Claudia Pineiro

© REUTERS/STRINGER/COLOMBIA

Literatur

Warum eine Mutter verschwunden ist

Die argentinische Schriftstellerin Claudia Piñeiro über den Umgang mit der Schuld nach einem Autounfall

von Peter Pisa

10/29/2016, 06:00 AM

Ein wenig Glück. ... und die Fledermäuse mögen noch so viel Kot auf ihrem Balkon hinterlassen. Das geht in Ordnung. Sie haben ihrem Neugeborenen in der Holzverschalung ein Nest gebaut, man hört es fiepsen, und jetzt kommen die Eltern nachts und füttern es und ... Der Hausmeister will das Nest ausräuchern. Na, sicher nicht! Mary steigen die Tränen hoch.

Sie hat ihren Sohn, sechs war er, verlassen (und beim Vater zurückgelassen). Sie hat Argentinien verlassen und 20 Jahre in den USA gelebt.

Beschützen

Warum? Wegen eines Autounfalls an einem Bahnschranken, bei dem der kleine Freund ihres Sohnes im Wagenfond getötet wurde.

Wegen des Hasses der Nachbarn und verlorenen Freunde, vor dem Mary die Familie schützen wollte.

Es gibt nicht viele Romane über den Umgang mit der Schuld an einem Verkehrsunfall. Dieser ist großartig.Die Bücher der Argentinierin Claudia Piñeiro sind immer großartig. "Ein wenig Glück" trifft langsam, aber zielsicher mitten ins Herz, weil Augenblicke, in denen man eine falsche Entscheidung trifft, in jedem Leben vorkommen. Und die Frage, wieso in einem Fall nichts Schlimmes passiert und im anderen Fall Welten einstürzen, ist falsch, aber entsetzlich.

Claudia Piñeiro:

„Ein wenig Glück“
Übersetzt von Stefanie Gerhold.
Unionsverlag. 224 Seiten. 22,70 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern

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