Kultur 05.12.2011

Stermann: "Bin hauptberuflich Deutscher"

Interview: In den Bestsellerlisten ist Dirk Stermann mit seinem Roman "6 Österreicher unter den ersten 5" bereits seit Wochen auf Platz 1.

Als Autor trat Dirk Stermann bisher nur mit Kolumnenbüchern ("Eier") und mit satirischen Texten in Erscheinung. Letztere, etwa "Debilenmilch", hat er gemeinsam mit seinem Comedy-Partner Christoph Grissemann geschrieben. Sein neues Buch "6 Österreicher unter den ersten 5" bezeichnet er als "Roman einer Entpiefkenisierung".
Die Einordnung scheint aber noch immer nicht leicht. In manchen Bestsellerlisten wird das Buch unter der Rubrik "Sachbuch" geführt. In der KURIER-Bestsellerliste steht es allerdings unter "Belletristik" und bereits seit acht Wochen auf Platz 1. Über bekannte Fernsehgesichter, die Bücher schreiben, spricht der Komiker auch im KURIER.at-Interview.

Vor 23 Jahren ist der in Duisburg geborene Stermann als eine Art "Numerus-Clausus-Flüchtling" nach Wien gekommen. Vor drei Jahren ist Ullstein dann an ihn herangetreten, ob er nicht ein Buch zur Stadt-Serie des Verlags beisteuern möchte. Daraus ist ein Roman geworden. Insgesamt sieben Wochen habe er daran geschrieben. Die Ruhe dafür fand er seltsamerweise am Toten Meer: "Im Hochsommer hat es dort fünfzig Grad. Dort bist du total in Ruhe gelassen, weil kein Mensch dort ist. Und weil es so heiß ist, freust du dich, in einem kühlen, dunklen Raum zu sein, um zu schreiben. Das ist also eine Win-Win-Situation. Man hat gar keine Ablenkung. Und Arabisches Fernsehen verstehe ich nicht. Es war eine israelisch-jordanische Erinnerungsreise an Zwanzig Jahre Wien. Und das hat ganz gut funktioniert."

Stermann beschreibt die Erlebnisse eines deutschen Studenten in Wien, den Bürokratiedschungel, die Anfänge beim Radio und verschiedene skurrile Typen, Grantler, ausländerfeindliche, furzende Taxler und Lebenskünstler. "Es ist ein Stadtroman. Weniger ein Österreich-Roman als ein Wien-Roman", sagt Stermann. "Denn wenn du in Wien lebst, hast du mit Österreich in aller Regel wenig zu tun, da gibt es eine starke Trennung zwischen Stadt und dem Rest." Herausgekommen ist ein kritisches, aber liebevolles Stadtporträt und - wie man sich bei Stermann gut vorstellen kann - auch ein lustiges. ...

KURIER.at: Wie viel in Ihrem Buch stammt eigentlich wirklich aus Ihrem Leben?
Dirk Stermann: Es stimmt ungefähr ein Drittel, ein Drittel könnte man als dramatisierte Wirklichkeit - das ist so ein Radiobegriff - bezeichnen, und: ein Drittel ist gelogen.

Wie war es im Jahr 1987, nach Wien zu kommen?
Ich kam in einem Februar, lag davor mit einer Krankheit darnieder. Und das erste, was ich am Westbahnhof gesehen habe, waren Zeitungskolporteure. Ich kannte diesen Beruf gar nicht. Es war eiskalt, die hatten Eiszapfen an Augenbrauen und Bart und standen mit eingefrorenen Zeitungen da. Das sah völlig irre aus, und ich dachte: 'Wow, was ist das für eine Stadt?' Ich kam mir wie im Film "Die Schlacht um Stalingrad" vor. Überall Schilder mit fremden Namen: Budapest, Brno, Praha - das hat mir wirklich gut gefallen.

Was hat Sie an Wien angezogen?
Viele Schweizer und Deutsche, die ich kennengelernt habe, sind ja nach einem halben Jahr wieder weggegangen. Die fanden das zu depressiv, das Tempo passte nicht. Mich hat das nicht gestört. Ich bin halt geblieben. Und Wien schafft es relativ schnell, das Gefühl zu vermitteln, dass der Rest der Welt wurscht ist. So quasi: 'Wo wüst'n hin? Es is jo eh olles da, und es is do besser ois woaunders' - und je älter ich werde, umso mehr weiß ich auch, dass das stimmt. Ich wüsste auch nicht, warum man weggehen sollte, ehrlich gesagt.

