Völkerschlacht bei Leipzig, (Gemälde von Wladimir Moschkow, 1815)

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Vor der Völkerschlacht: Freund und Feind in der guten Stube
11/16/2013

Vor der Völkerschlacht: Freund und Feind in der guten Stube

Wie die Bürger in Sachsen die Auseinandersetzung zwischen Frankreich, Russland, Österreich und Preußen überlebten.

von Hubert Huber

Als Völkerschlacht bei Leipzig gingen die Kämpfe rund um die sächsische Stadt vom 16. bis 19. Oktober 1813 in die Geschichtsbücher ein. Russland, Österreich, Preußen und Schweden besiegten die Truppen Napoleons. Es war die letzte große Auseinandersetzung mit dem Kaiser der Franzosen auf deutschem Boden.

Die deutsche Schriftstellerin Sabine Ebert hat nach ausführlichem Quellenstudium einen Roman rund um die historischen Ereignisse vor 200 Jahren geschrieben. Im Mittelpunkt steht die 17-jährige Henriette, die anlässlich einer Schlacht nahe ihrem Heimatort Weißenfels einen französischen Soldaten niederschlägt und deshalb mit ihrem Bruder zu Verwandten in Freiberg flieht, der Familie des Buchdruckers Gerlach.

Henriettes Schicksal ist erfunden, doch die meisten handelnden Personen, wie eben Gerlach, haben tatsächlich gelebt – allein die Namensliste der vorkommenden Personen ist sechs Seiten lang. Diese Vielfalt macht den Roman vielleicht etwas unübersichtlich, gleichzeitig aber auch besonders authentisch und bewahrt ihn davor, in eine Historienschmonzette abzugleiten.

Was die Menschen zu dieser Zeit durchmachen mussten, wird besonders lebendig und nachvollziehbar: Leipzig hatte damals nicht einmal 40.000 Einwohner. Nach der Schlacht, an der 250.000 Soldaten teilnahmen, hatten sie mehr als 90.000 Tote und Verwundete zu versorgen.

Gekämpft wurde aber nicht nur die paar Tage im Oktober. Schon seit dem Frühjahr war Sachsen das Zentrum der Auseinandersetzungen zwischen den Verbündeten und den napoleonischen Truppen. Diese waren zwar Besatzer, gleichzeitig aber auch Verbündete; als Bannerträger der französischen Revolution und der Aufklärung Befreier, im Licht des aufkeimenden deutschen Nationalismus jedoch Feinde. Die Bewohner der Städte und Dörfer mussten ständig andere Soldaten einquartieren, sie versorgen und oft wussten sie gar nicht mehr, wer Freund und wer Feind war, was sie denken und reden durften. Dieses Dilemma hat Ebert anschaulich herausgearbeitet.

KURIER-Wertung:

INFO: Sabine Ebert: „1813 – Kriegsfeuer“ Droemer/Knaur Verlag. 928 Seiten. 25,70 Euro.

Goethe – Kunstwerk des Lebens

Goethe-Experten können bestimmt kritisieren, nicht viel Neues zu erfahren. Mag schon richtig sein. Aber für den mengenmäßig vielleicht größeren Teil der Menschheit ist Safranskis Biografie eine Erfüllung: Weil man beim Lesen so richtig zuschauen kann, wie ein Mensch Kunst erschaffen hat – und zugleich sich selbst als fertiges Kunstwerk. Weil man während der vielen schöpferischen Akte zum Zeitgenossen Goethes wird. Und weil man immer wieder daran erinnert wird: Wir haben die Kunst,um nicht an der Wirklichkeit zugrunde zu gehen.

KURIER-Wertung:

INFO: Rüdiger Safranski: „Goethe – Kunstwerk des Lebens“ . Hanser Verlag. 752 Seiten. 28,70 Euro.

Väter und Söhne

Der Roman, dessen Ruhm seit den 1860-er Jahren nicht nachlässt, hat diese zart illustrierte Neuübersetzung mehr als verdient. Auch wenn er in Russland unter Zar Alexander II. spielt: Fragen sind geblieben. Auf dem Alten aufbauen? Zuerst reinen Tisch machen? „Wir reißen nieder, weil wir die Kraft sind“: Heute wünscht man sich manchmal, die Jungen würden ähnlich selbstbewusst etwas ändern wollen. Turgenjew, vor 130 Jahren gestorben, war kein Schiedsrichter, sondern Menschendarsteller.

KURIER-Wertung:

INFO: Iwan S. Turgenjew: „Väter und Söhne“. Neu übersetzt von Annelore Nitschke. Konturzeichnungen von Matthias Beckmann. Edition Büchergilde. 300 Seiten. 27,80 Euro.

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