Weniger Englisch: "Prallkissen" statt "Airbag"?

Der Verein Deutsche Sprache will das Ansehen der deutschen Sprache verbessern und das Thema Sprachpflege nicht den Rechten überlassen.

Schluss mit Anglizismen im deutschen Bundesverkehrsministerium: Ressortchef Peter Ramsauer zog viel Spott auf sich, als er sich gegen die Verwendung englischer Ausdrücke einsetzte. Der Verein Deutsche Sprache (VDS) aber freute sich. "Wenn jemand in dieser Position öffentlich sagt: 'Mich stört das', dann hat das eine Vorbildfunktion", erklärt VDS-Geschäftsführer Holger Klatte im dapd-Interview. ...

"Prallkissen" statt "Airbag": Eines von vielen Beispielen, in denen deutsche Formulierungen für englische Begriffe vorgeschlagen werden Der VDS kämpft seit Jahren gegen englische Begriffe in der deutschen Sprache.  Wohlgemerkt gegen überflüssige Ausdrücke, die bereits gut eingebürgerte deutsche Wörter nach und nach verdrängen und ersetzen, wie Klatte betont. 

Event: Früher sagte man Ereignis, Erlebnis, Geschehen, Spektakel, wenn sich am Wiener Rathausplatz etwas tat Es gebe 5.000 bis 6.000 Sprachen auf der Welt, sagt Holger Klatte. Selbstverständlich beeinflussten sich diese gegenseitig. Das gelte auch für das Englische. "Wir akzeptieren englische Wörter in der deutschen Sprache, vor allem auch dann, wenn sie sich orthografisch angepasst haben", erklärt er und nennt Streik (strike), Keks (cakes) oder Schal (shawl) als Beispiel. Viele davon würden gar nicht mehr als englische Ausdrücke erkannt. Auch gegen Begriffe wie Doping, für die es im Deutschen keine Entsprechung gebe, sei nichts einzuwenden. "Wir sind nicht so verbissen, dass wir jetzt zum Beispiel 'Software' in einen deutschen Begriff umwandeln wollen." Anders sei es beispielsweise in der Werbung: Hier werde das Englische gerne benutzt, um ein Produkt besonders gut verkaufen zu können. "Englisch wird immer positiv gesehen", erklärt Klatte. "Den Leuten wird der Eindruck vermittelt, das Deutsche sei zum Verkaufen ungeeignet." Darunter leide das Ansehen der Sprache.

Bild: Der Privatsender Sat.1 warb bis 2003 mit dem Slogan "Powered by emotion". Bis man bemerkte, dass zwei Drittel der Fernsehteilnehmer keine Ahnung hatten, was das heißen sollte. Es tauchten sogar skurrile Übersetzungen wie "Kraft durch Freude" oder "Von Gefühlen gepudert" auf. Für Begriffe wie event, weekend oder outfit gebe es seit langem deutsche Entsprechungen, eine Sitzung werde nicht spannender, wenn man sie meeting nenne, kritisiert der Sprachwissenschaftler. Solche Anglizismen seien unnötig und überflüssig. Personen, die Einfluss auf die Sprachentwicklung haben - wie Werbeleute, Journalisten, Techniker oder Ingenieure - rief er auf, sich mehr mit der deutschen Sprache zu beschäftigen und neuen Produkten oder Dienstleistungen direkt eine deutsche statt eine englische Bezeichnung zu geben. 

Beamer - Vorschlag der Sprachschützer: Bildwerfer Denn habe sich ein Begriff erst einmal durchgesetzt, sei es schwer, ihn zu ersetzen. Beispiel: Begriffe aus der EDV-Sprache wie Laptop, Internet, Hardware oder eben Software, für die die Franzosen übrigens selbstbewusst einen eigenen Ausdruck - nämlich "logiciel" - gefunden haben. 

