© Anita Schmid

Kultur
03/02/2020

Violetta Parisini: Songs über die Schattenseiten des Mutterseins

Die Singer/Songwrirerin thematisiert auf „Alles bleibt“die Krise, die sie nach der ersten Geburt durchmachte.

von Brigitte Schokarth

„Natürlich löst ein Baby so viel Liebe und einen wahnsinnigen Beschützerinstinkt in dir aus. Aber auch Schlaflosigkeit, Schmerz, Überforderung und Angst sind Facetten des Mutterseins. Die kommen aber in der Öffentlichkeit nie vor.“

Diese Facetten thematisiert Singer/Songwriterin Violetta Parisini auf ihrem Album „Alles bleibt“, das mit einer spannenden Mischung aus Folk, Jazz und Chanson punktet und für die 39-Jährige das Comeback nach acht Jahren markiert. Nach acht langen Jahren, in denen sie mit postnatalen Depressionen kämpfte.

„Mir ist das Muttersein absolut nicht leicht gefallen“, erzählt Parisini im KURIER-Interview. „Ich hatte eher das Gefühl: Um Himmels Willen, jetzt habe ich die Verantwortung für einen Menschen! Ich hatte Angst um das Kind und Angst, als Mutter etwas falsch zu machen. Ich hatte ständig das Gefühl, nicht allen Aufgaben so gerecht zu werden, wie ich das möchte, weil ich auch noch andere Sachen machen wollte, und auch weiterhin Konzerte gespielt habe. Ich war auch total erschöpft, weil schon die Schwangerschaft und die Geburt rein körperlich schwierig und anstrengend waren. Und dann ist da ständig diese Anforderung: Du musst glücklich sein, weil du ein Baby hast. Überall wird nur dieses Bild vom Mutterglück vermittelt. Und man will es ja auch für sich selbst als Glück empfinden, man ist aber erstmal nur überfordert und müde.“

Diese Themen spricht Parisini in Songs wie „Scherben“, „Mehr sein“ und „Die Dunkelheit hat keine Farben“ an. Erstmal singt die Wienerin dabei auf Deutsch. Denn: „Wenn ich singe, will ich auch etwas sagen. Was ich diesmals sagen wollte, fand ich aber relativ kompliziert. Ich konnte das in Deutsch viel besser fassen, weil die Muttersprache immer mehr aus dem Bauch kommt und man sich damit nuancierter ausdrücken kann.“

Im Zuge der Krise, der Neuordnung und der „bei mir Gott sei Dank nur punktuellen Dunkelheit“ machte sich Parisini auch weiterführende Gedanken über die Anpassung, der wir uns häufig unterwerfen.

„Das ist das zweite Thema von ,Mehr sein’“, sagt sie. „Denn es ist mir nie leicht gefallen, ich selbst zu sein. Ich habe mich immer kleingemacht, immer probiert, mich anzupassen. In dem Song sage ich, wenn ich mich von diesen Zwängen frei machen kann, mich traue, nicht perfekt zu sein, nicht die perfekte Karriere und die perfekte Frisur zu haben, kann das nur gut sein. Und ich glaube auch, wenn man sich traut, man selbst zu sein, kann man auch anderen mit mehr Toleranz begegnen. Man kann umso liebevoller mit seinem Gegenüber sein, wenn man mit sich selbst liebevoll umgeht.“

In dem Song „Frei“ verbindet sie diese Gedanken sogar mit dem Tod. „Ich will damit keinesfalls sagen, dass Sterben toll ist. Anlass war, dass ein mir nahe stehender Mensch gestorben ist. Er war schon 90 Jahre alt. Aber ich finde, dass gerade diese Generation, die den Krieg und harte Zeiten erlebt hat, noch viel stärker glaubt, sich in etwas sehr Enges zwängen zu müssen, als die, die sich im Internet ständig mit den neuesten Selfies der anderen vergleicht.“

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