© Kurier/Gerhard Deutsch

Porträt
06/20/2021

Thomas Stipsits mag Roy Black lieber als Hip-Hop

Stipsits wird als „Geschichtenerzähler der neuen Generation“ mit dem renommierten „Salzburger Stier“ ausgezeichnet

von Werner Rosenberger

Der „Salzburger Stier“ ist quasi der Oscar für das deutschsprachige Kabarett. Thomas Stipsits erhält die Auszeichnung für Österreich am 26. Juni im „Tollhaus“ in Karlsruhe (neben dem deutschen Stand-Up-Künstler Moritz Neumeier und der Schweizer Slam-Poetin Lara Stoll).

Stipsits ist „ein Geschichtenerzähler der neuen Generation: Er entwickelt sehr komplex konstruierte Handlungsabläufe, die von persönlichen Erfahrungen geprägt sind und gleichzeitig der Tradition des ,Schmähführens’ eine zeitgemäße Dimension verleihen“, urteilte die Jury.

Die Charaktere in seinen Programmen würden „gleichsam das Sittenbild des österreichischen Mikrokosmos widerspiegeln. Scheinbar harmlose Zeitgenossen, deren emotionale Basisausstattung auf naive Weise Charme, Niedertracht und Unbedarftheit vereint.“

Das verstehe er „mit viel Witz und Geschick auf der Bühne umzusetzen“.

Privat auch unlustig

„Der Preis war für mich eine Riesenüberraschung. Als der Anruf kam, war ich gerade in Klagenfurt und habe so gejubelt, dass sich ein paar Leute nach mir umgedreht haben“, sagt der Kabarettist im KURIER-Gespräch.

„Ich dachte immer, vielleicht bekomme ich einen ,Ehrenstier’ mit 70. Aber dass es jetzt passiert, macht mich glücklich und auch ein bisschen stolz.“

Der Sympathler der Nation mit dem Spitzbubencharme sei irgendwie genetisch bedingt lustig, meinte ein Fan. Der könne gar nicht anders. Obwohl: Er könne privat schon auch unlustig sein, bekennt der 37-jährige Steirer aus Leoben mit familiären Wurzeln im burgenländischen Stinatz.

Mit Schmäh, Charme und Gitarre hat er die heimische Kabarettszene im Sturm erobert und überhaupt gerade eine Glückssträhne mit Erfolgen an allen Fronten:

Auf der Live-Bühne und demnächst wieder auf Tour mit seinem aktuellen Solo-Programm „Stinatzer Delikatessen“.

Tollpatschiger Callboy

Bei seinem Sohn Emil, 7, liege er im Beliebtheitsranking zwar hinter Checker Tobi in der TV-Kinderwissenschaftssendung, sagt Stipsits, „aber er weiß schon, dass sein Papa, den er noch cool findet, die Leute zum Lachen bringt.“

In der Filmkomödie „Love Machine“ (2019) mutierte der Schauspieler, bekannt u. a. aus der Blödel-Quizsendung „Was gibt es Neues?“, dem ORF-„Tatort“, der Serie „Vorstadtweiber“ und dem Kinofilm „Baumschlager“ (2017), vom Gitarristen und Sänger aus Geldnot zum tollpatschigen Callboy und wurde bei der KURIER-ROMY- Gala 2019 als „beliebtester Schauspieler“ gefeiert.

Vor ein paar Tagen war Drehstart für die Fortsetzung: „Love Machine 2“ (Regie: Andreas Schmied) mit Frauenliebling Stipsits soll Anfang 2022 ins Kino kommen.

Schließlich haben sich die beiden Stipsits-Landkrimis „Kopftuchmafia“ und „Uhudler Verschwörung“ bisher 150.000 Mal verkauft.

Brauchtum Eierkratzen

Ein dritter Krimi mit dem Titel „Eierkratz-Komplott“ und garantiert so viel Lokalkolorit wie bei den Vorgängern wird im Herbst auch im Ueberreuter-Verlag erscheinen. „Denn es gibt in Stinatz das alte Brauchtum des Ostereier-Kratzens“, sagt Stipsits. „Meine Oma hat das bis vor einem Jahr mit großer Leidenschaft betrieben. Da werden mit einem Rasiermesser Muster in gefärbte Ostereier gekratzt.“

Und sollte der ORF die Bücher tatsächlich eventuell ab Sommer 2022 verfilmen wie geplant, dann möchte Stipsits seinen Käsepappeltee trinkenden Inspektor Sifkovits, inspiriert von der Austropop-Legende Schiffkowitz der Gruppe STS, „unbedingt selber spielen. Weil ich diese Figur schon ewig lange im Kopf habe. Und ich hoffe, dass sich die Schrulligkeit und der Charme der Bücher auch auf den TV-Bildschirm übertragen lassen.“

Roland Kaiser statt Rap

Mit Humor-Input war er zuletzt auch beim Video zu „Jo Na Eh“, dem Song von „Starmania“-Jurorin Ina Regen, dabei. Als Parodist von Andreas Gabalier, Grönemeyer oder Zucchero spielt Stipsits auch sein großes musikalisches Talent aus.

Was kann er gar nicht hören? Was treibt ihn in die Flucht? „HipHop, Rap und so G’schichten. Das erwischt mich gar nicht – Bushido. Da sind mir Roland Kaiser und Roy Black lieber.“

Und für seine Kids – Emil und Lieselotte, 4 – hat er eine eigene Kinder-Playlist: Für die Kleine ist „Aramsamsam, Gulli Gulli ram sam sam“ ein Hit. Und Stephan Remmlers „Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei“ oder „Keine Sterne in Athen“ ein Riesenspaß.

Gehörgängig beim Nachwuchs sind auch viele Lieder der EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung). „Und Emil hat vor einem dreiviertel Jahr AC/DC für sich entdeckt“, sagt Stipsits. „Irgendwie taugt mir das auch: ,Highway to Hell’ und ,Shot in the Dark’. Da sagt der Emil dann immer: Papa, Schuss im Dunkeln, bitte!“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.