Laptop: Ob sich die Alternative "Klapprechner" durchsetzen könnte? Die Deutschen hätten ein schlechteres Verhältnis zu ihrer Sprache als Franzosen, Italiener oder Spanier, sagt Klatte. So gebe es in Frankreich Sprachgesetze und die Academie francaise, die Fremdwörter ans Französische anpasse. So wurde der "Walkman" in den 80ern flugs zu "baladeur" umgetauft. Dementsprechend führt der VDS seit einigen Jahren einen Anglizismen-Index, der inzwischen fast 8.000 Begriffe umfasst. Die gesammelten Ausdrücke sind in drei Kategorien unterteilt: Bei der einen geht es um das Deutsche ergänzende Wörter aus dem Englischen, feste Begriffe wie Mayday, internationaler Notruf im Luft- und Schiffsverkehr, oder den Eigennamen Google. Eine zweite Kategorie umfasst Ausdrücke, für die es im Deutschen (noch) keine Entsprechung gibt. Der VDS macht hier Vorschläge, zum Beispiel "Kleinstrennwagen" für "kart", "E-Müll" für  Spam-Mails, ... ... oder eben "Prallkissen" statt "air bag". Diese Übersetzung hätte laut dem Anglizismen-Index (Link siehe unten) zugleich auch den Vorteil, eine  irreführende Bezeichnung zu eliminieren, da beim Aufprall in den bag nicht Luft (air), sondern ein Explosionsgas einschieße. Die dritte Kategorie behandelt englische Wörter, die deutsche verdrängen: "table of content" für Inhaltsverzeichnis, "canceln" statt absagen, "fashion" statt Mode, "daily" statt täglich. Gegen Vorwürfe, mit dem Einsatz für die deutsche Sprache rücke der VDS in die Nähe rechtsradikaler Gruppen, verwahrt sich Klatte. Dass rechte Parteien Sprachpflege in ihr Programm aufgenommen haben, ist für ihn ein Grund mehr, sich damit zu beschäftigen: "Es ist ein Thema, das man nicht den Rechten überlassen sollte."

All you can eat: Wieso nicht einfach Buffet, oder wie die "Aktion Lebendiges Deutsch" in einer Umfrage erhoben hat: "Essen nach Ermessen" Weitere Vorschläge der Pfleger der Deutschen Sprache finden Sie im Folgenden: 

Fast Food: Schnellkost
Drive-In: Autoschalter, Auto-Imbiss Sicher, chillen kann man auch mit abschalten, faulenzen übersetzen, wie es die Sprachschützer vorschlagen. Dabei würde aber der Spaßfaktor abhanden kommen, der der Tätigkeit des gemeinsamen "Chillens" innewohnt. Der Discounter ist ein Billigmarkt. Das wusste schon Karl Wlaschek, als er seinen BILLA (BILLiger LAden) gründete. Ob Ministerin Doris Bures lieber von KURIER.at zu einer kleinen "Netzplauderei" eingeladen wird als zu einem Chat? Der "Blockbuster": früher sagte man Straßenfeger dazu. Warum nicht auch heute? Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Wort im Englischen auch für spezielle Bomben bzw. Minen gebraucht wird, die ganze Häuser oder Wohnblocks in Schutt und Asche legen.

Bild: Kino-Kassenschlager "Independence Day" Alternativvorschlag für Banker: Bänker. Wem das noch immer zu Englisch klingt, kann Bankangestellter oder Bankier sagen. Ein Stalker ist doch ein Nachsteller, oder, wie hier, im Falle von Madonna, ein "Prominentenhetzer". Multiple Choice-Verfahren: Ankreuzaufgabe, Ankreuzprüfung. In einer Umfrage der "Aktion Lebendiges Deutsch" stimmten am meisten für die Variante "Kreuzchentest". Das ungeliebte Schlagwort "Shareholder Value": Aktionärsnutzen

Bild: So sieht eine Aktionärsversammlung bei der Porsche Automobil Holding aus "Nordic Walking" klingt als "Stockwandern" nicht wie 40Plus sondern gleich nach 70plus. Sportwandern wäre eine weitere Alternative. Das Schlagwort "Public Viewing" wurde im Rahmen der Fußball-WM 2006 in Deutschland populär. "Großbildfernsehen" trifft's wohl auch nicht ganz. In der Umfrage von "Aktion Lebendiges Deutsch" stimmten am meisten für Fußballkino.

Im Amerikanischen Englisch steht "Public Viewing" übrigens für "öffentliche Aufbahrung verstorbener Prominenter" Was die Sprachschützer wohl zum Wort "Schland" sagen würden? Dieses wurde im Rahmen der Fußball-WM 2010 populär. Auch manche Eigennamen stoßen dem Verein Deutsche Sprache bitter auf: "Champions League" könnte im deutschen Sprachraum auch "Meisterliga" heißen. Das Synonym "Königsklasse" wird ohnehin schon gerne verwendet. Man kann nur hoffen, dass "Facebook" nicht irgendwann in "Gesichtsbuch" umgetauft wird. Dies steht allerdings ohnehin nicht auf der Agenda des Vereins.
(KURIER.at, dapd) Erstellt am
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