Der Vorarlberger Autor Gerhard Jäger

© /Julia Hammerle /Die Lichtbildnerei

Literatur
10/15/2016

Weiße Finger zeigen in ein Tiroler Bergdorf

Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod: Atmosphärisches Debüt des Vorarlbergers Gerhard Jäger

von Peter Pisa

Wie viele Romane von den rund 30.000 Neuerscheinungen pro Jahr sind es wert, gelesen zu werden? 100?

Eher 200.

Ein schöner Stress.

"Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod" gehört dazu. Daran ändert nichts, dass – wir zitieren – die raue Nacht mit kalten Fingern nach den Menschen greift bzw. der Winter gierige weiße Finger hat.

Denn es passt.

Der Debütroman des in Imst lebenden Vorarlbergers Gerhard Jäger – ein 1966er-Jahrgang – besteht aus ganz viel Atmosphäre.

"Seine" Menschen sind meist nur grob geschnitzt, aber das ist ohnehin besser so, weil sie wie Spielsteine in die Schlacht geworfen werden und jederzeit "geschlagen" werden können. Sie brauchen kein Gesicht.

Verdächtig

Wichtiger ist jedenfalls, dass – und wir zitieren erneut – der Wind aufschreit und die Wut des Regens an den Boden hämmert.

Den jungen Wiener Historiker Max Schreiber zieht es ums Jahr 1950 in ein Tiroler Bergdorf. Er will erforschen, was dort rund 100 Jahre vorher mit einer gewissen Katharina Schwarzmann geschehen ist.

Damals gab es zwar längst keine Hexenprozesse mehr in Tirol, aber der Glaube an Hexen war nicht verschwunden.

Katharina Schwarzmann überlebte drei Naturkatastrophen, das machte sie höchst verdächtig, und angeblich bekam sie zwei Jahre nach dem Tod ihres Ehemannes VON IHM ein Kind, das genau wie er ein Muttermal hatte ...

Das Dorf mied sie deshalb, und als es eines Tages auf ihrem Hof brannte (Brandstiftung?), da hat man ihr nicht geholfen, da hat man dafür gesorgt, mit erhobener Mistgabel, dass sie nicht ins Freie laufen konnte.

Max Schreiber stierlt im Dorf, das mag man nicht, noch dazu verliebt sich der fremde Kerl in eine Einheimische ... und mehr sollte man nicht verraten.

Na gut, der manchmal überschießende Autor lässt noch Lawinen los, und es wird ein Mord geschehen. Aber jetzt ist wirklich Schluss, sonst fällt man nicht in den Roman, der Überraschungen bereit hält; und sonst verfällt man nicht jenen Tagen, die nur kurze Vorboten für undurchdringliche Nächte sind, in denen nicht nur die Tannen im Sturm ächzen ...

Gerhard Jäger:
„Der Schnee, das Feuer,die Schuld und der Tod“
Blessing Verlag. 400 Seiten. 23,70 Euro.

KURIER-Wertung: ****

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