Kultur
03.06.2017

Wie die FPÖ auszog, Graz einzufärben

Trenklers Tratsch: Vizebürgermeister Mario Eustacchio entsandte seinen Bruder in die Kontrollorgane von Kulturinstitutionen - und sein Pressesprecher wird zum "Feindbild für Grazer Kulturmarxisten" stilisiert

In der Tat: Man wundert sich, was alles möglich ist – seit der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) mit Mario Eustacchio ( FPÖ) ein Bündnis einging. Nun wird strategisch umgefärbt. In den Aufsichtsrat des Grazer Stadtmuseums nominierte Nagl u. a. mit dem Ausstellungsgestalter Alexander Kada einen Experten, wie es Usus war und sein sollte. Eustacchio hingegen lässt Direktor Otto Hochreiters erfolgreiche Arbeit von FPÖ-Klubobmann Armin Sippel überwachen – und von seinem Bruder Claudio Eustacchio, einem Lehrer für bildnerische Erziehung, der jetzt auch im Aufsichtsrat des Joanneums sitzt. Warum dieses Family-Business? Weil sich in der FPÖ niemand für Kultur interessiert?

Abseits von der Volkskultur natürlich. Diese ist der schwarz-blauen Koalition doppelt wichtig. Im Abkommen "Agenda 22" heißt es, dass Graz "weiterhin ein Zentrum der Volkskultur" bleiben werde: "Dieser Schwerpunkt ist künftig in der strategischen Ausrichtung des Kulturamtes entsprechend zu berücksichtigen."

Noch bedrohlicher klingt das Versprechen, das Stadtmuseum mit jenen Ressourcen auszustatten, die erforderlich sind, um Ausstellungen zur Stadtgeschichte professionell und "in einer entideologisierten Art und Weise" (was bereits wieder eine Ideologie darstellt) zeigen zu können.

Am meisten irritiert, dass Eustacchio just seinen Pressesprecher Ernst Brandl in den Aufsichtsrat des Festivals Steirischer Herbst entsandte, dessen weltoffene Programmatik das glatte Gegenmodell zur FPÖ-"Heimatliebe"-Ideologie ist. Denn Brandl, Ex-Feuilletonchef von Andreas Mölzers rechter Zeitschrift Zur Zeit, leitet die Redaktion des FPÖ-Schundblatts Der Uhrturm. Kunst spielt in dieser keine Rolle, aber zuletzt stieß man auf einen angeblichen "Leserbrief", der es in sich hat. Er stammt von einem "Dr. Rudolf Moser (Flüchtling aus Graz)". Es dürfte sich dabei um den pensionierten Major Rudolf Moser handeln, der in Zur Zeit publiziert. Er behauptet, dass Helmut Qualtinger 1975 den programmatischen Text "Wie die Grazer auszogen, die Literatur zu erobern" geschrieben habe. Die Autoren waren aber Peter Laemmle und Jörg Drews.

Moser hat, wie Ihr Tratsch-Partner herausfand, Passagen aus einem Presse-Feuilleton von Norbert Mayer, erschienen am 24. Jänner 2012, kopiert – und dabei dummerweise einiges durcheinandergebracht. Leider ist es unmöglich, allen FPÖ-Falschmeldungen hinterherzurecherchieren.