"Trump hätte Angst vor diesem Bild"

Otto van Veen die Persischen Frauen…
Foto: /KHM Otto van Veen die Persischen Frauen

Rebecca H. Quaytman bearbeitete für die Secession zwei "feministische" Gemälde aus dem KHM.

Die zwei Gemälde, die im Depot des Kunsthistorischen Museums (KHM) lagerten, waren seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr ausgestellt worden. Es sind auch höchst seltsame Bilder: In einem entblößen Frauen ihre Unterleiber, im anderen ziehen sie sich ganz aus und schicken sich an, reihenweise Soldaten in einen Wald "abzuschleppen".

Gerlinde Gruber, Kuratorin des KHM, konnte die Gemälde Otto van Veen (1556 – 1629), dem Lehrer von Peter Paul Rubens, zuordnen. Sie erkannte in einem Werk die Geschichte der persischen Frauen, die laut Plutarch ihre Landsleute zurück in den Kampf trieben, indem sie sich entblößten: "Denn dahin könnt ihr nicht zurückkehren, von wo ihr herausgekommen seid", sollen sie gerufen haben.

"Es wäre toll, wenn Frauen Donald Trump auf diese Art erschrecken könnten", sagt Rebecca H. Quaytman. "Ich frage mich, für welche Person die Bilder wohl gemacht wurden." Die US-Künstlerin erfuhr über eine gemeinsame Bekannte von Grubers Entdeckung, finanzierte die Restaurierung der Werke mit und ließ sich von ihnen inspirieren. In der Secession ist ab Freitag (bis 21. Jänner) Quaytmans Werkgruppe gemeinsam mit dem Originalgemälde der "Perserinnen" ausgestellt. Das zweite Bild van Veens – es zeigt die Amazonen, die sich laut Herodot mit den Skythen vereinigten und auf diese Weise eine Belagerung friedlich beendeten – hängt in der aktuellen Rubens-Schau des KHM.

Bilder lesen

Rebecca H. Quaytman in Wien Foto: KURIER/Gilbert Novy Der sexuelle Inhalt ist dabei gar nicht der Kern von Quaytmans Auseinandersetzung: Die Malerin, deren Wurzeln in der Konzeptkunst liegen, treiben eher Fragen nach dem Wesen und der "Lesbarkeit" von Bildern um. Quaytman malt und druckt ausschließlich auf gipsgrundierten Sperrholzplatten in genau fixierten Formaten, das Arrangement der Werke ist genauso wichtig wie das einzelne Bild: So ergibt sich etwas, das die Künstlerin eine "hieroglyphische" Lesart nennt. Einzelne Werkgruppen heißen "Kapitel", die Secessions-Schau trägt die Nummer 32.

"Mich interessiert die Zeit unmittelbar vor Rubens, weil man damals dachte, dass Bilder wie Sprache lesbar sein müssten", erklärt Quaytman ihren Anknüpfungspunkt. "Der Anlassfall war damals die Reformation. Und wir sind heute mit Computern in einem ähnlichen historischen Moment wie die Leute damals mit dem gedruckten Wort. Wir wissen nicht, was das Medium mit uns tut."

Bei ihren Studierenden – Quaytman lehrt am Bard College im Bundesstaat New York – bemerke sie seit 10 Jahren massive Veränderungen: "Sie sehen völlig anders, und sie haben nicht mehr die haptische Sensibilität, die Künstler früher hatten", sagt die 56-Jährige, die bei aller Intellektualität viel Wert auf die Machart ihrer Bilder legt: Siebdruck, textile Elemente, lackierte Oberflächen und halb transparente Übermalungen finden oft in einem einzigen Werk Anwendung.

Vermummung erlaubt

Rebecca H. Quaytman in Wien Foto: KURIER/Gilbert Novy "Das Beste, was ich politisch tun kann, ist, die Art zu verändern, wie ein Bild funktioniert", sagt Quaytman. Dazu gehört auch das Verschleiern der expliziten Motive in Otto van Veens Vorlage: Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek widmet sich in einem Text, der extra für die Schau entstand, ausführlich dieser Taktik, die weibliche Souveränität "übermalt (...) um sie zur Kenntlichkeit zu bringen."

Dass es ausgerechnet Perserinnen sind, die sich im historischen Gemälde offensiv entblößen, während Frauen im heutigen Iran Schleier tragen, mutet fast ironisch an. "Der Schleier ist ein gutes Zeichen für das, was Frauen politisch passiert", sagt Quaytman, auf das Thema angesprochen. "Bis sich das ändert, sollen sie ihn von mir aus tragen. Der Schleier ist nicht das Problem. Das Problem sind Männer mit Bomben und einem Gott."

(kurier) Erstellt am
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