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Vierte Staffel „Ted Lasso“ auf AppleTV: Der Trainer der Herzen

In der neuen Staffel wird Ted Lasso nach Richmond zurückgeholt, um dort ein Frauenfußballteam aufzubauen. Aber in Wirklichkeit, um uns alle besser zu machen.
Ted Lasso mit Sonnenbrille und Visor lächelt neben der ernst dreinblickenden Trainerin Beard auf dem Trainingsgelände des AFC Richmond.

Fußballfans sind in ihren Stadiongesängen („Die Eckballfahne ist größer als du“ in Richtung des Schiedsrichters, und das ist noch nett) nicht immer für Subtilität bekannt. Bevor wieder die gewohnt differenzierte Kulturseitenberichterstattung folgt, muss auch hier ein Fan-Gesang erklingen, der über die feineren Details ein wenig drüberbügelt: „Ted Lasso“ ist, singen wir, die wichtigste Utopie, die das Streaming-TV des letzten Jahrzehnts zu bieten hatte.

Das sind große Worte für eine Serie mit einem Setting, das eher nach dem Beginn eines Witzes klingt, von dessen Pointe man nicht viel erwarten sollte: Ein Amerikaner kommt nach England, um dort einen schlechten Fußballclub zu trainieren. Ja, er war Footballtrainer, also falscher Sport, ha ha. Und er soll – man weiß ja, Amis oberflächlich, einfältig, schlecht angezogen – noch dazu den Club, Objekt eines Scheidungsstreits, eigentlich ruinieren. Na ja.

Grunz!

Was sich dann aber über drei Staffeln entsponnen hat, ist jedoch vieles: Eine hoch unterhaltsame Serie mit grandiosen Charakteren (der grunzende Roy Kent!), eine Underdog-Story ohne simples Wohlfühl-Finale.

Vor allem aber ist „Ted Lasso“ der große Gegenentwurf zum zerstörerischsten Gift unserer Zeit: Jason Sudeikis zeigt als schnauzbärtiger Normalo-Typ, dass eben nicht die Bösartigkeit belohnt werden sollte, wie es allüberall – in der Arbeitswelt, der Politik und dem verdammten Internet – passiert.

Sondern dass, wenn man alles, aber auch wirklich alles auf die freundlichst mögliche Art interpretiert, wenn man jede Kommunikation ins Konstruktive dreht, wenn man Zorn und Dummheit mit einem netten Wort begegnet, dass man nach und nach sein Umfeld zum Besseren wenden kann. Das klingt klein, ist aber von großem utopischen Gehalt. Ted Lasso ist der Forrest Gump des bescheuerten Internetzeitalters, er zeigt, wie es – wenn man nicht so ist wie alle anderen – besser ginge. Nett sein ist wirklich alles.

Frauenfußball

Auf drei Staffeln war die Story um Lasso und den AFC Richmond von vornherein angesetzt. Nun ist eine vierte gestartet – und die ist anders.

Ted – der auch als Supermarktangestellter Zufriedenheit an alle anderen verteilt – soll wieder zurück nach England. Richmond will nun ein Frauenfußballteam aufbauen. Rebecca Welton (Hannah Waddingham) hat ihn, sagt sie in der ersten Folge der neuen Staffel auf AppleTV, einst aus den völlig falschen Gründen engagiert. Nun holt sie ihn aus den richtigen.

Die Serie versucht etwas Neues: Ergab sich der Humor und die, ja, seelische Heilkraft des Fußballtrainers bisher aus dem Beharren auf Freundlichkeit, wenn es andere mit Ted Übel meinten, setzt „Ted Lasso“ diese nun ein, um Mechanismen der Abwertung aufzuzeigen – und zu knacken. Denn ja, ha ha, Frauenfußball, da sind die Fans jetzt noch nicht ganz angekommen im Kopf. Und auch die Geldgeber nicht.

Umgekehrter Kulturaustausch

In der ersten Folge geht es um die Heimholung Lassos; Welton, Keeley Jones (Juno Temple) und Higgins (Jeremy Swift) versuchen sich dafür im umgekehrten Kulturaustausch und reisen nach Kansas, wohin Ted zurückgegangen ist, um näher bei seinem Sohn zu sein.

Allein, dass hier keine Erfolgsgeschichte nachmassiert wird – der große Fußballtrainer sitzt zu Beginn an der Supermarktkassa – macht Hoffnung, dass auch die neue Staffel ihren Zauber findet. Es ist – Fangesänge wieder an! – uns allen zu wünschen.

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