Vergessen: Maria Lazar (1895 - 1948)

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Foto: /DVB Maria Lazar beging nach dem Krieg Selbstmord

Ein Wiener Verlag entdeckte "Weibsgeruch"

Als Thomas Mann auf Empfehlung in Maria Lazars "Die Vergiftung" hineinlas, notierte er: "Penetranter Weibsgeruch."

Das klingt interessant.

Der Roman zeigt eine junge Frau, "Fräulein Ruth", die eingesperrt ist in ihrer Familie und auch bei ihrem Geliebten, einem viel älteren Chemiker. Sie begehrt auf.

Der bürgerliche Mief ist Gift, alle leben das falsche Lebe und lügen, damit es gut und richtig erscheint, alles ist feindlich – sogar eine Tür ist eine dunkle Macht, sogar ein Sonnenstrahl peinigt.

Mit Papagei

Es geht den so Anständigen nur um Geld und Gott, aber Gott ist tot, und das Geld ist auch nicht jederzeit verfügbar. Aber zumindest eine Abtreibung kann ein Bürger finanzieren.

Ein Antibürgerbuch. Ausdrucksstark, expressionistisch – nicht neuromantisch wie der frühe Thomas Mann.

Maria Lazars Schrei nach persönlicher Freiheit war 1920 erstmals als Buch erschienen. Da war sie 25.

Sie ist Oskar Kokoschkas "Dame mit Papagei". Als er sie malte, war sie 21 Jahre alt.

Literaturwissenschaftler Johann Sonnleitner von der Uni Wien hat ihre Biografie rekonstruiert. Das war nicht einfach. Sie ist völlig vergessen. Der junge Elias Canetti war von ihr gefördert worden – er revanchierte sich, indem er sich nie an sie erinnerte.

Die Tochter eines jüdischen Eisenbahndirektors, aufgewachsen im Wiener Schottenhof, 1933 mit ihrer Tochter nach Dänemark und dann nach Schweden geflüchtet, schrieb vor allem Fortsetzungsromane für Zeitungen; oft unter dem Pseudonym Esther Grenen.

Ihre reiferen, antifaschistischen, oft karikierenden "Die Eingeborenen von Maria Blut" stellte sie 1935 in Kopenhagen fertig. Der Nationalsozialismus nahte im Buch und überhaupt, und kein österreichischer oder Schweizer Verlag druckte deshalb das Manuskript.

In eine fiktiven oberösterreichische Kleinstadt wird hineingeschaut. "Die Eingeborenen wollen ihren Messias haben." Ganz sicher ist noch niemand, ob er wirklich wie Hitler sein soll.

Beide Romane erscheinen jetzt bei DVB. Der neue Verlag des in Wien lebenden Münchners Albert C. Eibl ist spezialisiert auf "Das Vergessene Buch". Das wird bestimmt auch weiterhin spannend.

Maria Lazar:
„Die Vergiftung“
Herausgegeben von Johann Sonnleitner.
DVB Verlag. 168 Seiten.
17,90 Euro.

Maria Lazar:
„Die Eingeborenen von Maria Blut“
Herausgegeben von Johann Sonnleitner.
DVB Verlag. 269 Seiten.
17,90 Euro.

(kurier) Erstellt am
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