Theater Scala: Ein schwer durchschaubarer Großstadtdschungel
Wien war Schauplatz großer Brecht-Erfolge, ebenso wie eines antikommunistischen Boykotts. Bis auf das Theater Neue Scala spielte lange Zeit kein Theater Wiens Brecht. Die alte „Scala“ gibt es nicht mehr. Heute betreibt Bruno Max sein nach dem berühmten Vorgänger benanntes Theater und zeigt dort zum zweiten Mal in der Geschichte des Hauses Brecht. Ein Brecht, der noch weit weg ist von späteren Dogmen und, insbesondere in dieser Inszenierung, vom epischen Theater, in dem Schauspieler tendenziell distanziert agieren.
„Im Dickicht der Städte“ schrieb er mit 23. Fasziniert von Wolkenkratzer-Amerika, beschreibt er die rätselhafte Rivalität zweier Männer im Großstadtdschungel Chicagos. Von einem „unerklärlichen Ringkampf “ ist die Rede, über dessen Motive man sich nicht den Kopf zerbrechen möge. Ein sachdienlicher Hinweis. Denn warum hier ein Buchhalter und ein Holzhändler streiten, wird auch nach 2 Stunden und 15 Minuten nicht klar. Nur so viel: Die Schwester des Ersteren verliebt sich in Zweiteren, zerbricht daran, wird Prostituierte. Ebenso wie die Frau des Buchhalters, die eine Liaison mit einem mutmaßlichen Mafioso hat. Ach ja, das Ganze hat, apropos Chicago, irgendwas mit Mafia zu tun. Was man auch an den Kostümen sieht: Anna Pollack steckt die Herren in prototypischen Nadelstreif.
Vordergründig? Man ist froh, dass zumindest die Kostüme Verortung geben. Desgleichen das solide Bühnenbild von Robert Notsch: Man weiß, wo man sich befindet. Die gesamte Inszenierung (Bruno Max) bemüht sich um Einordnung, auch das tapfere Ensemble tut sein bestes, um dieses Dickicht zu entholzen. Thomas Marchard überzeugt als George Garga, der eine erstaunliche Entwicklung durchmacht: Am Anfang Opfer, am Ende so mies wie alle anderen. Zu Herzen geht Eva-Christina Binder als seine Frau Jane. Offensichtlich verwirrt vom eigenen Dasein oder vielleicht von der Existenz an sich, sucht sie Trost an der Bar.