TEFAF: Die Messe für Meister

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Foto: Harry Heuts Ein eingelegtes Schaf von Damien Hirst neben altmeisterlichen Skulpturen: Der Stand von Tomasso Brothers Fine Art auf der TEFAF

In Maastricht fällt der Startschuss für die Kunstmessen-Saison: Bis 23. März ist dort hochwertigste Kunst um Millionen zu erstehen.

Die TEFAF in Maastricht ist traditionell die erste Veranstaltung in der Saison der Mega-Kunstmessen, und gern wird dabei von den Superreichen, die in ihren Privatjets anreisen, und den millionenschweren Kunstwerken berichtet. Dabei ist die TEFAF stets auch eines: Ein Schaukasten für Kunst, die man sonst oft nur in Museen zu sehen bekommt. Und nach solcher besteht in einer gewissen Klientel immer Nachfrage - egal, ob am Markt gerade Hype oder Flaute herrscht und Kunst als Investment für Superreiche angesagt oder out ist.

Meisterwerke

Dickinson132014T102533.jpg Foto: Dickinson Galerien, die den Auswahlprozess in die elitäre Veranstaltung durchlaufen haben, behalten sich ihre beste Ware für die Messe auf: Alte Meister, Antiquitäten, aber auch Moderne und Zeitgenössische Kunst sind im Angebot zu finden. Als ein Highlight gilt heuer das Van Gogh-Gemälde "Moulin de la Galette" von 1887, das einst jenem Milliardär gehörte,  der "James-Bond"-Autor Ian Fleming zu seinem Schurken "Goldfinger" inspiriert haben soll. Das Werk wird auf 10 Millionen Euro geschätzt - im Vergleich zu manchen Spitzenpreisen, die für Van Gogh bei Auktionen gezahlt werden, mutet dies fast "moderat" an. 

Doch die Preisgestaltung bei Messen folgt anderen Regeln: Hitzige Bietergefechte spielen hier keine Rolle, und die Händler müssen genau wissen, welchen Preis ihre Klientel zu zahlen bereit ist. Manchmal liegt dieser Preis auch deutlich über jenem bei Auktionen: So bot der Londoner Händler Jonny Van Haeften das Bild "Der Mensch zwischen Tugend und Laster" von Frans Francken II (1635), das er 2010 um den Rekordpreis von 7,022.300 Euro im Wiener Dorotheum ersteigert hatte, 2011 um 14 Millionen US-Dollar bei der TEFAF an. Ein Jahr später verkaufte er das Bild um 12 Millionen US-Dollar an das Bostoner Museum of Fine Arts.

Auch heuer ist mit Hans Makarts "Kleopatra" ein Rekordbild aus dem Dorotheum im TEFAF-Angebot. Dort war es im April 2013 um 757.300 Euro versteigert worden.

Von Wien an die Upper East Side und weiter nach Maastricht: Der US- Händler French & Company bietet das Gemälde "Der Tod der Kleopatra" von Hans Makart (1875) auf der Messe an. Der Händler hatte das Bild im April 2013 um 757.300 Euro im Wiener Dorotheum ersteigert - damals ein Weltrekordpreis für Makart. Der Münchner Kunsthandel Daxer & Marschall bietet ein Nachtbild von Ferdinand Georg Waldmüller an: "Stallbursche mit Laterne" (1825) soll laut Angaben der Händler ein wiederentdecktes Selbstporträt des Biedermeier-Malers sein.
  Unter Sammlern der Malerei des 19. Jahrhundert steht auch Eugen von Blaas, Spross einer österreichischen Malerdynastie, hoch im Kurs. Die Londoner MacConnal-Mason Gallery bietet auf der TEFAF das Bild "Der Liebesbrief" (1897) an. Im Programm der Weiss Gallery: Lucas Cranach der Jüngere (1515-1586), Lucretia, ca. 1537-1540. Die Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste Wien hält übrigens eine Version des Motiv von Cranach dem Älteren. 

  Wiens High-End-Kunsthandel ist bei der TEFAF ebenfalls vertreten: Wienerroither & Kohlbacher haben u.a. die Zeichnung "Mädchen mit Hut" von Egon Schiele (191), einst im Besitz der Sammler Rudolf Leopold und Serge Sabarsky, im Programm.



Provenance:
Estate of Egon Schiele. - Melanie Schiele-Schuster, Vienna. - Rudolf Leopold, Vienna. - Serge Sabarsky, New York. - Estate of Serge Sabarsky.

  Der Wiener Fotogalerist Johannes Faber zeigt Moderne Foto-Klassiker: Germaine Krull (1897-1985), Tanzstudie mit Maske V aus der Serie "Spuk", Berlin, 1923

  Ebenfalls bei Johannes Faber: Man Ray, Meret Oppenheim, 1933. Die Wiener Galerie Bel Etage versucht ihr Glück mit Jugendstil-Preziosen: Koloman Moser, Wohnzimmerschrank, 1901. Der Londoner Altmeisterhändler Johnny van Haeften zeigt ein Winterbild von Joos de Momper dem Jüngeren (1564-1635) und Jan Brueghel dem Älteren (1568-162). Ein ähnliches Sujet der beiden Meister aus der Gemäldegalerie Kassel hing 2012 in der Ausstellung "Wintermärchen" im Wiener KHM. Die Galerie Dickinson (London/New York) hat
Vincent van Goghs "Moulin  de  la  Galette" im Programm. kolportierter Preis: 10 Millionen Euro. Dickinson bietet aber auch Kurioseres an: Ein paar holländischer Holzpantoffel, gestaltet von Van Goghs Freund Paul Gauguin (1890).
  Impressionismus und Artverwandtes steht auch auf der TEFAF hoch im Kurs: Hier eine Strandszene (1888) von Eugene Boudin (1824-1898), dem Lehrmeister Claude Monets, bei Daphne Alazraki. Auch Papierarbeiten sind bei der Messe zu haben: Etwa eine Serie der Radierungen "Carceri D'Invenzione" von Giovanni Battista Piranesi, 1765-1773.

 
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