Kultur
02.07.2018

Und plötzlich wünscht sich die FPÖ echte Staatskünstler

Kommentar: Künstler sollen nicht der Obrigkeit nach dem Wort reden, forderten die Blauen - bis sie selber zur Obrigkeit wurden.

So gerne empörte sich die FPÖ über die sogenannten Staatskünstler, also jene, die der roten Obrigkeit nach dem Mund reden – und dafür fleißig öffentliches Geld kassieren. Dasselbe gilt sicher ebenso für Bundesland-, Gemeinde-, Stadt- und Dorfkünstler: Die Günstlinge in der Kultur, so das verlockend simple Bild, wandeln das Buckeln nach oben in Subvention um.

Aber alles Einfache wird, vermaledeite moderne Zeiten!, schnell auch kompliziert. Etwa dann, wenn die FPÖ selbst zur Obrigkeit wird, die die Hand im, nein, sorry, natürlich am Subventionstopf hat. Und Künstler nicht nach oben buckeln, sondern treten. Etwa bei den Nestroy-Spielen Schwechat, wo – Herrschaftszeiten! – in neu formulierten Nestroy-Couplets die Bundesregierung und auch, sakra, die FPÖ vorgeführt werden.

Dann wünscht sich die lokale Schwechater FPÖ in Person des als Theaterexperten eher unbekannten Gemeinderats Wolfgang Zistler ganz rasch wieder, ja, Staatskünstler herbei, die nach oben buckeln. Und droht den kratzbürstigen Nicht-Staatskünstlern mit Subventionsentzug. „Ein Schauspieler bezeichnete die türkis-blaue Bundesregierung als großteils braun“, empört sich Zistler, dieser Künstler lobt also die Regierenden nicht! „Und zwei betrunkene Schauspieler torkelten mit Deutschland-Fahnen zum FPÖ-Lied ... Immer wieder Österreich... über die Bühne.“ Lauter „linkslinke Blödheiten“, klagt Zistler sogar schriftlich.

 

Auch einen Hitlergruß will er gesehen haben, wenn das auch – wie der Regisseur hilfsbereit aufklärt – nur die in der FPÖ nicht ganz unbekannte Bestellung von drei Bieren war. Die FPÖ jedenfalls werde, mit oder ohne Bier, keiner Subvention für die Nestroy-Spiele zustimmen, wenn das nicht alles geändert wird.

„Mit seinen gelungenen Improvisationen eckte Nestroy häufig bei den stets anwesenden Zensurspitzeln an“, heißt es auf der Wikipedia-Seite zum Autor. Das war im 19. Jahrhundert nicht viel anders, als es heutzutage ist.

In Klagenfurt hingegen wollen die Kollegen von der Kärntner FPÖ gegen ein „absurdes“ Kulturprojekt, gegen „sinnloses Verbrennen von Steuergeld“ Widerstand leisten. Nein, nicht gegen die Wörthersee Bühne, sondern gegen das Waldprojekt des Künstlers Klaus Littmann im Wörthersee Stadion. Schließlich gebe es in Kärnten eh schon 61 Prozent Waldanteil, lässt FPÖ-Chef Gernot Darmann wissen. Darauf braucht man jetzt wirklich drei Bier.