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Viel Witz – und viel Paprika bei den reichen Csárdás-Rhythmen

Lehár Festspiele. In Bad Ischl zeigt man eine temporeiche „Gräfin Mariza“.
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Von: Helmut Christian Mayer

Ziemlich heruntergekommen und verblasst wirkt das Palais mit der abgeblätterten Fassade und den Bildern an den Wänden und der Decke. Es verströmt eine sentimentale Atmosphäre voller Erinnerungen an eine Zeit, die nie zurückkehren wird (Bühne: Stefan Wiel). Hier agiert die Titelheldin als reiche Oligarchin und Powerfrau.

So sieht Angela Schweiger die „Gräfin Mariza“ von Emmerich Kálmán bei den Lehár Festspielen in Bad Ischl im Kongresshaus, die auch für die eigene Spielfassung mit den aktualisierten Texten verantwortlich zeichnet. Sie inszeniert den Hit aus der silbernen Wiener Operettenära temporeich, kitschbefreit und entstaubt im Heute mit modernen Kostümen (Sven Bindseil) mit Handys und Laptops; Influencer agieren auf der Bühne und nehmen Videos auf.

Sogar ein DJ legt Platten auf. Die Gesellschaft feiert meist ausgelassen. Aber all dies wirkt nachvollziehbar und nur wenig überzogen. Aufgemotzt wird das Stück durch viele, vom Ballettensemble (einmal sogar als „Schweinderlballett“) schmissig getanzten Einlagen (Choreografie: Evamaria Mayer), sowie durch unzählige Gags: Insgesamt gelingt eine passende Mischung aus Sentiment und Humor.

Dafür steht der Regisseurin ein spielfreudiges Ensemble zur Verfügung: Bryony Dwyer ist eine reich nuancierte, teils etwas zu wenig verständlich singende Titelheldin mit großer Bühnenpräsenz, klarem Sopran und müheloser Höhe. Sie wird auch – quasi wie in ihrer eigenen Erinnerung – immer wieder als junges Mädchen in ungarischer Tracht mit Puppen teils entzückend tanzend gezeigt.

Komm mit nach Varasdin!

Den verarmten Grafen Tassilo Endrödy-Wittenburg, der inkognito unter dem Namen Bela Törek als Verwalter am Gut der Gräfin Mariza arbeitet, gibt Daniel Patakay mit schönem, höhensicherem Tenor Profil. Spielerisch und mimisch wirkt er jedoch sehr zurückhaltend. Er muss in einem ärmlichen Zimmer mit Stahlrohrbett hausen.

Seine Schwester Lisa wird von der quirligen Claudia Goebl lupenrein gesungen. Lukas Karzel singt und spielt einen zappeligen, teils tollpatschigen Baron Kolomán Zsupán, dem der Hit „Komm mit nach Varasdin“ vortrefflich gelingt. Petra Strasser ist eine witzig exaltierte, aber sympathische Fürstin Božena Cuddenstein zu Clumetz, die mit einem völlig verdrehten Englisch versucht, sich mit ihrem Kammerdiener Penižek zu unterhalten. Dieser wird von Georg Schubert urkomisch „very British“ dargestellt.

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Glasklar singt auch Eva Schöler die Manja. Martin Achrainer ist ein viriler, ziemlich fieser und intrigierender Fürst Populescu, Jakob Kücher ein guter Tschekko. Homogen und klangvoll singt der kleine Chor des Hauses. Das Franz Lehár-Orchester unter Marius Burkert spielt die einfallsreiche, eingängige Musik mit dem ungarischen Kolorit und den unvergänglichen Schlagern mit Farbenreichtum, rhythmischem Verve und viel Paprika bei den reichen Csárdás-Rhythmen. Heftiger Applaus und viele Bravi!

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