Novelist Stephen King gestures as he speaks to creative writing students at the University of Massachusetts-Lowell in Lowell, Mass., Friday, Dec. 7, 2012. (Foto:Elise Amendola/AP/dapd)

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Joyland
06/16/2013

Stephen King, der Spaßverkäufer

Etwa Besseres für den Urlaub als die Schauergeschichte "Joyland" wird man schwer finden.

von Peter Pisa

Stephen King schreibt schneller, als man lesen kann.

Das merkt man nicht nur daran, dass von dem 65-Jährigen schon mehr als 50.000 Druckseiten im Umlauf sind. (Weltweit wurden 400 Millionen Exemplare seiner Bücher verkauft.)

Sondern man sieht es am neuen Roman, der läuft und läuft: zwischen Riesenrad und Hochschaubahn, von Hot Dogs zu Popcorn, vom flehentlich die Hände in die Höhe haltenden Gespenst in der Geisterbahn zum Kind im Rollstuhl, das einen Drachen steigen lässt ... leichtfüßig ist er immer einen Schritt voraus, und am Ende könnte man heulen.

Auch das schafft der Amerikaner, obwohl er doch wirklich kein Sprachmagier ist.

Joyland“ liegt ab Montag in den Buchhandlungen. Es ist der 56. Roman des sogenannten „Horror-Königs“.

Etwas Besseres für den Urlaub wird man schwer finden. „Joyland“ ist mit rund 350 Seiten für King’sche Verhältnisse ausgesprochen dünn und liegt sogar in Liegestellung gut in der Hand.

Ein starkes Plus.

Viel Spaß

Stephen King verkauft „Spaß“. Das macht der Vergnügungspark Joyland an der Küste North Carolinas genauso. Groß ist er, aber kleiner als die Disney-Parks – die übrigens kritisiert werden: Zu geplant sei dort alles, die totale Spaßprostitution ...

Joyland ist persönlicher. Verkleidete Animateure gibt es aber schon auch. Devon Jones ist einer von ihnen. Der Student jobbt im Hundekostüm.

21 Jahre alt war er im Sommer 1973.

Devon Jones ist der Ich-Erzähler. 40 Jahre später blickt er zurück auf die Zeit, als ihm zum ersten Mal ein Mädchen an der Uni das Herz brach. In Joyland fühlt er sich wohl, mit Schwanz und Schlappohren.

Als er anfing, erfuhr er es sofort: In der Geisterbahn spukt es. Jaja. Nein, wirklich. Denn vier Jahre vorher, 1969, war drinnen einer jungen Frau die Gurgel mittels Rasiermesser durchgeschnitten worden. Von ihrem Begleiter. Er hatte Handschuhe mit und ein zweites Hemd, der Mord war demnach geplant gewesen.

Obwohl es Fotos von ihm gab – die Hollywood-Girls im Park fotografieren ungefragt alle –, konnte der Mann nie ausfindig gemacht werden.

Seither sieht man die tote Linda Gray im blauen Rock bei den Schienen stehen. Manche Besucher sehen sie.

Jones wollte das Gespenst auch sehen. Deshalb blieb er länger als geplant.

In den USA erschien „Joyland“ als Taschenbuch, das durch die billige Aufmachung wie ein Schundroman der 30er-, 40er-Jahre ausschaut. Stephen King wollte diese Verpackung – um zu beweisen, wie gut der Inhalt trotzdem sein kann.

Er hat gewonnen.

Viel Lob

Joyland“ ist keine Horror-, sondern eine Schauergeschichte. Ein Wer-ist-der-Mörder-Spiel. Und vor allem eine kluge Erzählung über die Marterei, erwachsen zu werden bzw. die Schweinerei, jung sterben zu müssen.

Stephen King wird (wieder) besser. Schon für für die Sammlung „Zwischen Nacht und Nebel“ (2010) und für die Zeitreise zum Kennedy-Mord in „Der Anschlag“ (2012) bekam er viel Kritikerlob. Wenn – was man ihm ja immer wieder vorgeworfen hat – Fließbandarbeit solche Ergebnisse bringt, dann nur zu, nur zu.

KURIER-Wertung: ***** von *****

Info: Stephen King: „Joyland“ Übersetzt von Hannes Riffel. Heyne Verlag. 352 Seiten. 20,60 Euro.

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