Die Wiener und die Deutschen

Sie beschreiben in Ihrem Buch das Österreich, in das sie vor 23 Jahren kamen, wie eine fremde Welt. Wie war es für Sie?
Es war tatsächlich fremd. Es gab auch ein anderes Licht als in Westdeutschland. Leute, die mich damals besucht haben, meinten, das ist wie in einem alten Film, nicht so richtig gut ausgeleuchtet. Das war ja Ende der Achtziger Jahre - bevor Wien so wach, cool und schick wurde, wie heute. Wenn du damals um Sonntag nach zwei was essen wolltest, ging das nicht - weil nichts offen hatte. Man konnte kaum im Freien sitzen. Am Naschmarkt gab es nur ein Lokal. Und Wien war ja wirklich das Ende vom Westen - eine Sackgasse. Auf der Durchreise ist hier niemand vorbeigekommen. Die Leute hatten auch so was aus der Zeit Gefallenes. Ich hatte das Gefühl, dass hier nur merkwürdige Leute herumlaufen - vielleicht lag's auch daran, dass ich von Düsseldorf in eine Großstadt kam. Viele laut vor sich Hinschimpfende, merkwürdig frisierte Leute - komisches Gewand bei den älteren Leuten. Mir hat auch ein ORF-Techniker erzählt, dass man damals nach München gefahren ist, um zu schauen, wie's im Westen aussieht. Auch die Mariahilferstraße sah noch ganz anders aus. Es gab nur das Herzmansky. Und im Fernsehen gab es auch nur FS1 und FS2.

Es gab auch noch keinen Jugend-Radiosender ...
Stimmt, FM4 gab's auch nicht. Es gab nur "Hochkultur". Die Arena-Besetzung lag gar nicht so lange zurück. Viele sagen ja, das war das erste Aufflackern von Jugendkultur. 1987 war das alles im sanften Aufbruch.

Die Arena-Besetzung wird ja oft als verspätetes 1968 bezeichnet...
Ich würde auch meinen, dass diese ganze Waldheim-Geschichte das verspätete 1968 war. Plötzlich hat dieses Land diskutiert, sich mit sich selbst beschäftigt.

Das war eigentliche eine spannende Zeit, in der Sie nach Wien gekommen sind ...
Es war irre aufregend! Wenn du U-Bahn gefahren bist, bist du überall auf Menschengruppen gestoßen, die diskutiert haben, sich angebrüllt haben: "Hitler hat soviele getötet, Stalin hat soviele getötet …"

Haben Sie diese Veränderung damals schon von Deutschland aus beobachtet?
Ich bin vollkommen ins Dunkle gefahren. Ich wusste gar nicht, wer Waldheim ist. Man kannte aus den Medien vorher nur Kreisky.

Im Zuge der Waldheim-Affäre kam man darauf, da gibt es auch ein "Da Draußen"...
Davor war natürlich Córdoba wichtig für eine Art Nationsfindung - auch als Abgrenzung zu Deutschland. Und dann kam Waldheim. Staatsvertrag-Cordoba-Waldheim: Das waren so die drei Dinge, die das moderne Österreich, glaube ich, heute ausmachen.

Während " Córdoba" für das Ausland allerdings bedeutungslos war, wurde Waldheim stark von außen wahrgenommen ...
Das Ausland hat Österreich dann gezwungen, sich mit seiner Geschichte zu beschäftigen. Auch bei Schwarz-Blau war das noch einmal feststellbar: Dass man unter Beobachtung steht, sich rechtfertigen muss, nicht alles zulassen kann.

Sie zitieren im Buch aus Wahlplakaten der FPÖ. Haben Sie da nicht gezögert, ob das romantauglich ist..?
Ich mag das grundsätzlich an Romanen, wenn z.B. die Straßennamen stimmen und nicht erfunden sind. Ich fand es auch wichtig, die Plakate zu benennen. Denn seit ich in Österreich bin, gibt es diese sehr expliziten Plakate der FPÖ. Das wird auch in zwanzig Jahren noch stimmen, schätze ich. Populisten wie Strache wird es immer geben. Daher finde ich nicht, dass das zu tagespolitisch ist. Ich habe auch zwanzig Jahre Zeitgeschichte in Österreich abgebildet.

