**FILE**Author Upton Sinclair, who wrote the novel "The Jungle" about the meatpacking industry, broadcasts a speech during his campaign for governor of California Nov. 4, 1934. The groundbreaking novel marks its 100th anniversary in 2006. (AP Photo/File)

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Upton Sinclair
03/01/2013

Ein Gerechter kehrt in die Buchhandlungen zurück

Der Roman eines Gerechten aus dem Jahr 1927 kommt, neu übersetzt, gerade richtig: Upton Sinclairs "Öl!"

von Peter Pisa

Ein Mädchen hütet Ziegen. Stundenlang. In brennender Sonne. Es hat keine Seidenstrümpfe. Wieso hat dieses Mädchen keine Seidenstrümpfe (und andere, die nicht arbeiten müssen, haben mehrere)?
Die Literatur hat damit aufgehört, diese Frage derart direkt zu stellen.
Wahrscheinlich bekam Upton Sinclair, der vor solchem nicht zurückschreckte, deshalb keinen Nobelpreis; obwohl ihn Shaw, Einstein und Bertrand Russell dafür brieflich vorschlugen.

Dafür stand „Öl!“ 1927 in den USA wochenlang auf den Bestsellerlisten.
Und als der Roman unter dem Titel „Petroleum“ erstmals auf Deutsch erschien, gingen rasch 100.000 Exemplare weg.
Bis Sinclairs Romane 1933 verboten wurden: wegen „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“ ...

Rohrleitungen

„Öl!“ ist wieder da, heiß wie eh und je und neu übersetzt: ganz vorsichtig, damit das Buch klingt wie damals, als das Wort „Pipeline“ hierzulande unbekannt war und man von „Rohrleitungen“ sprach.
Es ist ein dokumentarischer Roman gegen den Gierkapitalismus.

Er spielt auf den Erdölfeldern Kaliforniens, aber auch an der Universität, kurz sogar in Paris, London, Wien ... und in Hollywood. Denn Upton Sinclair war zwar Aktivist der Arbeiterbewegung, lebte aber in Pasadena und in Beverly Hills. Er gehörte, nur dem Portemonnaie nach, zu den Reichen.
So wie Bunny Ross, der Sohn eines Ölmillionärs.
Sein Dad hat es, wie man fälschlich sagt, aus eigener Kraft weit gebracht. Dass er im Korruptionssumpf unterwegs ist und ohne gute Arbeiter nichts geht, ist ihm zumindest bewusst.

Er hätt’ ja auch gar nichts gegen Gewerkschaften. Im Alleingang kann er sie schwer zulassen. In einer Zeit, in der „Sozialist“ und „liberal“ Schimpfwörter waren und Demonstranten totgeprügelt wurden, schweigt er und scheffelt Geld.

Eindimensional ist dieser Arnold Ross nicht. (Auch wer um die TV-Serie „Dallas“ einen weiten Bogen machte: An diesem Roman wird sein Herz hängen.)
Und sein Sohn Bunny, der ist schon überhaupt keine Schablone. Bunny versucht, seinem geliebten Vater Hilfe zu sein, als Ölprinz.
Er versucht, sich eine harte Schale wachsen zu lassen.
Bei ihm geht das aber nicht so einfach. Er ist den Baracken der Ausgebeuteten näher als den Villen.

Upton Sinclair war keiner, der lang an der Sprache feilte. Es ging ihm um Wirkung; und er wirkt. Jetzt, nach dem Tod Stéphane Hessels („Empört euch!“), kommt sein Buch wie gerufen. Weil einen Gerechten braucht man schon, um nicht zu verzweifeln.

KURIER-Wertung: **** von *****

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