Stichwort: Das Murdoch-Medien-Imperium

Bis vor kurzem schien der australische Medienmogul Rupert Murdoch unantastbar zu sein, verfügt er doch über ein Medienreich, in dem die Sonne nicht untergeht.

Die in New York ansässige News Corporation des Medienmoguls Rupert Murdoch (80) zählt zu den größten Medienkonzernen der Welt. Man könnte in Anlehnung an die Habsburger-Monarchie auch sagen, er verfügt über ein Medienreich, in dem die Sonne nicht untergeht. ...

Zum Durchklicken. Denn die News Corp. ist in Großbritannien, Italien, Deutschland, Australien und asiatischen Ländern aktiv, ... ... vor allem aber in den USA. 

Bild: Murdoch - in der englischsprachigen Welt omnipräsent In Deutschland kontrolliert Murdoch den in einer Dauerkrise steckenden Bezahlsender Sky Deutschland (ehemals Premiere). In den USA machte das Imperium des Australiers Murdoch im vergangenen Jahr 17,3 Milliarden US-Dollar (12,22 Mrd. Euro) Umsatz. Weltweit waren es 32,8 Milliarden US-Dollar. Murdoch gehört in den USA der Free-TV-Verbund Fox Broadcasting mit 27 angeschlossenen Sendern. Zu den erfolgreichsten Eigenproduktionen zählen etwa die "Simpsons" und die Echtzeit-Serie "24" mit Kiefer Sutherland (Bild). Weiters besitzt Murdoch Kabelfernsehunternehmen wie den Nachrichtenkanal Fox News und FX Network. Der Sender Fox News erreichte mit seinem rechtsgerichtet-patriotischem Programm 2010 eine Reichweite von 98 Millionen Haushalten. Zu den ultrakonservativen "Stars" des Networks zählt Moderator Bill O'Reilly. Besonders "The O’Reilly Factor" polarisierte durch den selbstgefälligen Interviewstil, mit dem der Moderator seine Gäste gerne in eine ideologische Ecke drängt oder einfach mit einem "Shut up" mundtot macht. Mittlerweile leidet die Sendung aber unter einem überalterten Publikum. Als Nachfolger bei Fox News drängt sich Sean Hannity auf, der in seiner quotenträchtigen Sendung indirekt den Koran mit Hitlers "Mein Kampf" verglich. Seit 2007 ist die angesehene Wirtschaftszeitung Wall Street Journal in Murdochs Besitz, die mit 2,1 Millionen Exemplaren als auflagenstärkstes US-Blatt gilt. Murdochs Boulevardzeitung New York Post (Auflage: 523.000) schrieb in den zurückliegenden Jahren Verluste. Die App von Murdochs neuer iPad-Zeitung The Daily wurde mehr als 800.000 mal heruntergeladen. Die digitale Tageszeitung ist aber noch nicht profitabel. Die News Corp. kontrolliert seit 1985 das Hollywood-Filmstudio 20th Century Fox und das Video/DVD-Geschäft von Century Fox Home Entertainment. Dem Medien-Imperium gehören auch der Buchverlag HarperCollins und 35 Prozent des Videoportals Hulu.

Bild: Blockbuster wie "Avatar" gehören zum Portfolio der Centfox In Großbritannien besitzt der Medienmogul das auflagenstarke Boulevardblatt Sun sowie The Times und The Sunday Times. Bis Anfang Juli zählte auch die britische Boulevardzeitung News of the World dazu, die Murdoch nach Bekanntwerden des Abhörskandals kurzerhand dicht machte. Am Fernsehkonzern British Sky Broadcasting (BSkyB) hält Murdochs Imperium 39 Prozent. Ein milliardenschweres Gebot für die Komplettübernahme zog der Medienzar am 13. Juli zurück. Auch mit 80 Jahren hatte der mächtige Medienmogul Rupert Murdoch eigentlich noch keine Lust, sich auf das Altenteil zurückzuziehen. Mit cleveren Zukäufen, geschickten Manövern und einer Menge Geschäftssinn hat er in den vergangenen sechs Jahrzehnten sein Imperium News Corporation auf- und immer wieder ausgebaut. Der Konzern sollte eigentlich um den Zukauf der restlichen Anteile des britischen Bezahlsenders BSkyB noch weiter wachsen. Doch angesichts der Enthüllungen in der Abhöraffäre, in die mehrere seiner britischen Blätter verwickelt sein sollen, zog Murdoch noch einmal die Reißleine. Nach der Einstellung der News of the World blies er inmitten der wachsenden Kritik an seinem Imperium auch die BSkyB-Übernahme kurzerhand ab. Murdoch ist Sohn eines angesehenen australischen Journalisten und arbeitete auch selbst als Journalist. Mit dem Tod seines Vaters erbte der gebürtige Melbourner 1952 mit Anfang 20 zwei Zeitungen: The Aidelaide News und die Sunday Mail. Sie waren der Ausgangspunkt für den Aufbau seiner milliardenschweren Mediengruppe. Nach der Eroberung des australischen Zeitungsmarktes begab sich Murdoch 1969 auf Einkaufstour nach Großbritannien. Jahre nach seinem Studium der Volkswirtschaft in Oxford kaufte er dort die News of the World und The Sun. Später griff er nach der renommierten The Times und der Sunday Times. Um auch auf dem Medienmarkt in den USA Fuß fassen zu können, erwarb Murdoch 1985 auch die US-Staatsbürgerschaft. Dort verleibte er seinem Konzern den Fernsehsender Fox News und die angesehene Wirtschaftszeitung Wall Street Journal ein.

