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Kritiken
11/03/2021

Unhörbares im Theater, Fulminantes in Salzburg, Enttäuschendes in Wien

Abschluss Osterfestspiele, "Stadt der Affen“ im Kasino, Eröffnung Wien Modern.

Das Unhörbare im Theater sagbar machen

Wo stößt Theater an seine Grenzen? Dort, wo die einen nicht verstehen können, was die anderen ausdrücken wollen. Die einen können nicht hören. Die anderen können die Zeichensprache nicht verstehen.

Für den Theaterabend „Stadt der Affen“ hat die belgische Theatermacherin Lies Pauwels untersucht, was passiert, wenn hörende und gehörlose Schauspieler und Zuschauer aufeinandertreffen. Welche Formen der Kommunikation entwickeln sich?

Nachdenken über Krise und Kommunikation

„Stadt der Affen“ (im Burgtheater Kasino) hat keine Handlung, die Produktion ist eine Art theatralisches Nachdenken über Themen wie Kommunikation, Krise, die angebliche Einzigartigkeit der Tierart Mensch – und über das Theater selbst.

Die Burgtheater-Schauspieler Stefanie Dvorak, Hans Dieter Knebel und Max Gindorff trafen dabei auf die hörbehinderten Laiendarsteller Ruben Grandits, Wesal Jahangiri, Julia Oberroitmair und Habib Teamori. Vieles an dieser Inszenierung wirkte unfertig (sollte es wohl auch), manches sah auch sehr nach Workshop aus. Dennoch war es beeindruckend zu erleben, wie Hörende und Gehörlose auf der Bühne und im Publikum zu einer Einheit wurden.

Zwei Vorstellungen

Dabei waren es in Wahrheit zwei Theatervorstellungen, die gleichzeitig abliefen, einander beeinflussten und durchdrangen. Für die Hörenden  wurde der Abend von Musik dominiert (David Bowies „Life On Mars“ war der rote Faden), welche das Geschehen inspirierte. Für die Gehörlosen gab es viel übertitelten Text zu lesen, dazu Gebärdensprache.

Die Verbindung zwischen beiden Welten boten die offenbar bei den Proben improvisierten Tanzeinlagen und pantomimischen Szenen, in denen es um Schwäche und deren Überwindung ging.

Am Ende zerfiel das Publikum wieder in zwei Gruppen: Die Hörenden applaudierten klatschend, die Gehörlosen trampelten (die Erschütterungen kann man spüren) und bewegten die erhobenen Hände.

Von Guido Tartarotti

Ein fulminantes Finale der Salzburger Osterfestspiele, heuer eben im Herbst

Denis Matsuev ist ein außergewöhnlicher Pianist. Der gebürtige Russe ist nicht nur ein Meister des kraftvollen, vollgriffigen, virtuosen Klavierspiels, sondern auch der subtilen Zwischentöne und der innigen Empfindsamkeit. Genauso servierte er im Großen Festspielhaus das einzige Klavierkonzert in a-Moll von Edvard Grieg. Obwohl es seinerzeit von Hugo Wolf bei einer Wiener Aufführung mit den Worten „Im Konzertsaal taugt es nicht“ kritisiert wurde, ist es wegen seines unverwechselbaren, folkloristischen Tonfalls heute so beliebt. Viel Jubel für den Pianisten, der sich mit einem Encore bedankte.

Einfühlsam wurde er dabei von der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann begleitet. Höhepunkt des Abschlusskonzertes der „Osterfestspiele im Herbst“ war zweifellos „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss. In seiner sehr persönlichen, autobiografischen symphonischen Dichtung thematisiert der Komponist das künstlerische Dasein zwischen  Optimismus, Leben und Fin-de-Siècle-Stimmung.

Neben dem Helden selbst kann man darin auch seine Widersacher (die Kritiker), seine Gefährtin (seine Frau Pauline) und Zitate aus allen seinen bisherigen Tondichtungen raushören. Hier passte alles: Der stets animierende, deutsche Dirigent modellierte spannungsgeladen und immer völlig ausgewogen die gewaltige Klangarchitektur, den heroischen Schwung wie auch die strahlende Themenpracht und die herrlichen Farbkombinationen.

Thielemann legte ungemeinen Wert auf Feinheiten und nahm sich auch Zeit, die Phrasen auszukosten. Als vortrefflich erwiesen sich auch die  Solisten aus den eigenen Reihen, besonders der Konzertmeister Matthias Wollong mit seinem langen Violinsolo. Stehende Ovationen.

Von Helmut Christian Mayer

Wenn eine Trompeterin den  großen  Unterschied zur Banalität ausmacht

119 Veranstaltungen, 78 Weltpremieren, 38 Spielorte – noch bis 30. November will das Festival „Wien Modern“ in seiner 34. Ausgabe wieder für neue Impulse in Sachen zeitgenössischer Musik sorgen. Der Auftakt im Konzerthaus aber mutete – mit einer Ausnahme – doch extrem retro an.

Die Ausnahme? Das ist die erst 23-jährige österreichische Trompeterin Selina Ott, der wohl eine Weltkarriere bevorsteht. 

Für sie hat der Wiener Komponist Thomas Wally das Stück „Utopia 1“ komponiert, das bei seiner Uraufführung Selina Ott  sowie  dem  ORF Radio-Symphonieorchester unter seiner Chefdirigentin Marin Alsop Gelegenheit zur Bravour bot. In einer Art melodischem Labyrinth bewegen sich da die Musikerinnen und Musiker, in dem  Ott alle  Register ihres Könnens zog. Ein charmantes Werk, das sich auch durch Spielbarkeit auszeichnet.

Eine reine Kopfgeburt ist hingegen Milica Djordjevics „Sky limited“, das außer einem flirrenden Klangteppich wenig zu bieten hat.

Wirklich enttäuschend jedoch Christian Ofenbauers „Satyrspiel“, vom österreichischen Komponisten als Finale einer Operntetralogie vorgesehen. Das Ergebnis ist ein brav  vor sich hinplätscherndes Tongebilde ohne Stimmen, das noch dazu visuell untermalt wurde.  Angeblich hat Andrea Sodomka hier eine Installation geschaffen. Man sieht blaues und oranges Licht. Sorry, das kann jeder halbwegs geübte Lichtdesigner besser.

Von Peter Jarolin

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