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Gespräch
02/19/2021

Tash Sultana hat im Lockdown ihr Glück gefunden

Die Ausnahmemusikerin spricht im KURIER über Burn-out, ihren Rückzugsort und ihr neues Album "Terra Firma"

von Brigitte Schokarth

„Ich war nur mehr eine Hülle von Mensch, einfach total leer, als ich von der Tour nach Hause kam. Für mich war der Lockdown deshalb eine wunderbare Zeit, in der ich mich selbst wieder in Ordnung bringen konnte.“

2016 wurde die australische Ausnahmemusikerin Tash Sultana mit dem Song „Jungle“ berühmt. Danach war sie mit ihrer Soundcollage aus Reggae, Rock und Soul und einer explosiven Bühnenshow, die sie (ähnlich wie Ed Sheeran) mit einer Loop-Station solo bestritt, rund um die Welt auf Tournee. Das Resultat: Die heute 25-Jährige war vor dem Ausbruch der Pandemie dem Burn-out nahe.

„Ich gebe auf der Bühne alles, was ich habe“, erklärt Sultana im KURIER-Interview. „Zusätzlich bemühe ich mich auf Tour, immer nett zu sein und jedem zu geben, was er braucht. Da bleibt für einen selbst nichts über. Im Lockdown konnte ich viel Zeit mit meiner Familie verbringen, bin mit dem Hund zum Strand gefahren, war surfen und habe im Garten Gemüse gezüchtet. Und ich habe überflüssiges Gepäck abgelegt – Dinge, von denen ich dachte, dass ich sie brauche, Leute die mich ausnützen wollten, weil ich erfolgreich geworden bin.“

Diese zufriedene Stimmung ist in Sultanas heute erscheinendem Album „Terra Firma“ deutlich zu spüren. Die Songs sind verträumter und stilistisch noch breiter, als man Sultana vom Debüt und den Auftritten im Juli 2019 in Wien kennt. Das, sagt sie, liege sicher an diesem Zustand: „Die Songs sind ein Abbild meiner Welt mit 25 Jahren, erzählen, wie ich dahin gekommen bin.“

Ein Hilfsmittel auf dem Weg zum Glück war die Liebe zur Natur. Mit ihrer Verlobten Jaimie ist Sultana, die sich als nicht-binär bezeichnet, weil sie im Körper einer Frau geboren wurde, sich aber schon als Kind als Bub gefühlt hat, auf eine riesige Farm in Victoria gezogen. Dort hat sie im Wald hinter dem Haus Naturgeräusche aufgenommen und unter anderem in den Song „Beyond The Pine“ eingebaut. „In dem Lied geht es darum, wie man eine Liebe, die keine Grenzen kennt, mit seinem Partner mittels der Natur erforschen kann.“

Während sich die Multiinstrumentalistin in Songs wie „Greed“ und „Sweet And Dandy“ mit dem Druck beschäftigt, den ihr der plötzliche Ruhm gebracht hat, blickt sie in „Blame It On Society“ auf die Zeit zurück, als sie ihr Vater jeden Abend zu einem Auftritt fuhr.

„Ich hab von meinem Opa eine Plastikgitarre bekommen, als ich Drei war. Von da an habe ich immer gefragt: ,Wann kriege ich eine echte?’. Ich habe die Centstücke in meiner Sparbüchse gezählt, vielleicht sieben Dollar, und gefragt, ob das genug ist, um eine zu kaufen. An meinem achten Geburtstag hat mir mein Vater dann eine E-Gitarre und einen Verstärker geschenkt. Von da an gingen wir zu jedem Geburtstag in die Musikalienhandlung, und ich durfte mir etwas aussuchen. Er hat diesen Funken in mir erkannt und alles dafür getan, dass sich mein Traum, Musikerin zu werden, erfüllen kann.“

Auf die Zeit, als sie als Teenager süchtig wurde und erst mit 17 nach einer drogenbedingten Psychose davon loskam, blickt sie in „Coma“ zurück. „Wenn man ständig zugedröhnt ist, beraubt man sich seiner Sinne und trifft schlechte Entscheidungen. Ein Grund, warum ich das Leben jetzt in vollen Zügen genieße, ist, dass ich sehr gesund lebe und immer nüchtern bin. Ich habe keinen Hangover mehr, wenn ich aufwache. Ich starte voll Energie in den Tag, weil ich Herr meiner Sinne bin, weiß was ich tue und erkenne, was andere um mich herum tun. Ich fühle mich – ja, man kann sagen – unzerstörbar.“

Sollte die Pandemie es erlauben, wird Tash Sultana am 1. 9. in Wien auftreten. Dann will das Energiebündel auch eine Band mitbringen: „Die wird aber nur punktweise auf der Bühne sein. Ich bin schon immer noch ich: Dass ich die Bühne beherrsche, ist einfach in meiner Natur.“

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