Jeffrey Cranor (links) und Joseph Fink

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Literatur
05/14/2016

Vogelspinnen sind schlechte Autofahrer

"Willkommen in Night Vale"... wo sogar das Unkraut beobachtet wird, falls es sich auffällig benimmt.

von Peter Pisa

Offiziell gibt es in Night Vale keine Engel. Die Engel, die es trotzdem gibt, heißen Erika und Erika und Erika, alle Erika, und sie verstecken sich.

Engel sind zu gewalttätig, heißt es.

Vogelspinnen hingegen sind in der amerikanischen Wüstenstadt beliebt.

Außer, sie fahren Auto. Denn das können sie nicht so gut. Sind ja nur zehn Zentimeter lang und erreichen das Bremspedal ganz schlecht.

Bei dem Fantasy-Roman "Willkommen in Night Vale" ist es besser, man gibt den Verstand vor dem Lesen irgendwo ab.

Wird nicht auffallen: Die Bewohner denken sich ja auch nichts. Ist sicherer so. Im Radio sagt man ihnen, welches Wissen verboten ist. Bibliothekare sind die fiesesten Kreaturen in der Stadt.

Wie ein Fluch

Die netten Geheimpolizisten sind überall. Wenn ein Handy klingelt, kann man sicher sein, dass sich in nächster Nähe jemand einen Knopf ins Ohr steckt, um zuzuhören und sich Notizen zu machen.

(So fern ist Night Vale also nicht.)

Manchmal sitzt hinter der Waschmaschine eine alte Frau und zensuriert die Post.

(Na gut, daran arbeitet die NSA erst ...)

Die Welt, erschaffen von den beiden Amerikaner Joseph Fink und Jeffrey Cranor, ist mindestens so bizarr wie jene von Terry Pratchetts Scheibenwelt oder Douglas Adams ("Per Anhalter durch die Galaxis").

Die Kleinstadt Night Vale benimmt sich wie ein Fluch, der auf den Bewohnern lastet. Sie vergessen schnell, erinnern sich an nichts,

Deren manchmal erschreckenden, immer amüsanten Geschichten wurde ursprünglich für einen Podcast geschrieben – also für eine Show im Internet, bei YouTube, mit bisher 85 Folgen.

King City

Ins erste Buch wurde ein Sammelsurium an Ideen gestopft, macht aber gar nichts.

Im Mittelpunkt: 1.) eine Mutter, deren Sohn pubertiert und sich ständig verändert, einmal ist er Blumenvase, dann Stubenfliege.

Und 2.) eine 19-Jährige, die das Pfandhaus leitet, wo man auch eine Träne belehnen lassen kann.

Ein Zettel mit der Aufschrift KING CITY durchbricht die Routine. Ist’s dort anders? Ist dort mehr dran am Leben? Es gibt keine Straße nach King City, und so wird die Reise ein Unterfangen, als würde der Fahrer der Straßenbahnlinie 43 sein Fahrzeug in Neuwaldegg von den Schienen lenken und Richtung Jesolo starten.

Wobei Neuwaldegg nicht das Schlechteste ist.


Joseph Fink und
Jeffrey Cranor:
„Willkommen in Night Vale“
Übersetzt von Wieland Freund und Andrea Wandel.
Klett Cotta.
378 Seiten.
20,50 Euro.

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