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Wie Wien das Museumsquartier veränderte

Die Schau „Vision und Widerstand“ erzählt die Geschichte des Kulturareals und sagt einiges über das Zusammenspiel von Zeitgeist und Baukunst.
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Es war schon eine ziemlich abgenutzte Gstätten, über die die Künstlerin Ingeborg Strobl im Jahr 1996 eine Lipizzanerstute promenieren ließ. Autos parkten den Hof voll, Bäume und Gestrüpp sprossen in den Ecken, massive Holztüren umfassten den Eingang, durch den heute Wienerinnen und Wiener in ihr „Wohnzimmer“ strömen.

Der Umbau der ehemaligen Hofstallungen und des späteren Messepalasts zum Museumsquartier (MQ) stand zum Zeitpunkt von Strobls Filmaufnahme kurz bevor. Den Bauarbeiten vorausgegangen waren Architekturwettbewerbe und hitzige Debatten, die sowohl die Bauten als auch Grundsatzfragen betrafen: Welche Art von Kulturzentrum sollte sich Österreich geben, wie sichtbar sollte darin die Gegenwart sein, wie sakrosankt die Vergangenheit?

Demokratischer Raum

Die Ausstellung „Vision und Widerstand“, vom am Wien Museum tätigen Architekturhistoriker Andreas Nierhaus zum 25. Jubiläum der Eröffnung des MQ kuratiert (bis 27. 1. 2027), will Dabeigewesenen Anhaltspunkte in Erinnerung rufen – und Spätgeborenen eine Idee von der bewegten Geschichte des Areals geben. Das gelingt im MQ-Freiraum mit einer übersichtlichen Abfolge von Architekturmodellen und (großteils faksimilierten bzw. kopierten) Dokumenten, die sowohl die Etappen der Planung als auch das mediale Begleitgetöse vergegenwärtigen.

Fotomontage mit Turm

Der Untertitel „Wie das Museumsquartier Wien veränderte“ ist angesichts dieser Exponate allerdings verkehrt herum formuliert: Im Mittelpunkt stehen die Protagonisten, die das MQ nach spezifischen Ideen formten – und die Gegenspieler, die ihnen einen Strich durch die Rechnung machten. Personen mit ausgeprägtem Geltungsbedürfnis begegnen einem auf allen Seiten dieser Erzählung.

Kunst, Architektur, Kunst

Die Architekten Laurids und Manfred Ortner, die bereits bei der ersten Stufe des Wettbewerbs zu einer „Museumsinsel“ 1986/’87 reüssiert hatten und 1989/’90 eine zweite Ausschreibung für sich entschieden, traten mit künstlerischem Anspruch auf. Die Gemälde des Malers Giorgio de Chirico sollen als Vorbilder für den MQ-Hof gedient haben, führt Nierhaus aus – leer, vergeistigt, entrückt.

Von Enzi-Sitzmöbeln und Begrünungsinitiativen war noch keine Rede, auch die Idee von Museen als niedrigschwelligen Begegnungsräumen, die Museumsarchitekten der vergangenen Dekade zu Glasfronten und ebenerdigen Eingangslobbys motivierte, schien weit weg: Zum mumok und zum Leopold Museum steigt man heute ebenso empor wie zu den Schauräumen der großen Museen am Ring, als deren Gegenstücke die MQ-Häuser dienen sollten. Doch auch die vorgesehene Funktion der Gebäude war zur Zeit der Wettbewerbe nicht die heutige.

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Der mediale Zorn entzündete sich jedenfalls am Volumen der Bauten und an der Höhe des sogenannten „Leseturms“. Eine Wand mit Zeitungsausschnitten gibt die wesentlich in den Kommentarspalten von Printmedien geführte Debatte wider, was weniger über die tatsächliche Gemütslage im Wien jener Zeit sagt als über die Beschaffenheit des politmedialen Komplexes, den man heute eine „Bubble“ nennen würde.

Als „Tumor“ bezeichnete die Krone die Bauunternehmung 1992, während Werner Hofmann, Gründungsdirektor des heutigen mumok, die damals geplante Erweiterung des Reina-Sofia-Museums in Madrid zum Vorbild erhob: Sie zeuge von „vorausblickender Intelligenz“ und „sollte den Wienern Mut machen, über den Rand unseres Jahrhunderts hinauszuschauen“.

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Rückblickende Intelligenz

Am Ende wurde das MQ bekanntermaßen eine österreichische Lösung – ohne Leseturm, mit dezenter dimensionierten Baukörpern und mehr erhaltener historischer Substanz, als man anfangs angenommen hatte.

Die Ausstellung fördert die rückblickende Intelligenz, als sie neben Architekturgeschichte auch viel Zeitkolorit unterbringt – von großspurigen Plänen des Ur-Architekten Fischer von Erlach bis zu Fotos der Kulturszene der 1990er und 2000er-Jahre vom KURIER-Kollegen Thomas Trenkler. Dabei wird deutlich, dass sich die Vorstellung, was ein Kunst- und Kulturareal können muss, in den 25 Bestandsjahren schon mehrfach gedreht hat. Daran gemessen, funktioniert das MQ erstaunlich gut – auch wenn es nicht immer alle Ideale erfüllt.

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