Kultur
11.02.2017

Vielleicht gibt es den Himmel nur für Junge

Neil Smith © Bild: /Alain Abel

Neil Smith und "Das Leben nach Boo": Viel Fantasie in einer Stadt der 13-jährigen, die alle – tot sind.

Dazu muss man sich anfangs ein bisschen zwingen. Denn dass ein 13-Jähriger im Jahr 1979, als im Fernsehen "Drei Engel für Charlie" mit Farrah Fawcett lief, in der Schule tot umfällt, jemand hat geschossen, und in den Himmel kommt, der eine Stadt ist, in der er weiterlebt (ist der Satz jetzt lange genug?) ... das ist nicht jedermanns Sache.

Das Jetzt will man verstehen lernen.

Nicht das Nichts.

Aber wie das halt so ist: Immer diese dummen Vorurteile. Denn "Das Leben nach Boo" kann Freude bereiten. (... und damit der Februar nicht grau ist, hat der Schöffling Verlag das Buch sogar mit elf verschiedenen Umschlägen drucken lassen.)

Man wird verstehen, warum dieser zärtliche Roman "hinübergehen" muss, um hier bleiben zu können. Und man wird die üppigen Fantasien bestaunen, die der Kanadier Neil Smith verteilt. Wobei er Platz lässt für eigene Vorstellungen. Toll ist das. Es wärmt. Tut gut. Durchhänger hat das Buch – aber wer nicht?

Parzelliert

To boo heißt auspfeifen, ausbuhen, und Oliver hatte den Spitznamen Boo. Beliebt war er unter den Mitschülern nicht. Aber sehr gescheit, immer interessiert an Tatsachen.

Und plötzlich ist es Tatsache, dass er im Himmel aufwacht: Jemand hatte ihn erschossen. Boo hat ein Nachleben. Alle haben.

Der Himmel ist eine Stadt mit Plattenbauten. Fleisch gibt es nicht zu essen. Haferschleim zum Frühstück ist Gewöhnungssache.

Der Himmel ist parzelliert. Hier leben (leben, haha) nur 13-jährige Amerikaner. Sie bleiben immer 13, und zwar 50 Jahre lang. Danach verschwinden sie.

Hinter den 25 Meter hohen Mauern, die die Stadt begrenzen, leben vielleicht 27-jährige Chinesen. Wer weiß.

Vielleicht gibt es einen Himmel nur für Jüngere, weil sie zu früh gestorben sind?

Dann erscheint Johnny, Boos Schulkollege. Auch er wurde erschossen. Was, wenn der Amokschütze ebenfalls jemand aus der Schule war und jetzt hier ist? Gott baut ja manchmal Mist ... Er hat den Bewohnern ja auch Windeln geschickt. Oder ist er ein Spaßvogel?

PS 1: Im Himmel gibt es keine Zahnpasta.

PS 2: Aber man putzt mit Natron.


Neil Smith:
„Das Leben nach Boo“
Übersetzt von Brigitte Walitzek.
Schöffling Verlag. 416 Seiten. 24,70 Euro.

KURIER-Wertung: ****