Tiroler Filmwirtschaft übt Kritik an Bundes-Filmförderungskürzungen

Leaders of Austrian ruling coalition hold press conference
Die Tiroler Filmbranche sieht sich durch Einsparungen bei Bundesförderprogrammen "zurückgeworfen".

Die Tiroler Filmwirtschaft hat deutliche Kritik an den Einsparungen bei den bundesweiten Filmförderprogrammen ÖFI+ und FISAplus geübt. Die hohen Kürzungen würden die Tiroler Filmbranche, die 2023 und 2024 stark von diesen Förderschienen profitiert hätte, "stark zurückwerfen", hieß es am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck, bei der auch eine Studie zu den wirtschaftlichen Effekten der Filmförderung durch die Cine Tirol präsentiert wurde.

Einige größere Tiroler Produktionen wären beispielsweise ohne "ÖFI+" schlicht "nicht umsetzbar gewesen", sagte Bernhard Holzhammer, Fachvertreter des Bereichs Film- und Musikwirtschaft in der Tiroler Wirtschaftskammer. Man hoffe daher darauf, dass sich die "Fördersituation bald wieder entspannt", strich der Fachvertreter heraus.

Auch auf die bundesweite Umsetzung einer "Investment Obligation" hoffe man, betonte Holzhammer weiters. Eine solche würde, wenn sie in einem österreichischen Bundesgesetz verankert wäre, internationale Streaming-Unternehmen dazu verpflichten, einen verpflichtenden Beitrag zur österreichischen Filmlandschaft zu leisten. Grundlage dafür bietet die EU-Richtlinie für audiovisuelle Mediendienste (AVMD), die es Mitgliedstaaten erlaubt, Streamingdienste zu Investitionen in europäischen Produktionen zu verpflichten.

Weniger Geld

Für das im Kulturministerium von Andreas Babler angesiedelte Filmfördersystem ÖFI+ waren zuletzt 37,5 Mio. Euro budgetiert, wobei die Fördermittel bereits 2025 zu Jahresbeginn ausgeschöpft waren. Somit war es zu einem Auszahlungsstopp gekommen. Ab 2026 wird die ÖFI+-Förderung nur noch mit 15,5 Mio. Euro budgetiert. Zudem stehen für die Filmförderschiene FISAplus des Wirtschaftsministeriums für das Jahr 2026 lediglich 55 Millionen zur Verfügung, während für dieses neu auf die Beine gestellte Programm im Herbst 2025 80 Millionen Euro budgetiert worden waren.

"Schaden" durch Fördereinsparungen

Bereits jetzt sei "ein Schaden angerichtet", meinte Michael Paul, Autor der von der Wirtschaftskammer bezüglich der Tiroler Filmförderung in Auftrag gegebenen Studie. Denn: "Es gibt bei internationalen Produzenten durch die Einsparungen bei den Filmförderungen das Bild, dass man sich auf das österreichische Fördersystem nicht verlassen kann." Somit sei es denkbar, dass solche Produktionen sich deshalb dafür entscheiden könnten, "nicht mehr nach Tirol zu kommen", erklärte Paul. Jedenfalls würden sich die Kürzungen auch auf die Gesamtzahl der Filmprojekte in Tirol auswirken, was sich ab Mitte bis Ende 2026 klar zeigen werde, macht Paul deutlich.

Wertschöpfung durch Tiroler Filmförderschiene Cine Tirol

Die Kürzungen seien auch deshalb unvernünftig, weil Filmförderungen eben direkte Auswirkungen auf "die Wertschöpfung im Land" haben, führte Paul aus. Das zeige sich auch in der erwähnten Studie, die die Wertschöpfung in den Jahren 2021 bis 2024 aufgrund von 46, von der Cine Tirol geförderten Produktionen errechnete. Die zur "Tirol Werbung" gehörende Cine Tirol hatte in den Jahren 2021 bis 2024 3,2 Millionen Euro in diese Produktionen investiert.

"Jeder Fördereuro kommt fast dreifach wieder als Wertschöpfung zurück", zog Paul ein Fazit. Die gesamte Bruttowertschöpfung im betrachteten Zeitraum liege somit bei 9,6 Millionen Euro, betonte der Studienautor. Dabei sei sowohl die "direkte Bruttowertschöpfung" als auch die "indirekte Bruttowertschöpfung" berücksichtigt worden, führt er aus. Unter "direkt" verstehe man etwa, was im Rahmen der Produktionen "in Tirol an Geld ausgegeben wird". Als "indirekt" den Wert, der generiert wird, sobald "Tirol im Film und im Fernsehen gesehen wird."

Patricio Hetfleisch, Marketingleiter der Tirol Werbung, sah die Arbeit der Cine Tirol durch diese Zahlen bestätigt. "Wir haben in den Jahren 2021 bis 2024 17 Prozent der Tiroler Filmprojekte gefördert, aber 60 Prozent der Bruttowertschöpfung verursacht", zitierte Hetfleisch aus der frisch vorgelegten Studie. Das belege, dass man "höchst effizient" und zielgerichtet arbeite sowie "die großen Fische an Land ziehe."

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