Kultur 05.01.2012

Vereinigte Bühnen: "Prominenz kein Kriterium"

Thomas Drozda, der Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien, klagt über Subventionskürzungen, kommentiert die Ausschreibung für die Musical-Intendanz und freut sich über Exporterfolge.

Nach dem Abgang von Niko Pelinka wurde darüber spekuliert, dass seine Nachfolge als Leiter des SPÖ-"Freundeskreises" Thomas Drozda übernehmen könnte. Aber der Chef der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) – auf einem SPÖ-Regierungsmandat im ORF -Stiftungsrat – dementiert auf KURIER-Anfrage: "Weder würde ich zur Verfügung stehen noch steht das zur Diskussion."

Drozda freut sich einerseits über "das beste Ergebnis aller Zeiten der VBW im Jahr 2010", aber ist alles andere als erfreut darüber, dass die rot-grüne Stadtregierung jüngst "als Belohnung dafür, dass uns das gelungen ist", eine Kürzung der VBW-Subventionen um genau diesen Bilanzgewinn – 750.000 Euro – auf 36,35 Mio. Euro beschlossen hat: "Ich hätte lieber Rücklagen gebildet."

Gemessen am Niveau von 2007/’08 wurden die Förderungen seither um fast vier Millionen Euro – also rund zehn Prozent – reduziert.

"Außerdem hatten wir in der Zwischenzeit auch rund zehn Prozent Inflation – also de facto insgesamt um 20 Prozent weniger", so Drozda. "Das bringt uns in eine total schwierige Situation." Und wozu braucht ein florierender Musicalbetrieb Rücklagen? "Um Einnahmenrisiken ausgleichen zu können", sagt Drozda. "Man braucht ein gewisses Eigenkapital, um eventuelle Einnahmenrückgänge hinnehmen zu können. Wir haben nur rund zehn Prozent Eigenkapitalquote. Die Staatsoper hat 40 Prozent, die Volksoper 30 Prozent. Die sind aber in einem Geschäft, das wesentlich weniger volatil ist, und haben Abonnements und auslastungsstabilisierende Möglichkeiten."

Intendant gesucht

Noch bis 15. Jänner läuft die Bewerbungsfrist der Ausschreibung für die Musical-Intendanz nach Kathrin Zechner. Welches Anforderungsprofil hat der Wunschkandidat?

"Es kommt darauf an, dass jemand in der Stückentwicklung Erfahrung hat. Das ist nicht nur für uns in Wien, sondern vor allem für die internationale Vermarktung eine zentrale Frage", so Droza. "Der künftige Intendant muss Erfahrung und gute Kontakte zu Autoren und Komponisten haben, aber auch international gut vernetzt sein. Voraussetzung sind bei einem Betrieb unserer Größe zudem Führungsqualität, Motivationsfähigkeit und soziale Kompetenz."

Konfrontiert mit dem Gerücht, Alfons Haider sei die Kathrin-Zechner-Nachfolge ohnedies bereits sicher, sagt Drozda: "Prominenz ist bei uns kein Anforderungskriterium. Das ist weder eine notwendige noch eine hinreichende Bedingung. Nur weil jemand irgendwann einmal auf einer Bühne gestanden ist, qualifiziert ihn das noch nicht für den schwierigsten Job, den es derzeit im Entertainment im deutschen Sprachraum gibt."

Der neue Intendant soll – nach einem Screening der Bewerbungen durch das Personalberatungsbüro Egon Zehnder International – noch im Februar gefunden werden. Über die Leitung des Theaters an der Wien nach Roland Geyer, der 2016 nach Bregenz abwandert, soll im ersten Halbjahr 2013 entschieden werden.

International brummen die Musical-Exportgeschäfte der VBW – mit Rebecca in Stuttgart und St. Gallen, Tanz der Vampire in Berlin und St. Petersburg, einer "Elisabeth"-Tournee im Februar nach Japan und Südkorea ...

Fixiert ist auch die Premiere von "Rebecca" im Broadhurst Theatre in New York am 22. April 2012. Als Erfolgsmaßstab definiert Drozda: "Ein Jahr Laufzeit am Broadway wäre für uns in ökonomischer und künstlerischer Hinsicht ein Erfolg."

Musical: Eine Kulturlokomotive für Wien

Zur Person: Thomas Drozda, 1965 in Linz geboren, arbeitete nach Betriebs- und Volkswirtschaftsstudium an der Linzer Kepler-Uni in der Nationalbank, wechselte ins Kabinett Vranitzky, wurde 1998 kaufmännischer Burgtheater-Direktor und ist seit 1. Juli 2008 Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien mit Ronacher, Theater an der Wien und Raimund Theater. Sein Vertrag wurde kürzlich um weitere fünf Jahre bis 2018 verlängert.

Konzern: Mit 650.455 Besucher(inne)n in 658 Vorstellungen erzielten die VBW in seinen drei Wiener Theatern 2010 eine Gesamtauslastung von 94,4 Prozent. Etwa doppelt so viele Musical-Fans besuchten die insgesamt 1041 Vorstellungen von VBW-Produktionen im Ausland, u. a. hatte "Elisabeth" 8,5 Millionen und "Tanz der Vampire" sechs Millionen Besucher weltweit.

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( Kurier ) Erstellt am 05.01.2012