APA13197556 - 12062013 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT KI - (v.l.n.r.) John Allen Clayton als "Angel", Barbara Hannigan als "Agnes" und Iestyn Davis als "The Boy" am Mittwoch, 12. Juni 2013, während der Fotoprobe von "Written on Skin" im Theater an der Wien. Die Oper hat am 14. Juni 2013 im Rahmen der Wiener Festwochen Premiere. APA-FOTO: HANS KLAUS TECHT

© APA/HANS KLAUS TECHT

Wiener Festwochen
06/14/2013

Die letzte Premiere der Ära Bondy

Komponist George Benjamin im KURIER-Interview.

von Georg Leyrer

Bei den „Opera Awards“ wurde sie als Uraufführung des Jahres ausgezeichnet, die Kritiken nach der Uraufführung in Aix-en-Provence und der Reprise in London waren euphorisch. Und ab heute, Freitag, ist die zeitgenössische Oper „Written On Skin“ als letzte Premiere der Ära Luc Bondy bei den Wiener Festwochen zu sehen. Der KURIER traf den Komponisten George Benjamin zum Gespräch über „sexy“ Musik, die visuelle Magie des Filmes – und die TV-Comedy-Serie „Fawlty Towers“.

KURIER: Der Guardian hat „Written On Skin“ als „schöne, leidenschaftliche, sexy Musik“ beschreiben. Klingt gut, oder?

George Benjamin (lacht): Es ist auch eine schöne, leidenschaftliche, sexy Story. Ich hatte keine Wahl, ich musste zumindest versuchen, auch solche Musik zu schreiben.

Normalerweise denkt man, zeitgenössische Musik ist zu kompliziert und zu intellektuell.

Das ist ein wenig unfair. Musik muss intellektuell sein – und emotional. Alban Bergs Musik geht direkt in die Eingeweide und verbindet das mit herausragender Komposition.

Es gibt heuer viele Jubiläen der Neuen Musik. Gefeiert werden aber Wagner und Verdi.

Geschmack verändert sich. In manchem dauert das Jahrhunderte. Denke Sie an Vermeer: Er war vergessen, bis sich im 19. Jahrhundert etwas im Geschmack verändert hat. Und dann war er ein großer Einfluss auf die Impressionisten. Heute ist er einer der bewundertsten Maler überhaupt.

Für „Written On Skin“ haben Sie zweieinhalb Jahre gebraucht.

Ja, das ist sehr schnell für mich. Ich werde beim Komponieren wirklich zum Einsiedler, ich habe fast nicht mit Menschen gesprochen.

Eine Oper zu schreiben ist heute wenig selbstverständlich.

Viele zeitgenössische Komponisten haben das nicht einmal versucht – oder Anti-Opern geschrieben. In den 60ern und 70ern war man der Meinung, dass die Oper der Feind des Avantgarde-Komponisten ist. Das Boulez-Zitat („Sprengt die Opernhäuser in die Luft“, Anm.) ist berühmt. Es war eine dornige, schwierige Beziehung. Und das Operngenre hatte Schwierigkeiten, sich auf den Film einzustellen, als dieser zunehmend populär wurde. Der hatte Sprache, Musik und visuelle Magie. Und er behandelte die Themen unserer Zeit.

Was kann Oper dann, was andere nicht können?

Das Singen ist die unglaublichste Kraft des Menschen. Das mit Theater und der Kraft eines Orchesters zu mischen, ist eine außergewöhnliche Erfindung. Und vergleichsweise jung: 400 Jahre! Ich glaube nicht, dass es unmöglich ist, dieses Medium neu zu beatmen.

Der Text, auf dem „Written On Skin“ basiert, ist aus dem 13. Jahrhundert, also viel älter. Warum?

Der Auftrag vom Aix-en-Provence-Festival kam unter einer Bedingung: Die Story muss in der Provence spielen. Wir haben gesucht und diese Geschichte gefunden, die voller Farbe, voller Gefühle ist. Und schrecklich. Daher hat es sich angeboten.

Das Finale ist recht brutal. Ist das gut für die Bühne?

Ja, und zum Singen. Da kann man jene Dinge ausdrücken, die mit Worten schwerfallen. Je ernster die Situation ist, desto größer ist die Notwendigkeit zu singen. Daher wollten wir etwas finden, das die wirklich großen Fragen stellt. Und mit schmerzhaften menschlichen Realitäten durchsetzt ist.

Trotzdem haben Sie einmal gesagt, dass Sie als Komponist von John Cleese (Monty Python) und seiner TV-Komödie „Fawlty Towers“ viel lernen können.(lacht) Ich liebe Humor. Neben Buster Keaton und Charlie Chaplin ist „Fawlty Towers“ eines der seltenen Meisterwerke. Und ja, auch von der Komposition kann man vieles lernen: Man startet immer mit einer Serie von Verstörungen, und über eine halbe Stunde hinweg führen die mit einem fantastischen Rhythmus zu einem Ende, das komplett unerwartet ist. Dieses Puzzle von unzusammenhängenden Dingen, die plötzlich eine Katastrophe auslösen – brillant.

Gibt’s also bald eine „Fawlty Towers-Oper“?

Nein! Nein! Es gibt viele lustige Opern. Aber ich liebe Oper vor allem für ihre Ernsthaftigkeit und Tiefe.

Fatale Beziehung

Handlung

Ein Landbesitzer lässt seine Herrschergewalt von einem Künstler in einem Buch illustrieren. Seine Frau verführt den Maler als Akt der Auflehnung gegen den herrschsüchtigen Mann. Die Dreiecksbeziehung hat fatale Folgen.

Aufführungen

14., 16. und 17., 19.30 Uhr, Theater an der Wien.

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