Kultur 18.01.2012

Vier Jahre PULS 4: Models, Lugner & Prestige

Der Privatsender PULS 4 wird vier. Senderchef Markus Breitenecker spricht über Hern Lugner, wenig erfolgreiche Formate und Prestige.

PULS 4 ging am 21. Jänner 2008 auf Sendung. Die Pläne für die Zukunft: Fußball und eigenproduzierte Filme. Senderchef Markus Breitenecker im Interview.

Als PULS 4 auf Sendung ging, gab es ein Societyformat mit Christina Lugner und eine wenig erfolgreiche Talksendung mit Natascha Kampusch. Wie sehen Sie diese Sendungen im Nachhinein: Waren das Versuche?
Fernsehen ist „Trial und Error“ und es gibt keine Sendung, die kein Versuch ist. Kampusch ist immer noch ein Thema - kürzlich lief die Kampusch-Doku  beim Mitbewerb, die anderen kommen da auch drauf. Aber Christina Lugner war natürlich etwas, was wir unter „Error“ verbuchen müssen.

Wie hat sich das Profil in den letzten vier Jahren geändert?
Wir sind gestartet als Sender, der sich primär an Frauen gerichtet hat und sind jetzt ein Vollprogramm. Wir haben zwar immer noch mehr Zuschauerinnen als Zuschauer, definieren uns aber nicht als Sender, der nur Frauen ansprechen will.

puls 4
© Bild: grafik

PULS 4 hat vor ein paar Jahren erfolgreich damit begonnen, Germany`s Next Topmodel auf österreichisch zu übersetzen. Kürzlich wurde eine Austro-Version von Popstars gezeigt. Wie wichtig sind diese deutschen Programmelemente für PULS 4?
Wir wollen es österreichisch machen. Wenn es erfolgreiche Marken gibt, die im Fernsehen funktionieren, dann wollen wir auf PULS 4 die österreichische Fassung zeigen. Wir haben aber auch viele Eigenproduktionen, die keine deutschen Formate sind, vor allem unserer täglichen Eigenproduktionen wie etwa die AustriaNews, „Café Puls“ oder „PULS 4 SPORT: Das Studio“.

Wie kann man sich das Verhältnis zum deutschen Mutterkonzern vorstellen? Rufen die an und sagen: He, habt ihr Lust uns Popstars abzunehmen?
Wir haben gesagt, wir hätten Lust, „Popstars“ zu übernehmen. Wir mussten lange Überzeugungsarbeit leisten und erklären, warum wir das in Österreich brauchen. Wenn wir gut argumentieren, bekommen wir die Lizenz dann auch. Die Programmgestaltung von PULS 4 wird aber ausschließlich in Österreich gemacht.

Was hat PULS 4 davon, einen „Prestigetag“ mit Reportage und Live-Diskussion zu machen?
„Prestigetag“ klingt danach, als würde man es nur aus Imagegründen machen, aber nicht aus Quotengründen. Unser Ziel ist es jedoch, mit qualitativen Public Value Programm auch Quote zu machen. Das gelingt uns z.B, mit „Spiegel TV Österreich“. Auch mit den „Austria News“ oder „Pro und Contra“ liegen wir teilweise – je nach Nachrichtenlage – über Senderschnitt.

 

Senderchef Markus Breitenecker.
© Bild: Fremd

PULS 4 möchte auf vier Prozent Marktanteil kommen. Wenn das Wachstum verläuft wie zuletzt, wäre PULS 4 2012 knapp unter der 4-Prozent-Marke.
Wenn wir es schaffen, näher an der vier als an der drei zu sein, wäre das okay. Die Zahl 4 ist jedoch eine besondere Zahl für PULS 4.

Wie soll das erreicht werden?
Mit Investitionen ins Programm. Mit unserem eigenproduzierten TV-Film zum Beispiel, einer neuen Staffel „Messer, Gabel, Herz“ oder der neuen Show „Millionär sucht Frau“. Und natürlich Sport. Ab dem zweiten Halbjahr haben wir die UEFA Champions League. Das wird uns im Herbst noch mal in eine andere Größenordnung katapultieren. Die vier Prozent sind unser großes Ziel.

Kann man von der andauernden Diskussion über die Causa Pelinka was lernen?
Zu den aktuellen Büroangelegenheiten des ORF möchte ich nichts sagen. Prinzipiell glaube ich, dass einerseits das Thema Unterscheidbarkeit zwischen staatlichem und öffentlich-rechtlichem Fernsehen eine Diskussion wert ist. Und andererseits, was der Unterschied zwischen öffentlich-rechtlichem Fernsehen und Privatfernsehen ist. Und der verschwimmt zusehends, wenn der öffentlich-rechtliche Sender sein Primetime-Familienprogramm mit einer Pornoqueen besetzt.   

Von seiten des ORF kommt an dieser Stelle gerne der Vorwurf, man wolle dem ORF schaden.
Nein. Ich habe seit vielen Jahren in vielen Statements gesagt, dass ich Vertreter eines dualen Rundfunksystems bin und als solcher einen rein gebührenfinanzierten, starken öffentlich-rechtlichen Sender befürworte. Ich glaube nur, dass es eine klare Unterscheidung geben soll. Und zu diesem Vorwurf des Deutschen: Es gibt große Medienunternehmer, die deutsche Eigentümer haben. Wir haben teilweise auch österreichische Eigentümer. Tatsache ist, dass der ORF mehr Programm in Deutschland einkauft als wir. PULS 4 ist wirklich ein österreichischer Sender mit österreichischen Eigenproduktionen und Wertschöpfung in Österreich.

( Kurier ) Erstellt am 18.01.2012