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Kultur
04/23/2021

Nach dem Tod seiner Frau gibt sich Tom Jones nachdenklich

Der 80-jährige "Sex Bomb"-Sänger hat mit seinem 42. Album ein reifes Spätwerk geschaffen

von Brigitte Schokarth

„Du musst weitersingen! Du darfst nicht mit mir umfallen!“ Das sagte Linda Woodward zu ihrem Mann Tom Jones, kurz bevor sie 2016 an Lungenkrebs starb.

Der heute 80-Jährige, der mit unverwechselbarer Powerstimme und Hits wie „Delilah“, „Sex Bomb“ und „Green, Green Grass Of Home“ zum Weltstar wurde, versprach es und hielt Wort – auch wenn er heute zugibt, dass es ihm ohne die Frau, die er als Teenager kennengelernt und 1957 geheiratet hatte, schwer fiel.

Das Produkt dieses Versprechens ist „Surrounded By Time“, das 42. Album des am 7. Juni 1940 in Wales als Thomas John Woodward geborenen Sängers. Jones eröffnet es deshalb mit „I Won’t Crumble With You If You Fall“, einem Song der Freedom-Singers-Gründerin Bernice Johnson Reagon, den er zu einer bewegenden Erinnerung an Linda umgestaltet hat.

Jones legt dabei sein nach wie vor mächtiges Timbre über mystisch schwebende Keyboardtöne. Der Song ist die perfekte Einstimmung auf ein Album, bei dem Jones eingängige Pop-Arrangements hinter sich lässt und lyrisch die Höhen und Tiefen seines Lebens und der reichen Karriere Revue passieren lässt.

Das macht er mit Coverversionen wie Bob Dylans „One More Cup Of Coffee“ oder Cat Stevens’ „Popstar“, aber auch mit Liedern weit weniger bekannter Künstler wie Michael Kiwanuka oder Todd Snider. Allen Songs gemeinsam ist nicht nur ein Bezug zu Jones’ Leben, sondern auch die spannende Umsetzung, mit der sie sich der „Tiger“, wie Jones von seinen Fans genannt wird, komplett zu eigen macht. Blues- und Jazz-Elemente mischen sich hier mit sphärischer Elektronik, dort mit nervösen E-Gitarrenriffs und anderswo mit psychedelischen Einflüssen oder Boogie-Rhythmen.

„Talking Reality Television Blues“ ist eine Spoken-Word-Abhandlung über die Vor- und Nachteile des TV-Zeitalters von der Mondlandung über den Moonwalk von Michael Jackson bis hin zu Donald Trump. In „Mother Earth“ spricht Jones das Umweltthema an, in „Popstar“ selbstironisch sein „Sex Bomb“-Image und in dem epischen und musikalisch am konventionellsten arrangierten „This Is The Sea“ beschreibt er die Reise vom Erleiden des Verlustes zurück in ein positives, zukunftsorientiertes Leben.

Denn jetzt will Jones weitermachen, bis er umfällt. Frisch gegen das Corona-Virus geimpft hofft er, im August wieder in England aufzutreten und nächstes Jahr auf Europa-Tour gehen zu können. Sein Plan ist, „dass ich in zehn Jahren auch noch auf der Bühne stehe und ,Sex Bomb‘ singe.“

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