Kultur
25.03.2012

"Tod auf der Donau" und andere neue Krimis

Michal Hvoreckys Roman über die Kreuzfahrt amerikanischer Touristen hat viel zu bieten. Bösartiges, Heiteres, Mysteriöses, Wissenswertes.

Was geht denn da unter auf der Donau – nach 22 Reisetagen, knapp vor dem Delta, am Ende der Welt? „Das amerikanische Kapital geht unter. Und die europäische Zukunft. Und der ganze ehemalige Osten“, lacht Michael Stavarič. Der in Wien lebende gebürtige Tscheche hat „Tod auf der Donau aus dem Slowakischen übersetzt.
Man kann den Roman als Parodie auf Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ lesen. Donau statt Kongo. Schiff statt Dschungel. Aber Ausbeutung und Verrohung und Bösartigkeit hier wie da.
In „Tod auf der Donau“ kommt halt u. a. hinzu, dass eine amerikanische Touristin fragt: „Was kann man in Mauthausen besichtigen – ist es dort schön?“ Oder eine andere: „Wo lebt dieser Mozart?“ Antwort Reiseleiter: „Er ist vor drei Wochen gestorben.“

Hummer

Der 35-jährige Schriftsteller Michal Hvorecky aus Bratislava war selbst früher Reiseleiter auf einem Schiff. Jetzt fährt er mit uns 3000 Kilometer auf der Donau von Regensburg bis (fast) zum Schwarzen Meer.Mit an Bord sind auch 120 reiche Amerikaner. Durchschnittsalter: 73. Durchschnittsgewicht: 130 kg (Männer), 120 kg (Frauen).

Im Luxusschiff „MS America“, das Geschäftsleuten aus Chicago gehört, gibt es schon zum Frühstück Hummer, und in den Kajüten kann man 90 TV-Programme aus den USA empfangen.
Leichen wird es auch viele geben. Bereits während der Fahrt. Eine rumänische Putzfrau ist das erste Opfer. Ein an den Rollstuhl gefesselter Passagier, der eben erst so schön mit der Hand befriedigt wurde, das zweite.

Verbeugung

Das macht dieses Buch angreifbar: Michal Hvorecky wollte so vieles unter einen Hut bringen.
Parabel und Abenteuer, Mystery und Liebe, Reisebeschreibung inkl. Tagesausflüge ... Jung gegen Alt, Amerikaner gegen Europäer ... und eine Verbeugung vor der Donau (und vor dem Italiener Claudio Magris, der dem Fluss 1986 eine 500-Seiten-Biografie gewidmet hat) ist es auch noch geworden. Wundern soll man sich. Lächeln soll man. Lernen kann man was. Mörder jagen geht auch irgendwie.

Hätte sich der Autor entscheiden müssen? Hätte er nicht. Die Mischung ist zwar seltsam, aber unvergleichlich. Vieles von der Reise bleibt hängen, obwohl man nicht, wie die Amerikaner, 8000 Dollar dafür zahlen musste; und man ist daheim in Sicherheit. (Unter uns: Der Kapitän ist ein Säufer.)


KURIER-Wertung: **** von *****