Wien Museum setzt architektoni­sches Signal

Kos udn Pläne für den Neubau.
Foto: apa, Wien Museum Neben der Sanierung des denkmalgeschützten Oswald-Haerdtl-Gebäudes (grau) wäre ein Zubau, sowie Solitärbau (grün) möglich. Ein unterirdischer Bauteil würde eine große Ausstellungshalle ermöglichen.

Konkrete Pläne für das Wien Museum: Ein markanter
Zu- und Neubau könnte den östlichen Karlsplatz beleben.

Wien Museum, wohin? Bevor diese Frage entschieden ist, will es Direktor Wolfgang Kos genau wissen: Welches Zukunftspotenzial hat der jetzige Standort? Eine Bebauungsstudie "Wien Museum neu" der Lakonis Architekten zeigt: Am Karlsplatz ist neben dem denkmalgeschützten Oswald-Haerdtl-Bau, der saniert und innen funktional optimiert werden muss, auch ein allein stehender Solitärbau möglich – unter Wahrung der Denkmalschutz-Auflagen, was die Blickachsen auf die Karlskirche angeht.

Viel spricht für den Karlsplatz. Kos: "Wir haben ja ein Gebäude- und kein Standortproblem. Der Karlsplatz ist für uns eine hervorragende Location. Ein alternativer Standort hätte dann Sinn, wenn er besser ist. Oder nicht schlechter. Gerade ein Stadtmuseum braucht ein urbanes Umfeld, einen ständigen Kontakt zu Publikum und Touristen, und eine optimale Verkehrslage." Was im Off der Wahrnehmung und im Schatten der Erreichbarkeit liegt, scheitert, wie das Beispiel Palais Liechtenstein gezeigt hat.

Kultur-Neubau

Im Sommer 2009 sagte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, das Wien Museum müsse saniert werden, und es sei zu klein: "Außerdem fehlt Wien ein architektonisches Signal, mit dem es sein museales Image korrigieren könnte. Warum nicht ein Neubau?"

"Man sollte die Chance nützen, dass die Stadt Wien nach Ewigkeiten mit einem  wieder ein Zeichen setzt", so Kos. "Für ein beengtes Museum wiederum ist es wichtig, einen markanteren Auftritt zu bekommen. Der niedere Haerdtl-Bau ist hinter hohen Bäumen kaum sichtbar. Und ein Museum, das nicht `Hallo, da bin ich!` sagt, hat ein Problem."

 

Landmark

Lakonis Architekten/Wien Museum Foto: Lakonis Architekten/Wien Museum

Der Bau könnte zu einem neuen Wahrzeichen für Wien werden und bis zu 30 Meter hoch sein. Ein unterirdischer Bauteil würde beide Gebäude verknüpfen und Raum schaffen für eine große Ausstellungshalle, die jetzt fehlt. Um grob geschätzte 50 bis 70 Mio. € Gesamtkosten samt Sanierung. "110 Jahre nach der Secession könnte man doch wieder einmal etwas bauen, was die Leute noch in 100 Jahren auf Ansichtskarten kaufen ", sagt Kos. "Der östliche Karlsplatz braucht einen Hotspot analog zur Kunsthalle vor 20 Jahren." Um mit dem Museum weiterzukommen, müsse man "aus dem engen Unterleiberl raus".

Kos hofft, dass der 50er-Jahre-Bau des Wien Museums durch eine Erweiterung "ein bisschen sein graues Image verliert, noch mehr Besucher bekommt, aber auch wieder gefühlt wird im Sinne von: Da passiert etwas, da ist Energie. Jetzt geht es darum, wie weit ein Museum mit einem wesentlichen Neubau ein Dynamo sein kann, damit der Karlsplatz noch interessanter wird."

Breiter Konsens

Das Stadt­museum ist das einzige kulturpolitische Prestigeprojekt im Koalitionsabkommen der rot-grünen Stadtregierung. Wobei sogar die Opposition dafür ist. Kos ist optimistisch: "Es gibt einen breiten Konsens. Als ich hier angefangen habe, musste ich mit einem neuen Profil erst um jene Aufmerksamkeit kämpfen, die ein Neubauprojekt rechtfertigt. Und man gab mir mit auf den Weg, den schwierigen Karlsplatz zu beleben, der für Wien ja ein Zukunftsareal ist. Dafür steht der Slogan `Kunstplatz Karlsplatz` Es geht also nicht nur um das Museum, sondern auch um eine stadtplanerische Option."

Wie sieht der Zeitplan aus, unabhängig von der endgültigen Standortentscheidung? Käme es im Herbst 2013, wie Kos hofft, zu einem Architekturwettbewerb, könnte ungefähr zwei Jahre danach Baubeginn sein, Eröffnung 2017 oder 2018.

"Dann bin ich wahrscheinlich nicht mehr Direktor", so Kos, "aber mein Job war es ja, das Wien Museum ins 21. Jahrhundert zu führen. Dazu gehört eben auch ein der Bedeutung eines Top-Museums adäquates Gebäude, das einen zeit­gemäßen Museumsbetrieb ermöglicht."

Wien Museum neu: Pläne am Karlsplatz

Projekt Nach einer Bebauungsstudie der Lakonis Architekten ist neben der Sanierung des denkmalgeschützten Oswald-Haerdtl-Gebäudes von 1959 (grau) ein Zubau sowie ein allein stehender Solitärbau (grün) möglich, unter Wahrung der Auflagen des Denkmalschutzes. Ein unterirdischer Bauteil würde die beiden Gebäude verbinden und eine – derzeit fehlende – große Ausstellungshalle ermöglichen,

Vorteile Für Direktor Wolfgang Kos dient die neue Bebauungsstudie zu den "Wien Museum neu"-Plänen dazu, den Spielraum für ein Architekturprojekt am Karlsplatz zu definieren: "Durch die Erweiterungselemente entstehen spektakuläre, erlebnisstarke Museumsräume, und der Museumsvorplatz wäre ein toller öffentlicher Raum als Impuls für die weitere Belebung des Karlsplatzes."

(kurier) Erstellt am
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