Sie sind ja in Österreich teilweise schlecht behandelt worden, wie man im Buch liest ...
Ich finde, in Österreich gibt es hinter diesem 'Schiach-Reden' auch etwas Sympathisches. Du spürst, das ist eine Art von Kommunikation, hinter der noch etwas anderes steckt. In Wien ist das ein herzliches Schimpfen, meistens zumindest, nicht nur grauslich. Damals gab es auch kaum Deutsche in Wien. Daher bin ich deutlich besser aufgenommen worden als es heute bei den Deutschen ist. Damals war es nicht so schrecklich ...

... nicht so schrecklich, ein Deutscher zu sein?
Na ja, damals war Wien nicht so überflutet von Deutschen, wie heute. Auf der anderen Seite gab es noch größere Vorurteile gegenüber Deutschen. Heute haben die Österreicher ja resigniert. Jeder Junge schaut ProSieben und RTL, die wachsen ja quasi schon 'bundesdeutsch' auf. Also, Dieter Bohlen ist für die sicher berühmter als "Helden von morgen"- Moderatoren.

Geht da was verloren an Sprache?
Ja, ganz sicher. Meine Tochter und ihre Freunde reden total "deutsch". Wenn die Dialekt reden, klingt es total albern. Das kann ich schon besser. Innerhalb des Gürtels reden die Kinder alle hochdeutsch. Draußen - wenn du Floridsdorfer Kids triffst, dann reden die schon stärker Dialekt. Aber das klassische Wienerisch ist deutlich zurückgegangen.

Sinowatz und die Wurst

Dirk Stermann am Würstelstand: "In Österreich gibt es hinter diesem 'Schiach-Reden' auch etwas Sympathisches." 1987 kam er nach Wien, um Theaterwissenschaften zu studieren.
© Bild: Ullstein

Das Buch liest sich stellenweise auch wie eine Gebrauchsanweisung für Wien - was den Bürokratiedschungel betrifft.
Da hat sich natürlich viel verändert. Damals gab es noch die Meldezettel und riesige Zettelkästen. Heute ist zwar alles moderner, mit Computern, aber die Mentalität ist noch immer vergleichbar. Ich glaube, so lange Leute wie der Neugebauer Beamtenfunktionäre sind, ändert sich auch nichts. Weil die sind so wie sie sind, warum sollten sie sich verändern? Sie verwenden vielleicht ein paar andere Worte. Ich finde das aber sympathisch. Mir ist es lieber als diese Dienstleister, die so höflich tun, weil sie jetzt einem amerikanischen Unternehmen gehören. Mir ist das Urwienerische, Grantige, und das Wissen, das man jetzt warten muss und schlecht behandelt wird, fast lieber.

Müssen Sie eigentlich als Deutscher in Wien noch immer Bürokratie erledigen?
Nix mehr. EU ist super! (lacht) Ich muss aber sagen, dass Wien mich eigentlich extrem gut behandelt hat. Ich habe schnell Leute gefunden, die ich gern gemocht habe. In Wien fragst du dich auch nie, ob du eh am richtigen Ort bist. In Österreich bist du in Wien immer richtig, egal was du machst, außer vielleicht Skifahren. Das macht einen ruhiger und zufriedener als in Deutschland, wo du dich immer fragst: Was ist gerade in Hamburg oder in Düsseldorf los?

Können Sie eine Situation erzählen, die Wien besonders gut charakterisiert?
Als ich ganz frisch da war, saß ich mit Leuten im Café Landtmann, und zwei Tische weiter saß der damalige Bundeskanzler Fred Sinowatz und aß ein Paar Frankfurter. Ich konnte es gar nicht fassen, dass ich jetzt neben dem Bundeskanzler sitze. Das wäre in Deutschland bei Helmut Kohl undenkbar gewesen. Er schien mir auch ungeheuer gemütlich. Das war so ein gutes Bild: Diese Wurscht und seine Nase sind zu einer Einheit verschmolzen. Beides war so fleischlich. Mir kam es vor, als hätte er so eine Art Zusatznase zu seiner Nase geführt.
Sinowatz hat ja den legendär-besten Satz gesagt, den je ein Politiker gesagt hat. Der einzig wahre, wahrhaftige Satz: "Es ist alles sehr kompliziert". Das war mir sehr sympathisch. Man kann es nicht besser auf den Punkt bringen. Alles andere ist Lüge, jeder andere Satz stimmt nicht, nur dieser stimmt.

