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Kultur
05/28/2019

Thorsteinn Einarsson: „Exzess war wichtiger als Freunde“

Der 23-Jährige spricht im KURIER-Interview über sein Hilferuf-Tattoo und das Familien-Geheimnis hinter seinem Hit „Leya“.

Zehn Millionen Streams seiner Songs, Platz sechs der österreichischen Album-Charts und den Amadeus als „Songwriter des Jahres“ für den Hit „Leya“: So startete Thorsteinn Einarsson 2015 seine Musikkarriere. Damals war er 18 Jahre alt.

Erst jetzt, nachdem er die Veröffentlichung dreimal verschoben hat, ist das zweite Album „IngI“ (benannt nach seinem zweiten Vornamen) erschienen. Im Interview mit dem KURIER erzählt er, warum er drei Jahre lang „absolut nicht bereit“ für dieses Comeback gewesen wäre.

KURIER: Was war an der Produktion von „IngI“ so schwierig?

Thorsteinn Einarsson: Ich wusste, dass ich ein Album machen will, das vielfältiger ist, Rock, Pop und Balladen hat, auch textlich noch ehrlicher ist. Deshalb habe ich für jeden Stil fünf bis sieben Songs geschrieben. Bis ich wusste: Genau der ist es! Und dann hatte ich auch privat so viele Ups and Downs. Ich war beim ersten Album so jung. Das ist alles so schnell gegangen, „Leya“ hat funktioniert, dann bekam ich den Amadeus. Das habe ich ausgekostet und exzessiv gelebt.

In Bezug auf die Mädchen, die Ihnen zu Füßen gelegen sind?

Unter anderem …

Das Andere meint Alkohol?

Ja, viel zu viel davon. Ich hatte keinen Zusammenbruch. Aber ich habe halt meinen Spaß gehabt und dann gemerkt, dass ich es nicht vertrage, so viel zu arbeiten und dauernd Party zu machen. Denn irgend wann war ich davon total erschöpft. Ich musste mich auch erst als erwachsener Mann finden. Als ich begann, war ich ein Kind. Aber um zu entscheiden, welche Musik ich jetzt machen will, musste ich erst wissen, wer ich mit 23 Jahren bin.

Wie würden Sie sich als erwachsenen Mann beschreiben?

Ehrlich. Exzessiv in dem Sinn, dass ich, wenn ich ein Album mache, drei Jahre daran arbeite, damit es ein Mega-Album wird. Und wenn ich fortgehe, dann richtig. Dann komm ich erst um zehn Uhr Vormittag heim. Und das Wichtigste sind mir meine Familie, meine Freunde, die Musik und meine Beziehung. Denn da bin ich jetzt auch endlich glücklich.

War es schwierig, jemanden zu finden, der sich für die Person und nicht den Star interessiert?

Ja voll, deshalb war ich ja so lange Single. Ich dachte, toll, mit der könnte mehr daraus werden. Und dann war es halt doch nur für eine Nacht. Die wollte halt nur sagen, ich habe mit Thorsteinn geschlafen. Aber gut, ich hatte dabei ja auch meinen Spaß.

Sie sagten vorhin, dass Sie keinen Zusammenbruch hatten. Der Song „Devil On My Shoulder“ deutet aber zumindest auf eine arge Krise hin …

Das stimmt, den habe ich am absoluten Tiefpunkt geschrieben. Da war mir Exzess wichtiger als Freunde und die Musik. Kurz bevor ich das Lied geschrieben habe, war ich in Thailand. Dort war ich permanent betrunken. Und dann ist auch noch der Freund, mit dem ich dahin bin, nach drei Tagen heimgeflogen, weil er seine Freundin vermisst hat. Ich hatte noch dazu eine Lebensmittelvergiftung. Und der hat mich echt dort krank alleine zurück gelassen! Da habe ich mir völlig besoffen das Tattoo „Lights will guide you home“ nach dem Song „Fix You“ von Coldplay stechen lassen, um mich daran zu erinnern, dass ich heimkommen werde.

„Galaxy“ spielt auch darauf an.

Das ist der Hilferuf nach dem Tiefpunkt von „Devil On My Shoulder“. Ich verwende im Text die Zeile „Hitchhiking through the Galaxy“ und kenne das Buch „Hitchhiker’s Guide To The Galaxy“, aber mein Song hat damit nichts zu tun. Für mich steht das für: Ich fühle mich, als würde ich wie im Traum durch die Galaxie ziehen und weiß nicht, wo ich hin soll.

Woher kam die Hilfe?

Von Freunden, meiner Familie und meinem Team, das total geduldig war. Und ich bin ihnen wirklich so dankbar dafür. Denn jetzt hätte ich keine Lust mehr, dauernd so beschissen drauf zu sein.

Woher kommt der Song „Blood Brother“? Haben Sie denn einen Bruder?

Ja, in Island. Meine Mutter hat nach der Trennung von meinem Vater noch ein Kind bekommen. Und er ist das abschreckende Beispiel dafür, wie es die Leute in seinem Umfeld berührt, wenn man auf Drogen ist. Auch „Leya“ und „Kryptonite“ basieren eigentlich auf seiner Story, das habe ich damals aber absichtlich verschwiegen. „Bloodbrother“ ist jetzt der letze Teil der Trilogie, da rechne ich mit all dem ab.