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Kultur
12/05/2011

VOX: Dokus, Models und die Katzenberger

Der deutsche Privatsender will etwas netter und cleverer sein als die anderen. Ohne aber die Seher zu langweilen.

von Anna Gasteiger

VOX , das ist der Sender mit der Katzenberger. Und VOX ist auch der Sender, der am Samstag im Hauptabend vierstündige Dokumentationen zeigt. VOX , sagt Chefredakteur Kai Sturm, ist wie ein Delfin. "Er ist intelligent, er hat ein freundliches Äußeres, er ist schnell und wendig. Und er ist clever. Das Image hätten wir gerne."

Im Nebeneinander von TV-Trash mit Daniela Katzenberger und anspruchsvollerem Programm wie der vom deutschen Feuilleton einhellig gelobten Castingshow "X-Factor" sieht Sturm keinen Widerspruch. Die Schnittmenge zwischen den Sehern sei groß. "Es macht auch viel Spaß, diesen Spagat zu machen. Wir gehen mit demselben Anspruch an die Dinge heran: Es gut zu machen und einen gewissen Mehrwert dabei zu liefern."

"X--Factor" und neue Model-Show

Mit dem Erfolg von "X-Factor" im Rücken will sich der zur RTL -Familie gehörende deutsche Privatsender nächstes Jahr an eine neue Model-Castingshow wagen. Zwei etablierte Models - eines davon Eva Padberg - suchen Nachwuchsmannequins. Nach seriöseren Kriterien als Heidi Klum auf ProSieben . Und obwohl die besten Zeiten von "Germany's Next Topmodel" schon vorbei sind.

Sturm: "Wir glauben, dass das ein sehr spannendes Thema ist, das uns noch fehlt. Es gibt ganz viele Musiksendungen, aber es gibt nur ein Modelformat. Das noch dazu sehr stark von einer Person geprägt ist. Ich glaube, dass es ein Bedürfnis nach einer realeren, kompetenteren Umsetzung des Themas gibt. "

Flughöhe

"X-Factor" wurde unter anderem für den freundlichen Umgang mit den Kandidaten gelobt. Spott und Hohn wie bei diversen Bohlen-Shows auf RTL gibt es in VOX -Sendungen nicht. Dort gehe es "etwas friedlicher" zu, sagt Sturm. "Das Menschenbild, das wir in unseren Sendungen zeigen wollen, sollte immer ein positives und ehrliches sein. Ich glaube aber, dass keiner sagt: Ich mache jetzt ein menschenverachtendes Format. Man versucht halt, den größten Unterhaltungsmoment herauszukitzeln." Am Schwesternsender RTL lobt er den Mut zur Dreistigkeit. " RTL scheut sich nicht vor dem Skandal und vor den Bereichen, wo es wehtut. Der Zuschauer weiß immer: Das könnte spannend werden, das darf ich nicht verpassen."

VOX besteht seit 18 Jahren und habe mittlerweile "eine gewisse Flughöhe" erreicht, sagt Sturm. "Wir ruhen uns nicht auf irgendwelchen Lorbeeren aus. Bis jetzt war unser Hauptpunkt immer große Verlässlichkeit. Wenn man das aber übertreibt, endet es in gähnender Langeweile. Die Verantwortung, die wir jetzt haben, ist, unser Programm so regelmäßig zu renovieren, dass es verlässlich bleibt und trotzdem neue Elemente auftauchen. Der Entwicklungsdruck ist größer geworden. Wir dürfen die Aufmerksamkeit, die wir mit gewissen Projekten gewonnen haben, nicht verspielen."

Katzenberger-Buch

Spiegel Online war live dabei beim Clash der Kulturen: Das Fachpublikum habe "mit einer Mischung aus Neugierde, Bewunderung und blankem Entsetzen" reagiert, als Daniela Katzenberger bei der Frankfurter Buchmesse ihr Buch "Sei schlau, stell dich dumm" präsentierte.

Die 25-Jährige ist eines der großen Fernsehphänomene der letzten Jahre. Mit blondierten Haaren, operierten Brüsten und großem Mundwerk brachte sie es zu einer eigenen VOX -Fernsehshow, einer Single und ebenjener Autobiografie, die in Frankfurt so verstörte. Das von einer Ghostwriterin niedergeschriebene Werk (Lübbe Verlag, 10,30 €) ist eine ungeordnete, durch Kapitelüberschriften wie "Mamas roter Tanga" immer wieder unterbrochene Plauderei. Thema: Der Aufstieg eines netten, brünetten Mädchens aus Ludwigshafen-Oggersheim zur blonden Kunstfigur.

Komisches steht neben Ernsthaftem. Auf Seite zwölf geht's um den gewalttätigen Vater: "Er hat immer gesagt: ,Seine Kinder schlägt man nicht, nur seine Frau, wenn sie frech war.'" Zwei Seiten später erwähnt sie den "zarten Sprießbusen", den sie als 13-Jährige hatte: "Irgendwie erinnerten mich diese Knospen an Granatsplitter." Außerdem erfährt man, dass Katzenberger eine "Traumfrau" ist, weil sie eine Goldallergie hat ("Ich vertrag nur dieses billige Zeug") und dass sie mit Lipgloss schläft. "Mein Kissen sieht dann aus, als wenn ich es vergewaltigt hätte."

Die Selbstironie, mit der Katzenberger so populär wurde, klingt auch hier durch. Sie sei immer noch "mehr Kosmetikerin als TV-Berühmtheit" und ihr Team kenne sie als "überblondierte Schminktussi mit Mannheimer Akzent und ganz lustigen Sprüchen".

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