Kultur
05.04.2017

Trude & Elvis: Presleys Sekretärin, aus Wien vertrieben

Ausstellung "Trude & Elvis. Wien – Memphis – Hollywood" (bis 12. 11.) im Palais Eskeles.

Eine bewegende Geschichte von der Flucht einer 18-Jährigen vor dem Nazi-Terror und vom Schicksal einer starken und mutigen Frau wird im Jüdischen Museum Wien erzählt. In "Trude & Elvis" in der Dorotheergasse 11 dreht sich alles um die aus Wien stammende jüdische Sekretärin von Elvis Presley, der es bekanntlich vom Lastwagenfahrer aus Tupelo zum King of Rock ’n’ Roll gebracht hat.

Blitzkarriere

Elvis gab gerade sein Schauspieldebüt im Western "Love Me Tender" (1956), als Trude Forsher (1920-2000), die in Wien Pötzleinsdorf ihre Kindheit verbracht hat, ins Team seines Managers Colonel Tom Parker kam.

Dabei war es damals für einen Protestanten wie Elvis aus dem Süden der USA keineswegs selbstverständlich, jüdische Freunde zu haben.

Ebenso außergewöhnlich: Dass Trude Forsher zu einer Zeit, als Frauen im Management der Unterhaltungsbranche rar waren, rasch zu seiner Werbemanagerin avancierte und den Aufstieg von Elvis zum Superstar aus der Nähe miterlebte.

Parker hat die Wienerin vermutlich engagiert, weil zahlreiche Akteure im US-Showbiz Juden waren. Mit Trude als Vorzimmerdame erwartete er sich einen Verhandlungsvorteil. Sie arbeitete für Elvis während seiner ersten sechs Filme und erlebte auch hautnah seine Trauer um den frühen Tod seiner Mutter im August 1958 mit.

Wien in Los Angeles

"Aber in Wahrheit ist das eine Wiener Geschichte. Denn meine Mutter sprach auch in Los Angeles Deutsch, aber nur zu Hause", erzählt Sohn James Forsher. "Sie hat ihr Wien nach Hollywood mitgenommen. So gingen wie am Samstagnachmittag regelmäßig ins Kaffeehaus und abends in ein ungarisches Restaurant."

Weil sie zeitlebens alles aufbewahrt hat, füllen Notizen, Fotos, Filmplakate, Weihnachtskarten des King und Memorabilien wie ein Hut von Tom Parker aus der frühen Glanzzeit des US-Showbiz rund 35 Kisten. "Das Material gilt als eine der bedeutendsten privaten Sammlungen zu Elvis Presley", so Kurator Marcus Patka.

Trudes Ehe scheitert, weil sich ein eifersüchtiger Mann und ein Arbeitsplatz im innersten Zirkel des Weltstars auf Dauer nicht vereinbaren lassen. Traurige Ironie des Schicksals: Trude verliert ihren Job, weil eine geschiedene Frau im Team von Elvis im prüden Amerika der 1950er-Jahre keinen guten Eindruck hinterlassen hätte.

Kein Karriereknick

Aber es gibt auch ein beeindruckendes Vorher und Nachher in der Karriere der Elvis-Sekretärin. "Sie war eine Kämpferin und konnte Menschen gut manipulieren", sagt ihr Sohn. So gelang es ihr schon 1938, ihre Eltern vor den Nazis zu retten.

Und 1961 gründete sie mit Adolph Zukor II., einem Enkel des Paramount-Gründers, eine TV-Produktionsfirma. JMW-Direktorin Danielle Spera: "Sie hat sich in der Männergesellschaft der Traumfabrik durchgesetzt, als man da noch keine Frau akzeptieren wollte." Nach ihrer Pensionierung engagierte sie sich für geschiedene Mütter, wofür sie mehrfach ausgezeichnet wurde.

Parallel zur Nachlass-Aufarbeitung entstand eine Film-Doku von Kurt Langbein, die der ORF zu Elvis’ Todestag im Sommer sendet.