"Guten Morgen, Scheipi!"

Dirk Stermann am Würstelstand: "In Österreich gibt es hinter diesem 'Schiach-Reden' auch etwas Sympathisches." 1987 kam er nach Wien, um Theaterwissenschaften zu studieren.
© Bild: Ullstein

Sobald Sie beim ORF waren, hieß es: Ab zum Entpiefkenisierungskurs. So steht es zumindest im Buch. Hat es den tatsächlich gegeben?
Ja, das gibt's wirklich. Das Ziel ist, dass du dann so eine Art neutrales Josefstadtdeutsch redest (lacht). Ich hab' mich aber geweigert, das zu machen. Später hat man mir gesagt: "Sie reden schon sehr 'Deutsch'" Wenn sie den Kurs nicht machen, werden Sie hier eh nie reden dürfen."
Beim Fernsehen hab ich dann Texte für Fernsehansagerinnen geschrieben. Da meinte der Sendeleiter, ich soll den Kurs jetzt machen, auch wenn ich gar nicht selber im Fernsehen sprechen würde. "Für die sozialen Kontakte am Gang." Originalzitat. Dass die nicht merken, dass hier jetzt ein Deutscher arbeitet. Er hat auch immer gesagt: "Guten Morgen, Scheipi!" Erst nach Wochen fragte mich die netteste Fernsehansagerin: "Grämt dich das eh nicht?" Als ich sie fragte, was "Scheipi" bedeutet, meinte sie: "Das heißt halt Scheisspiefke..."

Mittlerweile ist ja zu Ihrem Alleinstellungsmerkmal geworden: Der Deutsche im Fernsehen und im Radio.
Ich bin jetzt hauptberuflich Deutscher in Österreich (lacht).

Sie, sagen, nur ein Drittel des Buches ist autobiografisch. Ist es für den Leser nachvollziehbar, was stimmt, und was nicht?
Es ging ja nicht darum, die Geschichte von Freunden aufzuschreiben. Daher hab ich die Spuren verwischt. Grissemann kommt im Buch zweimal ganz kurz vor, als "der Tiroler". Ich hatte das Gefühl, dass es ihm sicher auch nicht recht gewesen wäre. Ich hatte auch keine Lust, ihn zu fragen, ob das OK ist, was ich über ihn schreibe.

Meiner Meinung nach kommt er ja noch ein drittes Mal vor, als "Wilde Wanda". Diese Romanfigur kommt mir vor wie so eine cholerische Grissemann-Figur aus den TV-Sketches.
Ja, das könnte er gut spielen, mit einer Perücke ... (lacht) Aber diese Frau gab es wirklich. Ich habe sie gemeinsam mit Grissemann einmal interviewt. Die war damals in der Blüte ihrer Brutalität. Die hatte gerade jemanden abgestochen, saß dort auch mit einem Köter, und ich habe irrsinnig Angst vor Hunden. Das wurde auch nie ausgestrahlt, weil es zu hart war, was sie so erzählt hat. Mittlerweile ist sie ja tot.

"Fernseh-Fuzzys" als Autoren

Dirk Stermann am Würstelstand: "In Österreich gibt es hinter diesem 'Schiach-Reden' auch etwas Sympathisches." 1987 kam er nach Wien, um Theaterwissenschaften zu studieren.
© Bild: Ullstein


Wenn Leute aus Funk und Fernsehen ein Buch schreiben, wird es zumeist nicht ganz ernst genommen. Wie geht es Ihnen damit?

