Kultur
19.01.2012

Stephen King: Rettungsversuch für JFK

Der Horror-King überrascht mit einer Zeitreise, um den Mord an Präsident Kennedy zu verhindern. Dickes Buch, starkes Buch.

Man hält es ja selbst nicht für möglich, wie gut man sich dabei unterhält: Da ist ein Imbisslokal in einem Nest im US-Staat Maine, wo die Hamburger besonders billig sind; und das hat seinen besonderen Grund: In der Abstellkammer, zwischen Regalen, führt der Weg direkt ins Jahr 1958.

Damals verlangten die Fleischhauer fürs Kilo Faschierte nur 1,20 Dollar. (Ein großes Bier kostete 20 Cent.)

Lokalbesitzer Al macht diese Zeitreise oft. Kehrt er zurück, sind nur zwei Minuten vergangen. Er hat auch die Idee, länger "unten" zu bleiben, um Lee Harvey Oswald umzubringen, damit er John F. Kennedy in Ruhe lässt.

Al, der sein Leben in der Vergangenheit lässig mit Sportwetten finanziert, schafft das auch fast. Aber er erkrankt an Lungenkrebs. Also soll sein Freund Jake, 35 und Englischlehrer, die Geschichte umschreiben ...

1000 Seiten

So geht Stephen Kings "Der Anschlag", der ab kommenden Montag stapelweise in Buchhandlungen liegen wird. Die New York Times hatte "11/22/63" (Originaltitel) unter die besten fünf Romane des vergangenen Jahres gewählt. Mag übertrieben sein, aber Packenderes war nicht zu bekommen. Obwohl mehr als 1000 Seiten zu bewältigen sind; obwohl es in der Mitte einen Durchhänger gibt; und obwohl man glauben sollte, dass Zeitreisen ausgedient haben.

Ob es an Kennedy liegt?

"Heute weiß man das nicht mehr so genau: dass sich damals alles geändert hat", sagt Stephen King. "Der 22. November 1963, das war unser 9/11." Und er hat nicht einfach nur spintisiert. Der 64-Jährige – dank seines Horrors der erfolgreichste US-Schriftsteller – hat jahrelang historisches Material gesammelt. Nicht einmal Akne auf der Nase des Attentäters Oswald ist ihm entgangen. Dessen armselige russische Frau Marina Prusakova schon gar nicht (sie lebt noch, wollte mit dem Autor aber lieber nicht sprechen).

Und die 50er-, 60er-Jahre, von denen hat King nicht nur Presleys Musik ins Buch geholt. Sondern auch den Rassismus: Dallas kommt ganz schlecht weg, weil Stephen King nicht vergessen hat, das hier ein wahrer Spuckregen auf demokratische Politiker niedergegangen war.

Nein, "Der Anschlag" folgt nicht einer der vielen Verschwörungstheorien. Für King war Oswald ein selbstherrlicher Einzeltäter.

Und? Hätte es etwas gebracht, wäre John F. Kennedy am Leben geblieben? Hätte Vietnam verhindert werden können? Nicht böse sein, aber: Diese 1000 Seiten lesen sich sehr schnell ...