Kultur
27.08.2016

Wenigstens beim Essen könnte es mit der Toleranz klappen

KURIER-Gespräch mit Eva Rossmann über ihren neuen Krimi, der nur auf den ersten Blick ... vegan ist.

Keine Flüchtlinge? Eva Rossmann, immer aktuell in ihren Krimis mit der Journalistin Mira Valensky, hat sich davor gedrückt.

"Das Thema ist mir zu nah … Und ich weiß nicht, ob ich es schaffen würde, einfach so zu erzählen, ohne überdeutlich Stellung zu beziehen. Leitartikel haben im Krimi nichts verloren."

Aber der Umgang mit Menschen ist im neuen Buch gut sichtbar und wird immer besser sichtbar, wenn einander radikale Fleischverweigerer und –esser bekriegen.

Und es finden sich in "Gut, aber tot" schon auch deutliche Sätze wie:

"Politiker feilschen um Flüchtlingsquoten, als wären es Schweinehälften ..."

Überfluss

Rossmann ist auch im 19. Krimi Rossmann, und das ist gut so. Nur vordergründig geht es ums Essen, um Vegane, die Kuhfladen auf Bauern werden; um die ebenso unappetitliche Massentierhaltung; um Gnadenhöfe für alte, kranke Tiere wie das Gut Aiderbichl, gegen das zurzeit ermittelt wird.

Eva Rossmann: "Bei vegan oder nicht vegan hat jeder eine Meinung. Ich finde es spannend, dass man derart vehement über bloße Essgewohnheiten diskutieren kann. Wir leben im Überfluss und können darüber streiten, was wir essen oder nicht essen möchten – glückliches Österreich."

Das große Thema ist:

Toleranz.

"Manches muss man nicht teilen, aber man sollte es akzeptieren, wie eben unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten. Das sollte nun wirklich eine einfache Übung sein. Ich finde das Zusammenleben in Vielfalt deutlich interessanter als ein Zusammenleben in Einfalt."

Womit wieder einiges über Migration gesagt ist.

Arme Schweine

Worum es Rossmann diesmal sonst noch geht:

"Dass es immer Leute gibt, die uns verarschen wollen. Das ist die Lebensmittelindustrie, deren vegane Produkte boomen. Manche Erzeugnisse haben allerdings eine beachtliche Latte an Zusatzstoffen – zum Beispiel Calciumchlorid, das sonst zur Luftentfeuchtung eingesetzt wird."

Dann ist da noch die Fleisch-Lobby, "die sich dafür stark macht, dass Schweinezuchtbetriebe weiter wachsen müssen, um ‚effektiv‘ zu sein ... und dass wir immer mehr billiges Schweinefleisch essen sollen. Wir armen Schweine."

Plus das Geschäft mit alten Tieren, "die unser Spendengeld brauchen. Ich mag Tiere. Ich will auch nicht, dass Tiere ’ohne Nutzen’ getötet werden. Aber man sollte über die Verhältnismäßigkeit unserer Zuneigung zu Mit-Lebewesen nachdenken. In manchen Ländern sind streunende Straßenhunde ein kleineres Übel als hungernde Menschen."

Mira Valensky kocht in diesem Krimi Zucchini Carpaccio, danach Brotteig – mit Hefe, ist denn Hefe überhaupt vegan? Ja! – und füllt ihn mit warmem Kraut.

Hm. Danach haut sie Lammkoteletts in die Pfanne. Na bitte, das Zusammenspiel klappt doch großartig.

Eva Rossmann:
„Gut, aber tot“
Folio Verlag. 283 Seiten. 20 Euro.