Ich finde es total richtig und normal, dass ich jetzt nicht wahrgenommen werde als ernsthafter Schriftsteller. Wenn ich z.B. lese, dass eine Medienfigur wie Harald Schmidt ein Kolumnenbuch veröffentlicht oder wenn Dieter Moor ein Buch schreibt, weiß ich auch: Das ist ein Fernseh-Fuzzy, der ein Buch macht. Diese Wahrnehmung gibt es natürlich bei mir auch. Das stört mich nicht. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass das ein Roman ist, den man auch lesen könnte, wenn man mich nicht vom Fernsehen kennt. Ich weiß auch, dass mich Ullstein nicht gefragt hat, weil sie gehört haben, dass ich so gut schreibe. (lacht) Mir hat's Spaß gemacht. Ich habe eigentlich immer gerne geschrieben. Christoph spielt gerne, stellt gerne Figuren dar. Mein größeres Interesse galt immer dem Schreiben.

Jetzt tun Sie sich auf jeden Fall leichter einen Verlag zu finden ...
Deutlich! Ich hab mal einen Roman geschrieben mit Anfang Zwanzig und habe ausschließlich Absagen bekommen. Und jetzt rufen mich alle möglichen Verlage an, ob ich was machen möchte. Das ist natürlich ein Riesenunterschied und total unfair und ungerecht! Auch gegenüber Leuten, die großartig schreiben, aber schwer platziert werden können. Dafür kann ich aber nichts ... (lacht)

In "Willkommen Österreich" haben Sie es vermieden, das Buch zu erwähnen …
Im Fernsehen mag ich nicht über mein Buch reden, das wäre das Letzte. Es gibt Grenzen des schlechten Geschmacks.

Inwieweit fühlen Sie sich nun als Wiener? Ist die Entpiefkenisierung abgeschlossen, oder ist die nie abgeschlossen ...?

(Lacht) Also ganz nie! Ich fühle mich als Deutscher in Wien - wie ein Berliner Türke. Ich bin inzwischen anders als ein Deutscher in Düsseldorf. Aber ich bin kein Wiener und vor allem auch kein Österreicher, so wie die Wiener auch keine Österreicher sind. Die Staatsbürgerschaft könnte ich zwar längst haben, aber ich finde das so albern. Ich wüsste jetzt auch nicht, warum.

Wie kamen Sie eigentlich auf den Titel des Buchs?
Ich hatte als einzigen Wandschmuck in meiner Wiener WG damals eine Postkarte, mit der Aufschrift: "Sechs Österreicher unter den ersten Fünf". Das war lustig: Jahre später lernte ich jemanden kennen, der die selbe Karte an der Wand hatte. Und er meinte, er sei Grafiker und hat sie selbst gestaltet. Er hat mir erzählt, dass das eine Zeitungsüberschrift aus dem Sport Kurier war, eine nicht mehr existente Sportzeitung.

Es muss sich wohl um ein Skiergebnis gehandelt haben...
Es geht gar nicht anders ...! Ich habe den Titel auch so gewählt, weil Österreich in diesem Roman irgendwie gewinnt. Ich finde tatsächlich, dass das Buch eine Liebeserklärung an das Land ist. Österreich kommt im Vergleich zu Deutschland sehr gut weg.

Da wir gerade beim Gewinnen sind... Österreich definierte sich im Fall von Córdoba über einen Sieg, der letztlich unbedeutend war. Ist das typisch österreichische Selbstüberschätzung?
Österreich lebt ja aus dieser etwas pathologischen Mischung aus Komplex und Arroganz, beides zusammen macht es ja so merkwürdig. Jedes für sich genommen würde ja problemlos funktionieren. Aber gleichzeitig sich minder fühlen, und überlegen, ist so kompliziert. Der Titel zeigt auch so etwas Hermetisches, dass Österreich sich auch selbst genügt, weil die anderen eh keine Rolle spielen. Und das passt deswegen ganz gut.

Man hat den Eindruck, dass aus dem Wort "Hass-Liebe" bei Ihnen das erste Wort gestrichen worden ist ...
Ich hab Österreich ja nie gehasst. Immer gern gehabt. Ich finde auch, Benjamin Stuckrad-Barres aktueller Buchtitel "Auch Deutsche unter den Opfern" muss für Österreicher ja sympathisch klingen. (lacht)


INFO: "Willkommen Österreich" am Donnerstag, 23. Dezember, 22.45 Uhr. Gäste: Astrologin Gerda Rogers und Dompfarrer Toni Faber. Plus: Nino aus Wien

( KURIER.at ) Erstellt am 05.12.2011