Neuer Handke: "Die schönen Tage von Aranjuez"

dapdARCHIV: Austrian author Peter Handke is seen during a dress rehearsal of Samuel Becketts and Peter Handkes drama "Krapps Last Tape/ Until Day Do You Part or A Question of Light" in Salzburg, Austria (Foto vom 07.08.09). Neuer Aerger um den Candide-Pre
Foto: dapd "Die schönen Tage von Aranjuez", das neue Stück von Peter Handke, feiert am 15. Mai Premiere.

Das neue Stück von Peter Handke ist ein "Sommerdialog" zwischen einem Mann und einer Frau. Die Uraufführung durch Luc Bondy findet bei den Wiener Festwochen statt.

Es ist Sommer, wie vielleicht noch nie einer. Vielleicht der letzte Sommer überhaupt." Es ist zwar noch gar nicht richtig Frühling, und noch muss man zwei Monate warten, bis Luc Bondy das neue Stück von Peter Handke, aus dem diese Sätze stammen, im Akademietheater zur Uraufführung bringt. Doch was Jens Harzer und Dörte Lyssewski dann als "Der Mann" und "Die Frau" einander sagen werden, lässt sich ab sofort vorauslesen: Der Text zu "Die schönen Tage von Aranjuez - Ein Sommerdialog" ist nun im Suhrkamp Verlag erschienen.

Eine Frau und ein Mann sitzen an einem Sommertag an einem Gartentisch, "unauffällig sommerlich gekleidet", "zeitlose" Gestalten "außerhalb gleichwelcher Aktualität und gleichwelchen historischen und sozialen Rahmens", "mehr Ahnung als Gegenwart". Es soll offenbar ein Dialog über die Liebe werden, "gedacht" von einem anonymen Arrangeur, auf den sich die Beiden noch öfter berufen werden und der sie möglicherweise selbst sind.

"Das erste Mal, du mit einem Mann, wie ist das gewesen?", fällt der Mann gleich anfangs mit der Tür ins Haus. Doch der Austausch von Erinnerungen, die prototypisch das Verhältnis der Geschlechter ebenso verhandeln sollen wie die Geschichte des Menschengeschlechts, verliert sich mehr im Traumhaften als im Konkreten. Als der Mann später nachbohrt, sich nach den "Fick- und Vögeljahren" seines Gegenübers erkundigt, wird er sanft zurecht gewiesen: "Solche Wörter, sie waren hier nicht gedacht."

Zwei Orte

Zwei Orte konkretisieren sich in ihren Erinnerungen: Eine lehmige, schmutzige Hütte in einer verlassenen Saline, in dem sich zwischen der Frau und ihrem ersten Liebhaber zum ersten Mal "Gottes Willen erfüllt" hat, und ein vom Mann in Aranjuez, der ehemaligen Sommerresidenz der spanischen Könige südlich von Madrid, aufgesuchtes "Haus des Landarbeiters", das sich als veritables Schloss entpuppte. "Die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende", heißt es zwar zu Beginn von Schillers "Don Carlos", doch in der Umgebung fand der umherstreifende Mann überall Früchte und Gemüse, die offenbar aus den einstigen vielgerühmten "königlichen Küchengärten" der Residenz stammten. Schon die Erinnerung an eine einzige wilde Johannisbeere ("eine Explosion von Säure und gleichzeitig Süße in meinem Gaumen, die im selben Moment meinen ganzen Körper durchschoß") lässt den Mann aufspringen. "He, eine Aktion!", tadelt die Frau sanft. "War`s denn nicht gedacht: Keine Handlung - nichts als Dialog!?"

"Immer noch Sturm", hieß das bisher letzte, vielgerühmte Handke-Stück. Für "Die schönen Tage von Aranjuez" wünscht sich der Autor einen "sachten Sommerwind, welcher, von Zeit zu Zeit, die Szenerie rhythmisiert". Wie das Regisseur Luc Bondy bewerkstelligen wird, lässt sich ab 15. Mai als Festwochen-Koproduktion im Wiener Akademietheater überprüfen.

(APA / moe) Erstellt am
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