Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Was war in dieser Bühnensaison herausragend?

Ein Antrag an das (fiktive) Kulturamt schlägt einen neuen Preis vor, in Würdigung eines scheidenden Direktors.
Ein Schreibtisch mit Aktenordnern, einem Stempel, einer Kaffeetasse und abgelehnten Dokumenten, über dem ein Paragraphenzeichen an einem Spinnenfaden hängt.

Sehr geehrtes Kulturamt!

Da in der kommenden Woche die Wiener Theatersaison zu Ende geht und die Sommerbühnen loslegen, wäre es Zeit für eine künstlerische Bilanz. Ich beantrage – da ich weder vom Nestroy noch vom österreichischen Musiktheaterpreis sonderlich viel halte –, dass das Kulturamt einen Preis für herausragende Leistungen, die weit über die Saison hinaus wirken, vergibt. Mein Vorschlag wäre „Der große Herbert“, in Würdigung des scheidenden Josefstadtdirektors. Das könnte sich doch nachhaltig etablieren.

Mit theatralischen Grüßen, S. C.

***

Sehr geehrte Frau S. C.,

vielen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit gerne bestätigen (Geschäftszahl 22/2026). Wir sehen uns jedoch, obzwar wir bestehenden Theaterpreisen gegenüber ebenfalls eine skeptische Haltung pflegen, zur Ablehnung desselben gezwungen – und das gleich aus mehreren Gründen.

Zunächst erscheint uns der von Ihnen vorgeschlagene Name – egal ob großer oder kleiner Herbert – nicht ideal für einen auf breiter Ebene begehrten Preis. „Und der große (oder kleine) Herbert geht an . . .“ hätte zu viel Ironiepotenzial im zumindest fallweise durchaus ernsten Bühnenbereich.

Weiters ließe sich die Frage der Zusammensetzung der Jury für einen solchen Preis so kurzfristig nicht klären. Wir im Kulturamt sind auch nicht sicher, wie die Reaktion auf eine Einladung in ein Gremium für die Vergabe eines „großen Herbert“ ausfiele.

Vor allem aber sind wir uns im Kulturamt selbst nicht im Klaren darüber, wer einen Preis für einzigartige Leistungen in dieser Saison verdient hätte (sofern man das Wort „einzigartig“ positiv konnotiert; andernfalls wären die Festwochen in dieser Konstellation auf den Preis abonniert).

Dennoch haben wir uns in unseren Amtsräumen den Spaß erlaubt, unter intensiven Theaterbesuchern eine Spontanreaktion einzufordern. Einem Kollegen fiel gar kein potenzieller Preisträger ein. Ein anderer überlegte etwas länger, um schließlich ein Gastspiel im Landestheater NÖ als überragende Produktion dieser Saison zu nennen.

Im Opernfach bot sich in Bezug auf Neuproduktionen ein ähnliches Bild. Wir stehen aber nicht an zuzugeben, dass wir quer durch die Genres nicht alles gesehen haben, was preiswürdig sein hätte können. Und dass es im weniger beachteten Bereich bestimmt Glanzvolles gegeben haben mag. Dennoch freuen wir uns auf die Sommerfestivals und auf eine neue Saison, die uns eine Wahl, vielleicht mit anderer Namenspatronanz, etwa Marie oder Karin, erleichtern würde.

Kommentare