Kultur
30.01.2018

Tom Hanks: Sein erstes Buch

"Schräge Typen" des Hollywood-Stars. Sagen wir so: In seinen Filmen hat man ihn sehr gern.

Tom Hanks, mit dem Film "The Post" am 4. Februar im Oscar-Rennen, hat daheim 150 Schreibmaschinen. (Nach anderen Quellen: 250; nach anderen Quellen: 50)

Er versucht, seine Sammlung zu verringern. Denn so viele, sagt der 61-Jährige, könne er unmöglich in den Sarg mitnehmen. Aber 20 oder 30...

Jedenfalls holt er immer eine mechanische Schreibmaschine, wenn es etwas zu notieren gibt, zum Beispiel, dass er dringend Avocados kaufen muss.

Katastrophe

Seine literarischen Versuche hat er in keine Schreibmaschine getippt: "Nach drei, vier Seiten habe ich aufgehört, es war eine Katastrophe." Hanks meint damit die Technik, WIE er gehämmert hat. Er will nicht sagen, " Schräge Typen" – ab heute in der Übersetzung im Handel – habe sofort katastrophale Züge angenommen.

Und dann ist gleich zu Beginn dieser Kurzgeschichten-Sammlung von einem Ausländer die Rede, der "amerikanisch" werden soll "wie ausgelassener Speck".

Speck ist demnach amerikanisch.

Bisher dachte man eher, er sei – schweinisch.

Platz eins

Die Erzählungen haben kaum Gemeinsamkeiten. Aber immer kommt eine Schreibmaschine vor. Und optimistisch sind sie alle – geschrieben wurden sie allerdings vor der Wahl Trumps, Tom Hanks ist kein Freund des Präsidenten.

Hier eine Mondreise, nachher wird Obstsalat gegessen. Dort ein Afrikaner, der nicht Bowling spielen will, aber er kann’s ...

Gut möglich, dass diese "schrägen Typen" keinen Verleger gefunden hätten, wären sie von irgendeinem Kevin Smith beschrieben worden. Mit Tom Hanks auf dem Umschlag schafften sie es auf Platz eins in der Bücher-Hitparade der New York Times.

Interessantere Kuh

Der Autor, laut Meryl Streep der netteste Kerl in ganz Hollywood, bemüht sich zweifellos um Stil und spart mit unnötigen Wörtern. Das Problem ist, die Geschichten interessieren wenig. Das Problem ist, sie klingen noch dazu ziemlich klischeehaft ...

Also amerikanisch.

Beziehungsweise wie der ausgelassene Speck sozusagen.

Tom Hanks' ebenfalls schreibender Schauspielerkollege David Duchovny (" Akte X") hat immerhin eine Kuh nach Indien auswandern lassen, damit sie der Schlachtung entgeht ("Heilige Kuh", 2015)

Und zuletzt, im Roman "Ein Papagei in Brooklyn" (2017), ließ der New Yorker einen Sohn seinem sterbenskranken Vater vorgaukeln, dass dessen liebste, aber immer glücklose Baseball-Mannschaft jedes Spiel gewinnt. Bis zum Tod. DAS war gut.

Tom Hanks:
Schräge Typen“
Übersetzt von Werner Löcher-Lawrence.
Piper Verlag.
347 Seiten.
22,70 Euro.

KURIER-Wertung: ***