Vampire nach Russland exportiert

Samstag in St. Petersburg: Im Mittachtziger-Bombastrock-Musical bekam der schwule Vampir Herbert (Kirill Gordeev) den meisten Applaus ...
Foto: rosenberger

Grusical goes east: Die Vereinigten Bühnen Wien haben "Tanz der Vampire" mit Erfolg nach St.Petersburg gebracht.

Die Blutsauger sind nach Osten gezogen: Die Premiere der Wiener Fassung von "Tanz der Vampire" wurde am Samstag im State Theatre of Musical Comedy in St. Petersburg bejubelt. Die Gesangsstimmen sind, wie es sich für eine patinierte Operetten-Spielstätte gehört, erstklassig. Der Schmäh rennt, wie der Wiener sagt, offenbar auch bei den Russen, wie an den Lachern erkennbar war.

Grusel-Comedy

Die Lizenzproduktion der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) in Russland auf die Beine zu stellen, war "nervenaufreibend wie ein Geburtsvorgang und ein hartes Stück Arbeit", so VBW-Intendantin Kathrin Zechner. Aber am Ende lief beim technisch aufwendigen Erfolgsmusical von Michael Kunze und Jim Steinman dank des schon bewährten Leading Teams u. a. mit Cornelius Balthus (Regie) und Dennis Callahan (Choreografie) fast alles wie am Schnürchen: Genügend für die Show-Effekte unverzichtbare Kapseln mit Theaterblut zum Zerbeißen waren gelagert. Die Vampir-Enten als Premieren-Give-away stießen auf Entzücken.

Und der eigens angereiste Autor Kunze sagte, St. Petersburg und das prächtig dekorierte Theater am Platz der Künste mit dem Puschkin-Denkmal erinnere ihn "sehr an Wien und die viele Kunst" aus längst vergangenen Tagen. Roman Polanski kam zwar nicht, ließ sich aber Pläne vom Theater schicken und über die Details informieren.

Am Ende hat der Erfolg viele Väter: Yuri Schwarzkopf etwa ist ein mutiger Theaterdirektor, der im Operettenhaus mit 848 Sitzplätzen nah am Newskij Prospekt einen Quantensprung wagt. Mit Musical - die Kartenpreise liegen bei 10 bis 100 € - will er junges Publikum gewinnen und scheut dabei weder Kosten noch Mühen. Durch Rivalitäten zwischen der
selbstbewussten Stadt an der Newa und Moskau und Kontakte über Budapest durch die Musical-Koproduktion "Rudolf" kam Wien ins Spiel.

Strategie

Eine Win-win-Situation zeichnet sich ab: St. Petersburg kann sich gegen die übermächtige Hauptstadt behaupten. Und die VBW hat die Chance, am Ostmarkt Fuß zu fassen. Zechner: "Es ist nicht leicht, aus einem kleinen Markt heraus eine Strategie zu entwickeln." In der neuen Vampir-Truppe überzeugten Ivan Ozhogin (Graf von Krolock), der in Russland einen Starstatus wie hierzulande Uwe Kröger hat, und Elena Gazaeva (Sarah). Kirill Gordeev als schwuler Vampir Herbert bekam den größten Applaus. Und Andrey Matveev steht als schrulliger Professor Abronsius Gernot Kranner in nichts nach. Mindestens zwei Jahre mit je 40 Vorstellungen soll die Show laufen. Wie gesagt: Ein Musical-Erfolg in der Stadt, die wie kaum eine andere mit neuer Inszenierung alter Pracht fasziniert, kann ein Türöffner anderswo sein.

"Was hier geht, geht überall im Osten", zitiert Zechner Theaterleute vor Ort. Und als erstes Feedback aus der Hauptstadt wurde kolportiert: "So etwas wie ,Tanz der Vampire' gibt es in Moskau nicht zu sehen."

(kurier) Erstellt am
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