Kultur
19.12.2011

Vaclav Havel, der Autor: "Briefe an Olga"

Damit man nicht ganz darauf vergisst, dass der frühere tschechische Präsident auch Schriftsteller und "Hausdichter" des Burgtheaters war ...

Es gibt keine „Briefe an Olga“ mehr. Man hat sie irgendwann nicht mehr neu aufgelegt.
Die private Korrespondenz mit seiner Frau – mit der er während der Haft mitunter Kontakt halten durfte – waren einst ein Bestseller. In ihnen findet man, warum Havel war, wie er war und warum er so und nicht anders handeln konnte, und Kühe betrachtete er auch aus dem Gefängnis:

118. Brief
6. März 1982
Liebe Olga,
mir wurde kürzlich bei irgendeiner Fernsehreportage aus einem Kuhstall bewußt, dass die Kuh kein Tier mehr ist. Sie ist eine Maschine, die ihren „Input“ (Kernfutter) hat und ihren „Output“ (Milch) ...

Nach seinem Tod wird das Taschenbuch garantiert rasch nachgedruckt werden:

Im Hintergrund

Das ist symbolisch. Der Präsident Havel hat den Dichter, den Dramatiker Havel in den Hintergrund gedrängt.

Zwei seiner bekanntesten absurden Theaterstücke – „Das Gartenfest“ und „Die Benachrichtigung“ liegen bei Rowohlt seit 22 Jahren immer noch in der allerersten (kleinen) Auflage vor und warten auf Käufer.
Sucht man im Internet, ob zurzeit irgendwo im deutschen Sprachraum ein Stück von ihm auf dem Spielplan steht und gibt die Wörter „Havel“ und „Theater“ ein, findet man das Theater in Brandenburg an der Havel, (und dort wird zurzeit „Aida“ gespielt).

Komik

Havel gewann dieser Welt als Autor Komik ab. Mit „Das Gartenfest“ war er 1963 international bekannt geworden. Es ist eine Satire mit Funktionären des Amts für Eröffnung und Funktionären des Amts für Auflösung. Spätere Stücke durften in der CSSR nicht aufgeführt werden und hatten ihre Weltpremiere im Ausland.
Sehr oft im Wiener Burgtheater. Trotz Widerstände, weil er ein „Linker“ sei. Die Regierung unter Kreisky machte dem damaligen Direktor Benning die Mauer.
Havel konnte nie dabei sein. Es wurde Hausbrauch, am Ende, beim Verbeugen, eine Tafel mit seinem Namen vom Schnürboden herabschweben zu lassen.

Sein Bühnencomeback hieß 2008 „Abgang“: Ein Kanzler wird abgewählt und verliert der Reihe nach alles im Leben. Wenige internationale Medien nahmen das Stück wahr; und tschechische Kritiker waren wegen des plötzlichen harten Realismus verwirrt.

Ein Buch, mit dem man Vaclav Havel sehr nahe kommt (und außerdem erhältlich ist), sind seine Erinnerungen mit dem Titel „Fassen Sie sich bitte kurz“ (Rowohlt). Es steckt voller Selbstzweifel.
„Wie konnte es nur geschehen, dass ich – und gerade ich – mich im Zentrum so wichtiger Ereignisse befand, die das Schicksal vieler Völker und Millionen von Menschen geprägt haben?“

Er sei doch bloß ein Autor absurder Theaterstücke gewesen. Ausgerechnet auf den sollen wir vergessen?

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