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Neue mumok-Schau: Die Dekonstruktion des Moderne-Museums

Die 2025 angetretene Direktorin Fatima Hellberg gestaltete mit „Terminal Piece“ einen Parcours, der viele Gewissheiten auf den Kopf stellt.
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„Vollendung durch Kollaps“ steht gleichsam wie ein Motto auf dem schwarzen Band, das unter der Decke rund um einen nüchternen Kirchenraum mit grauen Bänken und Bretterboden läuft. Der Spruch stammt vom Künstler Gordon Matta-Clark, der damit bekannt wurde, abbruchreife Häuser zu zersägen: Er verwandelte die Behausungen damit in Kunstwerke und öffnete Blickachsen quer durch Wände und andere Strukturen hindurch.

Die Ausstellung „Terminal Piece“, mit der Fatima Hellberg, die seit Oktober 2025 amtierende Direktorin des mumok, ihr erstes großes programmatisches Zeichen setzt, ist in ihrer Radikalität durchaus mit den Eingriffen von der Sorte Matta-Clarks vergleichbar – nicht nur, weil tatsächlich verbaute Fenster freigelegt wurden und man vom mumok-Obergeschoß jetzt wieder auf die Museen am Ring schauen kann.

Eintauchen in fünf Akten

Die mit viel Ankündigungsrhetorik vorbereitete, als „Theaterstück in fünf Akten“ annoncierte Bespielung von insgesamt fünf Stockwerken schneidet auch tatsächlich in die etablierte Ordnung des Hauses und wirbelt eingeübte Kunstbetrachtungsweisen durcheinander. Die Frage, was ein Museum generell und das mumok konkret sein soll, wird so grundlegend gestellt – ohne dass allerdings eine Antwort in Sicht wäre.

Die Theaterstück-Metapher führt dabei ein Stück weit in die Irre: Die Ausstellung ist nur insofern theatral, als sie abseits eines nüchtern-weißen Museumssaals weitere Schau-Räume imaginiert. Die bis September bei freiem Eintritt zugängliche Eingangsebene („Prolog“) exerziert das deutlich vor: Hier hat die deutsche Bühnenbildnerin Anna Viebrock eine labyrinthische Raumfolge gebaut, die neben der erwähnten Kirche auch ein Wohnzimmer, eine Art Amtsstube und einen düsteren „Keller“ anbietet.

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Zu sehen sind Objekte aus der Sammlung, darunter Konzeptfotos (Louise Lawlers „Why Pictures Now?“), eine Collage von Daniel Spoerri, die auf Marcel Duchamps Urinoir-Skulptur verweist, und ein kopfstehender ausgestopfter Bussard des Künstlers Paul Thek von 1968.

Man hat fast vergessen, das solche räudigen Werke aus dem Grenzbereich von Kunst und Alltagsmaterial die Identität des mumok entscheidend definieren – der kühle, moderne Purismus war hier nie so zu Hause, wie es das Gebäude und teils auch das Programm suggerierten.

Dass Hellberg und ihr neu engagierter Ko-Kurator Lukas Flygare in ihrer Auswahl auch in anderen „Akten“ stark auf diese Kunstströmungen abstellen (die Fachbegriffe lauten „Fluxus“ und „Nouveau Realisme“), zeugt also durchaus von Hellsichtigkeit.

Sehen, gesehen werden

Anders als bei früheren Sammlungsbefragungen geht es aber nicht so sehr um die Frage, was man sieht, als um das Sehen selbst: Die Arrangements wollen wissen, wie das Umfeld den Blick und die eigene Position formt.

Offensichtlich wird das im Obergeschoß („Akt 1“), das um das titelgebende Werk „Terminal Piece“ kreist, das Hellberg extra für das mumok erwarb. In einem düsteren Raum-im-Raum installiert, besteht die Arbeit aus einer Gitterwand, durch die man auf zwei Reihen von Klappstühlen blickt; auf einem davon ist eine Schaufensterpuppe platziert.

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Wer ist hier eingesperrt, wer ist Betrachter, wer hat die Machtposition? Für solche Fragen findet das Werk einen starken Ausdruck, wobei der Entstehungskontext außen vor bleibt (Kate Millett, als feministische Autorin bekannt, reagierte u. a. auf einen Fall von Freiheitsberaubung).

Im mumok verfolgt der Künstler Kobby Adi die Frage nach der Freiheit des Blicks weiter: mit einer Kulissentapete rund um eine Tür, die sich nirgendwohin öffnet, und mit einem zweckentfremdeten Apparat für die Dokumentation von DNA-Proben, der nun Impulse der Umgebung aufnimmt und an graue Screens weiterspielt. Es ist nicht das einzige Mal, dass man solchen Seh-Maschinen begegnet – in Akt 3 blicken einen bewegliche Ferngläser von Rebecca Horn an, und im Film „Leviathan“, dem ein eigener Kinosaal gebaut wurde, holen spektakuläre Bilder die Sinne mitten in eine Art Meeresbrandung.

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Wer schaut sich das an?

Nie zuvor hat das mumok eine solche Bandbreite von Raumerlebnissen und Atmosphären angeboten.

Mit der Deutung des Gebotenen lässt das Haus sein Publikum allerdings ziemlich allein. Wo andere sich mit „einfacher Sprache“ integrativ geben, drückt „Terminal Piece“ den Gästen des „Prologs“ ein Booklet in unlesbarer Miniaturschrift in die Hand (es ist unbrauchbar). Das einstige Kinderatelier – Kreidegekritzel aus früheren Workshops ist noch an der Wand zu sehen – ist jetzt auch Schauraum, man sieht u. a. Kate Milletts vorbereitendes Material für „Terminal Piece“.

Noch wirkt es ein wenig so, als hätten zwei schlaue Gastkuratoren das Museum übernommen – und die Meinung vertreten, dass Kunst gar nicht vermittelt werden, sondern nur an Unmittelbarkeit gewinnen muss. Es wird spannend sein zu sehen, welches Programm aus diesem Statement weiter erwächst.

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