Schriftstellerin Monika Helfer

© /Stefan Kresser / Jung und Jung

Literatur
03/06/2017

Wie viel Familie kann man lieben?

Die Vorarlbergerin Monika Helfer verunsichert mit ihren Charakterstudien besten: "Schau mich an, wenn ich mit dir rede!"

von Peter Pisa

In diesem Roman über eine große Familie ist Eva nur eine Nebenfigur.

Aber nur die 40-jährige Eva darf (im Gespräch mit ihrer Freundin) sagen, dass es ein Problem gibt bei so vielen Menschen, die zusammengehören und doch nicht zusammengehören.

Eva sagt: "Man lebt nicht für die Welt. Man lebt für sich und vielleicht noch für einen anderen. Höchstens für zwei andere lebt man noch."

Und: "Eine Familie mit vier Kindern: Glaubst du der Mutter, wenn sie sagt, sie liebe alle Kinder gleich und den Mann noch dazu?"

Hm.

Schauen wir, was die Vorarlbergerin Monika Helfer herausgefunden hat.

Ausgehend von einer Szene in der U-Bahn, vielleicht hat sie ja wirklich stattgefunden: Eine Frau, etwa 30, faucht ihre kleine Tochter,an: "Wie heißt deine neue liebe, liebe Mama? "

Und: "Magst du ihn immer noch, deinen lieben, lieben Vater?" Das Mädchen dreht sich weg von ihr.

Spaziergang

Und dann fantasiert sich Monika Helfer mitten in diese Patchwork-Familie. Wahrscheinlich am liebsten in das Kind. Es bekommt den Namen Vev, eigentlich Genoveva, aber das kann man ja unmöglich laut sagen.

Vev wird schnell lernen, dass Erwachsene auf sich selbst schauen in erster Linie.

Die leibliche Mutter könnte Sonja heißen. Eine ziemlich verrückte Person. Werden wohl die Tabletten schuld sein ... Einmal, als sie mit ihrem Mann, also Vevs Vater Milan, am Donaukanal spazieren ging, fing sie an zu schreien. Zwei Männer kamen. Was los? Er versuche sie zu vergewaltigen! Sie verprügelten den erstaunten Milan, bis er hilflos auf dem Boden lag. Und Sonja lief weg ...

Ihr Neuer scheint sie jetzt zur Ruhe zu bringen.

Auch Vev ist gern mit ihm zusammen.

Obwohl: Wahrgenommen wird sie nicht sehr.

Und ihrem Vater Milan, dem ist fad. Obwohl seine Neue, Nati genannt, ein Engel ist. Weil sie ein Engel ist. Milan hasst ihre zwei Töchter, die sie in die Beziehung mitbringt. Wen soll man denn noch aller liebhaben? Wen kann man denn liebhaben? Milan schläft fallweise mit seiner Trafikantin. Nati probiert einen Oberarzt aus ...

Monika Helfer verunsichert großartig. Der Roman "Schau mich an, wenn ich mit dir rede!" besteht aus umfangreichen Charakterstudien, mit scheinbar leichter Hand dargeboten. Jede(r) berührt. Mit keinem / keiner möchte man tauschen. Aber plaudern mit jedem / jeder. Wir sind uns ja alle ähnlich.

Monika Helfer: „Schau mich an, wenn ich mit dir rede!“
Verlag Jung und Jung.
186 Seiten.
20 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern

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