Kultur
04/11/2019

Stewart Copeland: "Heute darf die verrückteste Musik passieren"

Der Police-Drummer und Filmmusik-Komponist liebt es, dass jeder zuhause Musik machen kann, denn das gibt der Szene Vielfalt.

von Brigitte Schokarth

„Ich weiß nicht, wie ich es angehen würde, wenn ich heute eine Musikkarriere starten müsste!“ Trotzdem ist sich Police-Drummer Stewart Copeland backstage beim 4GameChangers-Festival in der Wiener Marx-Halle sicher: „Auch, wenn es eine schwierige Zeit ist, um als Musiker wahrgenommen zu werden, weil heute jeder auf seinem iPhone Musik machen kann, ich würde es trotzdem tun“, erzählt er im KURIER-Interview. „Wenn du ein echter Musiker bist, kannst du nicht anders.“

Gerade hat das 66-jährige Energiebündel die Eröffnungsrede des letzten Tages des Festivals gehalten und über all die vielen Veränderungen im Musikbusiness referiert, die er in seiner Karriere erlebt hat. Der Tatsache, dass heute jeder Musik machen kann, kann Copeland aber auch sehr viel abgewinnen: „Damals als wir mit Police begannen, kam an die Öffentlichkeit, was Chefs einer Plattenfirma aussuchten. Sie entschieden, was wir hören sollten und durften. Heute kann man alles hören, was Jugendliche in ihren Schlafzimmern am Laptop zusammenbasteln. Das ist großartig für die Kultur und die Musik-Szene. Denn es gibt so eine Vielfalt, so eine große Auswahl und alle Möglichkeiten, dass dass die verrückteste Musik passieren darf und kann.“

Nachdem Police Rock-Klassiker wie „Every Breath You Take“, „Every Little Thing She Does Is Magic“ und „Roxanne“ geschaffen hatten und 1986 aufhörten, hat sich Copeland eine zweite Karriere als Komponist von Opern und Balletten, vor allem aber von Filmmusik geschaffen. Unter mehr als 30 anderen Leinwand-Epen hat er für Francis Ford Coppola „Rumble Fish“ und für Oliver StoneWall Street“ vertont. Eine Tätigkeit, die er ganz anders angehen musste, als die Musik von Police

„Mit der Band kam es nur auf den Instinkt an. Du machst, was aus dir rauskommt. Beim Film ist der Regisseur der Künstler. Als Komponist dienst du ihm und dem Film, da bist du ein Kunsthandwerker. Aber ich fand das faszinierend: Wenn zum Beispiel Oliver Stone zu mir sagt: ,Diese Szene muss wehmütig und nostalgisch sein. Es ist ein gewisses Maß an Freude dabei, aber mit einer unterschwelligen Untergangsstimmung!’ Das ist emotional sehr komplex. Aber erstaunlicherweise gibt es Musik, die genau das ausdrückt. Und die ist für einen Film auch immens wichtig. Denn was immer die Charaktere auf der Leinwand sagen, nur die Musik transportiert, was sie fühlen. Wenn du einen Film anschaust, erzählen dir die Augen, was du denken sollst, und die Musik, was du fühlen sollst.“

Gerade hat Copeland eine kleine Deutschlandtour mit dem Filmorchester Babelsberg beendet. Von Wien aus fliegt er weiter nach New York, um eine Doku darüber zu drehen, was Musik in unserem Leben bedeutet. Immer noch steckt der Vater von sieben Kindern voller Pläne. 

Eine Reunion von Police gehört allerdings nicht dazu: „Sting und ich sind nach wie vor beste Freunde – außer, wenn wir zusammen Musik machen. Dann kracht es immer zwischen uns. Also haben wir uns entschieden, nicht mehr zusammen zu spielen.“

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