© Iva Valenta

Catcalling
05/24/2021

"Catcalling strafbar machen": Kunstaktion gegen verbale Belästigung in Wien

Catcalls of Vienna und die Musikerin CHRISTL kamen am Sonntag mit ihrer Kunstaktion gegen verbale sexuelle Belästigung zusammen, um Sichtbarkeit zu schaffen.

von Anna Gielesberger

Straßenkreiden in allen Farben, eine Reihe von Artists aus der Kunst- und Musikwelt und genug Platz für Sichtbarkeit am Urban-Loritz-Platz in Wien. "Let's go, fangen wir da drüben an", ruft die in Wien lebende Musikerin CHRISTL um kurz nach 15 Uhr am Sonntag, den 23. Mai, und zieht den ersten Strich mit der Straßenkreide. Die mitwirkenden Künstlerinnen und Künstler - vorwiegend Frauen - ziehen nach und beginnen ihre Erfahrungen mit Catcalling und verbaler sexueller Belästigung auf kreative Art und Weise am Boden darzustellen.

Die einen schreiben Aufforderungen nieder, die anderen Beleidigungen und bei vielen Veranschaulichungen handelt es sich um Situationen, denen sie selbst schon begegnet sind. Im Hintergrund hört man die neue Single "Object Of Desire" von CHRISTL, oder holy.jesus.christl wie sie sich auf Instagram nennt, aus der Musikbox ertönen.

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Sichtbarkeit schaffen

CHRISTL selbst scheut sich nicht, ihr Umfeld und sich selbst mit einer kritischen und starken Stimme zu beleuchten. Das demonstriert sie mit ihrem neuen Song "Object of Desire", in dem sie ihre eigenen Erfahrungen mit sexueller Belästigung Ausdruck verleiht: Angst, Wut, absolute Hilflosigkeit - das fühlen Personen, die sogenannten "Catcalls", von welchen der Song handelt, ausgesetzt sind.

Weil die 20-Jährige ihr Schaffen als Musikerin und auch Künstlerin untrennbar miteinander verbunden sieht und "mehr als nur Musik veröffentlichen möchte", ist für sie die künstlerisch-aktivistische Instagram-Initiative Catcalls of Vienna der perfekte Partner.

Die Catcalls-Initiative gibt es mittlerweile in fast jeder größeren Stadt. Betroffene Personen können ihre Erfahrungen via Instagram anonym teilen und das Catcalls-Team malt diese dann mit bunten Straßenkreiden am Ort des Geschehens auffällig auf den Boden. "Wir möchten Menschen miteinbeziehen und eine Sichtbarkeit schaffen. Einfach darüber sprechen, auch mit betroffenen Personen, und so ist das Ganze dann zustande gekommen", schildert die junge Künstlerin.

"Wir wollen, dass man die Scham abwirft"

"Mach mal Sport, sonst bleibst du für immer so fett", kreidet CHRISTL in einer Sprechblase auf den Boden. Eine der Artists präsentiert künstlerisch das Statement "Fass mich nicht an", während daneben "Ich heiße nicht 'Süße'" am Asphalt des Urban-Loritz-Platzes erscheint. Während die Kunstwerke am Boden immer mehr werden und ein sichtlich großes, gemeinsames Kreidebild entsteht, passieren Fußgänger neugierig den belebten Platz. Viele davon bleiben stehen und beobachten gespannt die Kreationen, lesen die niedergeschriebenen Statements und fotografieren sogar die eine oder andere Darstellung.

Anders als sonst, spazieren die Menschen eben an diesem Sonntag nicht einfach so vorbei, sondern werden an dieses wichtige Thema erinnert. Und das ist auch genau das Ziel, das CHRISTL und "Catcalls of Vienna" mit diesem Projekt erreichen möchten: "Wir wollen, dass man die Scham abwirft und versteht, dass es nicht okay ist und, dass es nichts ist, was man hinnehmen muss. Weil das steigert sich dann immer mehr und dann sieht man eben was gerade jetzt in Österreich passiert. Und das beginnt bei diesen Dingen. Und wenn man da nicht anfängt, irgendwie darüber zu sprechen, wird sich halt im Großen und Ganzen auch nicht recht viel mehr verändern", sagt CHRISTL.

Petition gegen Catcalling

Gerade weil man als Opfer von Catcalling aktiv wenig dagegen machen kann, möchte Catcalls of Vienna einen Platz bieten, um das Thema schambefreit zu behandeln und sichtbar zu machen, und daran zu erinnern. "Ich glaube es gibt halt keine Pauschallösung, aber meiner Meinung nach sind erstens die patriarchalen Strukturen der Kern des Problems und zweitens glaube ich, dass man da einfach viel mehr rechtliche Grundlagen und viel mehr Möglichkeiten schaffen muss, dass man solche Vorfälle melden kann. Da muss es irgendwelchen Safe Space und mehr öffentliche Diskussionen darüber geben", meint die Sängerin CHRISTL. "Außerdem sind es diese Rollenbilder, die sich verändern müssen. Ich glaube, dass die Männer ihre Männlichkeit aktiv und kritisch hinterfragen und reflektieren müssen."

Um dem Thema Catcalling und sexueller Belästigung entgegenzuwirken, hat die Initative Catcalls of Vienna zudem eine Petition gestartet, welche verlangt, dass Catcalling ins Strafgesetz aufgenommen werden soll. Die Petition kann man hier unterschreiben. 

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