Kultur
08.09.2018

Thomas Raab: Neuer Schwung mit der alten Frau Huber

Der Metzger macht Pause: Eine neue Serie startet, und Roy Black singt vom Stachelschwein.

Der Metzger wird nicht sterben, „der hat mich ja quasi geboren – als der, der ich jetzt sein kann. Den Metzger umzubringen, das wär’ Selbstmord!“
Aber Pause macht er.
Im Band drei, „Der Metzger geht fremd“, tauchte eine grantige Alte auf, und die hat sich ins Herz von Thomas Raab gefressen.
Weshalb jetzt zum ersten Mal diese Frau Huber ermittelt. 70 ist sie und glücklich, weil ihr Mann nach 50 Ehejahren endlich gestorben ist. Dass er angeblich im Puff umkam, ist ihr egal. Hauptsache, eine Ruh’ ist.
Und dann, beim Begräbnis, liegt nicht er im Sarg, sondern – der Bestatter.
Wo ist Walter?
Ein Wolf mit abgeschnittenem Schwanz kommt ins Dorf. Er hat Walters roten Stützstrumpf im Maul. Manchmal geht der Wolf auch mit Walters Beinprothese im  Wald spazieren.

Im Netz

Möbelrestaurator Metzger ist ein Wiener. Ein Städter. Thomas Raab drängte es mit der Huberin ins Ländliche. Ins Kirchliche, Bürgermeisterliche, Leichenschmausige.
Klar müsste man den ehemaligen AHS-Lehrer jetzt fragen, ob’s ihm noch gut geht. Denn die Krimilandschaft ist auch ohne Huberin riesengroß und großteils öd.
Aber erstens geht es ihm merklich gut, Raab hatte beim Schreiben Spaß, jede Zeile grinst vor sich hin, überall angenehme Aufgedrehtheit, frage nicht!
Und zweitens bringt die neue Serie etwas frischen Schwung, den  andere  pensionsreife Helden wie der übergewichtige bayrische Kommissar Kluftinger zusehends   vermissen lassen.
Es gibt bei Raab immerhin ein Auto, das im Hagelnetz eines Apfelbauern landet, auch den Geruch von Gummibären gibt es, und es gibt Prostituierte, die in der Konditorei Deutsch lernen ...
Alles in allem ist der erste Fall der Huberin, also „Walter muss weg“,  ein positiv gestimmtes Buch. Trotz grantig und so. Folgerichtig wird im Buch Roy Black gesungen: „Schön ist es auf der Welt zu sein, sagt der Igel zu dem Stachelschwein ...“

 

Thomas Raab: „Walter
muss weg“
Verlag Kiepenheuer & Witsch.
384 Seiten.
20,60 Euro.

KURIER-Wertung: ****