Bild: Mit Ehefrau Wendi 2006 am Society-Parkett der Golden Globe Awards in Beverly Hills Murdoch ist in erster Linie Unternehmer. Wo er in den vergangenen Jahrzehnten Gelegenheiten für lohnende Zukäufe sah, war er dabei - aber auch ebenso schnell wieder heraus, wenn sich ein publizistisches Engagement nicht wie gehofft auszahlte. So stieg er nach der Wende in Deutschland mit beim ostdeutschen Boulevardblatt Super ein, ließ das Projekt einer Ost-Alternative zu Bild aber schon 1992 wieder fallen. Ein Jahr später beteiligte er sich am Fernsehsender ProSieben, 1994 auch am Kölner Sender Vox mit zeitweise fast der Hälfte der Anteile, stieß aber seine Anteile später wieder ab. Darüber hinaus gehört ihm fast die Hälfte der Anteile am Bezahlsender Sky Deutschland, der früheren Premiere AG. Kritiker werfen dem 80-Jährigen vor, seine private Meinung zur Meinung seiner Zeitungen und Fernsehsender zu machen. Murdoch ist konservativ bis in die Knochen und macht auch keinen Hehl daraus. Er bewundert Margaret Thatcher und Ronald Reagan, findet Gewerkschaften überflüssig und Steuern nur in geringer Höhe in Ordnung. In Großbritannien zählten seine Zeitungen zu leuchtenden Anhängern von Thatcher und ihrem Nachfolger John Major. Nur bei der britischen Parlamentswahl 1997 sorgte er für eine Überraschung, als er sich für den Labour-Politiker Tony Blair einsetzte. Dem US-Magazin New Yorker zufolge dürfte Blair ihn zwei Jahre zuvor beeindruckt haben, als er für die Teilnahme an einer News-Corp-Konferenz eine Anreise von 14.000 Kilometer auf sich nahm. Eines Tages will Rupert Murdoch sein Imperium an seinen jüngsten Sohn James übergeben, der seit März stellvertretender Geschäftsführer der News Corp ist. Aber noch macht er keine Anstalten, sich zurückzuziehen. "Wer erwartet, dass er in Rente geht, wird sehr enttäuscht sein", sagte der australische Journalist Hugh Lunn anlässlich Murdochs 80. Geburtstag am 11. März. Rupert sei "weit davon entfernt", sich aus dem Geschäft zurückzuziehen. Sohn James war auch beim "Tag der größten Demut" in Murdochs Leben an der Seite seines Vaters, als sich dieser vor dem Medienausschuss im britischen Unterhaus bei den geschätzten 4000 Opfern der Abhöraffäre entschuldigte. Öffentlich gesprochene Worte, die aus dem Mund des mächtigen Medienzaren noch vor wenigen Tagen kaum jemand für möglich gehalten hätte. Die Rasierschaum-Attacke im Rahmen der Anhörung ist mittlerweile Ziel von Parodien und Foto-Montagen. Der so mächtige Murdoch hat auch treue Mitstreiter verloren: Zuerst die britische Verlagschefin Rebekah Brooks. Die "Königin der Boulevardblätter" wurde im Zuge der Ermittlungen zum Abhörskandal festgenommen. ... Die 43-Jährige mit den markanten roten Locken steht im Verdacht, in ihrer Zeit als Chefredakteurin des Boulevardblatts News of the World das Abhören von Mailboxen und die Bestechung von Polizisten wenn nicht in Auftrag gegeben, so doch zumindest gedeckt zu haben. Mitterweile ist Brooks allerdings wieder auf freiem Fuß. Weiters verlor Murdoch Les Hinton, zuletzt unter anderem für das Wall Street Journal zuständig. Besonders dieser Verlust dürfte Murdoch geschmerzt haben. "Les ist mit 15 Jahren ins Unternehmen gekommen und hatte die wenig beneidenswerte Aufgabe, mir zum Mittag Sandwiches zu besorgen", schrieb Murdoch zu Hintons Abschied. Das war bei Murdochs erster Zeitung im australischen Adelaide. Hinton ist heute 67.

Bild: Murdoch mit seinen Vertrauen Les Hinton (links) und Andy Coulson (rechts). Letzterer war bei Beginn der üblen Abhör-Praktiken "News of the World"-Chefredakteur und danach David Camerons Regierungssprecher Wenn es nach so manchem Aktionär geht, sollte auch Murdoch in Pension gehen. Doch wer könnte dem Altmeister folgen? Vielleicht eines seiner Kinder? Der älteste Sohn Lachlan (39) ist vor sechs Jahren Knall auf Fall als aktiver Manager bei der News Corp. ausgeschieden - angeblich im Streit. Sein jüngerer Bruder, der bereits erwähnte James, der bisher als Kronprinz galt, steht als Europachef im Zentrum des Skandals. Am 28. Juli könnte er sogar seinen Posten als Aufsichtsratschef der Senderkette BSkyB verlieren. Bliebe noch Tochter Elisabeth (42), die in britischen Zeitungen schon als Wunschkandidatin ihres Vaters gehandelt wird. Sie hatte ihre eigene Fernsehproduktionsgesellschaft Shine erst vor wenigen Monaten für satte 675 Millionen Dollar an die News Corp. verkauft. Bisher allerdings hat Rupert Murdoch keinerlei Anstalten gemacht, das Feld zu räumen. Einen Rückzug inmitten weiter einprasselnder Kritik in Großbritannien fände der gern so einflussreiche Rupert Murdoch wohl auch nicht angemessen.

Bild: Demonstranten in London mit Masken von Murdoch, Premier David Cameron (links) und Vizepremier Nick Clegg

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(apa,dpa,afp, red. / tem) Erstellt am
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