. Geburtstag eine eigene Konzertreihe gewidmet wird, erklang dieses Werk jetzt in der Felsenreitschule. Der Brite Lawrence Power musizierte es mit sinnlichem, samtigen Bratschenklang und der gewünschten Melancholie mit dem ideal begleiteten Budapest Festival Orchestra unter seinem Gründer und Chefdirigenten Ivan Fischer. Mit seiner Zugabe aus der dritten Solosonate des Barockmeisters Johann Paul von Westhoff demonstrierte Power dann seine exzellente Virtuosität.
Fröhlich und forsch
Zuvor erlebte man ein beliebtes Gustostückerl: Franz Schuberts „Unvollendete“ Symphonie. Abgesehen von technischen Kleinigkeiten waren große Vitalität, viele Farbmischungen und große Hintergründigkeit hörbar. Es wurde auch der Gegensatz zwischen dem düsteren ersten und dem fröhlichen und forschen zweiten Satz wie auch der raunend-geheimnisvolle Erzählton Schuberts ideal herausgearbeitet. Als Überraschung des Publikums ließ Fischer noch die von Schubert notierten neun Takte des 3. Satzes spielen.
Schlussapotheose
Aus dem Nichts heraus ertönte nach der Pause ein etwas zu wenig geheimnisvoller, schwebender Klangteppich, immer wieder unterbrochen von Naturlauten, bevor das eingängige Thema von Gustav Mahlers 1. Symphonie („Der Titan“) anhob. Extrem grotesk war der volkstümliche Ländler, besonders düster dann der Trauermarsch, mehrmals gebrochen von ironischen Jahrmarktklängen zu hören.
Expressiv, mitreißend und spielfreudig erklang schließlich das Finale unter dem energiegeladenen Dirigenten, inklusive der monumentalen Schlussapotheose, die den Schlussjubel des Publikums regelrecht provozierte.
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