Kultur
03/13/2019

Volkstheater in der Abwärtsspirale: Auslastung nur 52,4 Prozent

2018 wurden insgesamt 116.258 Karten verkauft – um 15,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Daher sanken auch die Erlöse.

Anna Badora, glücklose Direktorin des Wiener Volkstheaters, wollte ob der katastrophalen Performance nicht mehr den hauseigenen Grafikern vertrauen: Das im Mai 2018 präsentierte Spielplanbuch wurde von der Agentur Demner, Merlicek & Bergmann gestaltet. Die Illustrationen zu den einzelnen Produktionen dienen auch als Plakate. Das Programmbuch helfe, so die Agentur in einer Eigenwerbung, „die Schwellenangst vor dem Theaterbesuch abzubauen“.

Doch gebracht hat die Kampagne nichts: Das Volkstheater schlitterte im vergangenen Jahr noch tiefer in die Krise. Das belegen Kennzahlen, die von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler auf Anfrage der Neos bekanntgegeben wurden. Zunächst die Situation im Haupthaus: Die Auslastung, die noch vor zwei Jahren angeblich an die 70 Prozent betragen haben soll, obwohl sie bereits auf 56 Prozent gefallen war, sackte nochmals ab – auf nun 52,4 Prozent. Sprich: Das Volkstheater ist trotz massiver Reduktion der Sitzplätze (von 970 auf 850) halbleer.

Intern hatte man mit einer Auslastung von 61 Prozent operiert; die Planrechnung für die Jahre 2019 und 2020 sieht nun lediglich 55 Prozent vor. Der Eigendeckungsgrad betrug daher nicht, wie erwartet, 22 Prozent, sondern nur 18,6 Prozent. Zum Vergleich: Das Burgtheater liegt bei etwa 27 Prozent, die Josefstadt bei 41 Prozent.

Noch trister ist die Situation des Volkstheaters in den Bezirken: Statt einer erhofften Besucherauslastung von 70,5 Prozent schaffte man nur 47,7 Prozent. Der Eigendeckungsgrad betrug nicht, wie die Zielvereinbarung es vorsah, 23 Prozent, sondern nur 20. Anna Badora hatte mit einem aggressiv-progressiven Spielplan die treue Kundschaft in die Flucht getrieben. Doch weil die Hoffnung zuletzt stirbt, sieht die Zielvereinbarung für heuer einen Eigendeckungsgrad von gar 43 Prozent vor.

2018 wurden insgesamt 116.258 Karten verkauft – um 15,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor (137.366). Daher fielen die Kartenerlöse von 2,35 auf 2,14 Millionen. Insgesamt nahm Geschäftsführer Cay Stefan Urbanek 18,41 Euro pro Karte ein.

Die Misere lässt sich wunderbar an der „Herbstflatrate“ demonstrieren: Von 8. September bis 30. November 2018 (drei Monate lang) konnte man um nur 96 Euro unbegrenzt Vorstellungen besuchen. Die Werbemaßnahme spülte lediglich 4800 Euro in die Kassen von Urbanek. Ein guter Deal war die Aktion aber nicht für die 50 Abonnenten: Weil sie doch nicht so oft ins Volkstheater gehen wollten, schlug sich jeder Besuch im Durchschnitt mit 19,12 Euro zu Buche.

Thomas Weber, Kultursprecher der Neos, meint nach einer Analyse der Zahlen: „Die Situation scheint sehr dramatisch zu sein.“ Es sei dringend notwendig, die Subvention zu erhöhen oder ein gänzlich anderes Konzept für das Volkstheater zu finden, damit dieses langfristig überleben kann. „Die Entscheidung über die Nachfolge der künstlerischen Leitung wird hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten lassen. Was jedenfalls feststeht: Sie wird hier keine einfachen Rahmenbedingungen vorfinden – es warten große Herausforderungen.“thomas.trenkler